Nach Bestellung bei KKG-Technik: Geld futsch

Online-Versand

Die Familie sparte sich den neuen Fernseher vom Mund ab. Sie dachte an ein echtes Schnäppchen, als sie das Gerät besonders billig im Internet entdeckte. Aber dann zahlte sie kräftig drauf.

Berghofen

von Urlike Böhm-Heffels

, 29.10.2017, 15:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach Bestellung bei KKG-Technik: Geld futsch

Karina Wild steht ohne Fernseher da und ist um eine teure Erfahrung reicher. Sie möchte andere warnen, sich nicht auf Vorkasse-Zahlungen einzulassen. © Oliver Schaper

Der Fernseher wurde nie geliefert, das Geld dafür ist futsch. Zumindest vorerst. Die Aussichten auf Rückzahlung? Kommen einem Blick in die Glaskugel gleich. Was war passiert? Der kleine Nicklas, Sohn der betroffenen Familie aus Berghofen, wollte nichts Böses, es wollte nur spielen. Leider setzte der Zweijährige dabei den Fernseher im Wohnzimmer schachmatt. Seine Eltern suchten lange nach einem Angebot, verglichen Preise, auch im Handel vor Ort, dann fiel ihre Wahl auf ein TV-Gerät für 452 Euro, angeboten über den KKG Technik-Onlineshop mit Sitz in Frankfurt am Main. Die Hessen offerierten das Gerät 150 Euro billiger als die Konkurrenz. „Wir haben für den neuen Fernseher trotzdem sparen müssen“, sagt Mutter Karina Wild.

Die Lieferung blieb aus – Kundin erstattet Anzeige

Heute ärgert sie sich schwarz, das Geld nach der Online-Bestellung am 27. September sofort überwiesen zu haben. „Ich wollte per Nachnahme bezahlen, aber laut Onlineshop sei dies nur bei Möbelbestellungen möglich“, sagt Karina Wild. Ihr Geld ging am 3. Oktober ein, seither hängt die Bestellung in der Bearbeitung. Die Dortmunderin hörte immer neue Ausflüchte. Einmal soll die Zahlung nicht verbucht worden sein, dann hieß es, sie gehe jetzt in die Bearbeitung, später soll es Probleme gegeben haben mit dem Hersteller, dann mit der Spedition. Immer wieder wurden Karina Wild neue Lieferdaten genannt, nur geliefert wurde nichts. „Das Gerät wird auf deren Online-Seite noch immer für diesen Preis angeboten“, sagt die 35-Jährige. Am 10. Oktober stornierte sie die Bestellung, fordert seither das Geld zurück über viele E-Mails und erstattete Anzeige gegen den Shop bei der Polizei.

Dass Karina Wild überhaupt bei ihren Anrufen ein menschliches Wesen ans Telefon bekam, bezeichnet sie als Wunder. Geholfen hat ihr das „Wunder“ aber nicht. Zahllose Telefonanrufe dieser Redaktion liefen ins Leere: „Es tut uns leid, alle Mitarbeiter sind gerade im Kundengespräch“, dudelt die Stimme vom Band, und: „Thank you for your patience“ (Danke für Ihre Geduld). Auch die Redaktions-Anfrage per E-Mail blieb unbeantwortet.

Verärgerte Kunden: Auf Trustpilot hagelt es Kritik

Auf dem Bewertungs-Portal Trustpilot hagelt es für den Onlineshop Kritik erboster Kunden, die ihrem Ärger Luft machen. Beate Krause von der Dortmunder Verbraucherberatung warnt dringend: „Finger weg von Firmen, die nur Vorkasse anbieten oder dann noch mit Extra-Rabatten werben.“ Sie rät Geschädigten wie der Familie Wild, dem Online-Anbieter zur Erstattung des Geldes eine Frist per Einschreiben mit Rückschein zu schicken. Auch könne beim Amtsgericht ein Mahnbescheid beantragt werden. Dieser koste bis zu einem Streitwert von 1000 Euro dann allerdings 32 Euro an Gerichtskosten. Wenn alles nichts helfe, gebe es noch die Möglichkeit, einen Vollstreckungsbescheid zu erwirken, aber hier sollten Geschädigte vorher genau Kosten und Nutzen abwägen, so Krause.

Das sind die Tipps der Verbraucherberatung Fake-Shops gaukeln Online-Einkäufe nur vor. In Wahrheit sollen Kunden zum Beispiel per Vorkasse bezahlen und sind ihr Geld dann los. Die Verbraucherzentrale hat typische Anzeichen zusammengestellt, an denen sich die Fake-Shops erkennen lassen können. Das Warn-Video ist abrufbar im Internet unter www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/on
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