Nach brutalem Überfall: Kult-Kiosk schließt und hinterlässt eine Lücke im Stadtteil

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Schläge ins Gesicht und Kasse weg: Die Betreiber eines Dortmunder Kult-Kiosks schließen nach einem brutalen Überfall. Kunden vermissen ihre „Bude“. Aber der Überfall hatte auch etwas Gutes.

Huckarde

, 18.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bunte Bonbon-Gläser, Zeitungen, Zigaretten und Getränke – Monika Kühnemund (71) und Thomas Markowitsch (62) hatten in ihrem „Büdchen“ alles, was das Kiosk-Kunden-Herz begehrt. Seit 2002 stand das Paar zunächst rund 16, später knapp 12 Stunden hinter der Theke.

Jetzt ist die Markise des Kiosks „Zur Glückauf Brücke“ in Huckarde eingefahren, die Rollläden sind unten. Der ehemalige Verkaufsraum ist leer, selbst die Tapeten sind schon von den Wänden gekratzt. „Wacker anne Bude“ geht es hier nicht mehr.

Dass der Kiosk am 31. Dezember 2019 geschlossen wurde, liegt aber nicht an geschäftlichen Problemen. „Natürlich haben die längeren Öffnungszeiten der Supermärkte und das Ende des alleinigen Zeitungsverkaufs für Kioske uns beeinflusst“, sagt Monika Kühnemund. „Aber wäre der Überfall nicht gewesen, hätten wir nie geschlossen.“

Täter schlägt Kiosk-Betreiberin ins Gesicht

Es war der 8. Februar 2019, Monika Kühnemund erinnert sich noch ganz genau. Die heute 71-Jährige war zum ersten Mal alleine im Laden als ein vermummter Mann den Kiosk an der Rahmer Straße stürmt.

„Ich habe immer gedacht: Sowas passiert dir nicht.“ Angst habe sie nicht gehabt, sich sogar noch gewehrt, erzählt Monika Kühnemund knapp ein Jahr später. Doch gegen den Täter hatte sie keine Chance.

Nach brutalem Überfall: Kult-Kiosk schließt und hinterlässt eine Lücke im Stadtteil

Bilder aus vergangenen Tagen zeigen, wie sich das Angebot des Kiosks „Zur Glückauf Brücke“ entwickelt hat. © Carolin West

„Der ist mir über die Theke gesprungen, hat mich ins Gesicht geschlagen und ist dann mit der Kasse weg.“ Bei den späteren Untersuchungen ihrer Verletzungen im Krankenhaus dann der nächste Schock: Monika Kühnemund hat einen Tumor in der Nase.

„Ein Gutes hatte das ganze also“, sagt sie. „Sonst wäre das vermutlich nicht so schnell festgestellt worden.“ Heute geht es der gelernten Großhandelskauffrau aus Oespel gut. Trotzdem sitzt der Schock nach dem Überfall tief.

Thomas Markowitsch hat Angst um „seine Moni“

Zwar haben sie weitergemacht, doch mit der Zeit sei deutlich geworden, dass sie den Vorfall erst einmal richtig verarbeiten müssen, so das Paar. „Jeder Kunde mit Kapuze erscheint einem plötzlich als potenzieller Täter“, sagt Monika Kühnemund.

Thomas Markowitsch hat seit dem Überfall Angst um „seine Moni“. „Das Leben meiner Frau ist wichtiger als alles andere“, sagt er. „Und ich kann nicht dafür garantieren, immer da zu sein.“

Das Paar konzentriert sich jetzt auf sein zweites Standbein: Markowitsch überführt Pkw. Trotzdem bleibt ihr Kiosk „Zur Glückauf Brücke“ unvergessen – für Kunden und Betreiber.

„Als wir das Haus 2002 gekauft haben, kam heraus, dass darauf ein Gewerbe angemeldet war - wir haben dann überlegt, was wir daraus machen und eine Nutzungsänderung beantragt“, erzählt der gebürtige Huckarder Thomas Markowitsch. Aus dem losen Verkauf von Eiern, Butter und Käse wurde so eine Bude.

Moni und Thomas haben für jeden ein offenes Ohr

Anfangs sei er noch mehrmals am Tag einkaufen gefahren, damit die Regale des Kiosks gut gefüllt aussahen, so Thomas Markowitsch. Im Laufe der Jahre erweiterte das Paar stetig sein Sortiment.

Doch die beiden verkauften nicht nur, sie hatten auch für jeden ein offenes Ohr. „Manche wollten Ratschläge, viele wollten sich einfach nur etwas von der Seele reden“, erzählt Monika Kühnemund. „Aber alle sind am Ende zufriedener nach Hause gegangen.“

Ihr werden vor allem die Kinder fehlen, sagt die 71-Jährige mit feuchten Augen. „Viele sind gegenüber aus dem Bus gestiegen, haben bei uns schnell eine süße Tüte geholt und sind dann weiter“, erinnert sich Thomas Markowitsch.

Aber auch erwachsene Stammkunden und ihre Geschichten bleiben dem Paar in Erinnerung. „Diese persönlichen Kontakte werden fehlen“, sagt Thomas Markowitsch. Abschied nehmen fällt ihm und Monika Kühnemund nicht leicht. „Wir beenden ein Kapitel, das ist schwer“, sagt sie. Doch jetzt heißt es erst einmal: zur Ruhe kommen.

„Wir wollen reisen und die Seele baumeln lassen“, so Thomas Markowitsch.

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