Demo zum Gedenken an Hanau-Opfer durfte nicht über Dortmunds Wall ziehen

6 Monate nach dem Anschlag

Spontandemo mitten in Dortmund: Rund 100 Menschen gedachten der Opfer des rechtsextremen Anschlags in Hanau vor sechs Monaten. Ein Demozug über den Wall wurde ihnen untersagt.

von Paula Protzen, Thomas Thiel

Dortmund

, 22.08.2020, 11:09 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Hanau-Kundgebung in Dortmund auf dem Platz vor dem Fußballmuseum

Die Hanau-Kundgebung in Dortmund auf dem Platz vor dem Fußballmuseum © Thomas Thiel

Aktualisierung 18.23 Uhr: Demo ohne Vorkommnisse beendet

Die Demo vor dem Fußballmuseum ist beendet. Die Polizei zählte in der Spitze rund 120 Teilnehmende, alles blieb friedlich. Es habe keinerlei Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung gegeben, heißt es in der Abschlusserklärung der Polizei.

Die Demo-Organisatoren kritisieren in ihrer Bilanz der Demo erneut die Entscheidung der Polizei scharf, den Demo-Zug über den Wall untersagt zu haben.

„Es ist eine Farce, dass die Polizei mit 8 Mannschaftswagen vor Ort ist und behauptet, die Demo nicht begleiten zu können. Was soll denn das heißen? Sind die Beamt*innen nicht in der Lage, den Verkehr zu regeln?“ wird Hannah Straub, Pressesprecherin der Organisatoren, in der Mitteilung zitiert.

Aktualisierung 15.16 Uhr: Demo bis 17 Uhr

Die Lage ist nach wie vor friedlich am Hauptbahnhof. Die Demo ist bis 17 Uhr angemeldet.

Aktualisierung, 14.26 Uhr: Kundgebung hat begonnen

Kurz vor halb drei startet die Veranstaltung: Aktuell wird Musik abgespielt, bis um 15 Uhr der Livestream der Kundgebung aus Hanau zugeschaltet wird.

Aktualisierung, 14.15 Uhr: Lautsprecherwagen trifft am Fußballmuseum ein

Der Lautsprecherwagen ist nun auf dem Platz der deutschen Einheit - so heißt der Platz vor dem Fußballmuseum - eingetroffen. Nach den Verzögerungen soll die Veranstaltung in Kürze beginnen, ab 15 Uhr soll dann der Livestream der Kundgebung aus Hanau übertragen werden.

Eingefunden haben sich circa 100 Demonstranten, angemeldet ist die Demonstration bis 17 Uhr.

Demonstranten auf dem Platz vor dem Fußballmuseum, im Hintergrund ist der Hauptbahnhof zu sehen

14.20 Uhr, Platz der deutschen Einheit: Circa 100 Teilnehmer warten vor dem Fußballmuseum auf den Beginn der Kundgebung. © Thomas Thiel

Aktualisierung, 14.00 Uhr: Beginn verzögert sich weiter

Der Beginn der Kundgebung verzögert sich weiter. Der Lautsprecherwagen steht noch immer am Hohen Wall in Höhe des Theaters, da es einen kleineren Unfall gab: Ein Außenspiegel eines Autos wurde beschädigt. Aktuell wird der Schaden von der anwesenden Polizei aufgenommen.

Viele Demonstranten haben den Platz schon verlassen und befinden sich auf dem Weg zur Ersatzkundgebung vor dem Fußballmuseum. Dabei liefen sie entweder durch die City, einzelne folgten der ursprünglichen Route über den Wall: allerdings auf dem Bürgersteig. Eine solche „Einzelanreise“ ist erlaubt, eine Versammlung hätte die Polizei sichern müssen.

Die Organisatoren der Demonstration kündigten auf Twitter rechtliche Schritte gegen das Vorgehen der Polizei an, den Demozug über den Wall zu untersagen.

Aktualisierung 13:45 Uhr: Demonstranten dürfen nicht über den Wall: Sollen einzeln zum Fußballmuseum

Die Polizei bleibt bei ihrer Position: Die Demonstranten dürfen nicht über den Wall laufen. Statt als Demonstrationszug sollen sie einzeln zum Kundgebungsort, dem Platz vor dem Fußballmuseum gehen.


Auf Twitter berichten sie außerdem, dass ihnen von der Polizei untersagt worden sei, eine Ansage zum weiteren Ablauf zu machen. Die Demonstranten sind sauer. Sie werfen der Polizei vor, sich bewusst gegen eine antirassistische Demo zu sperren und keinen triftigen Grund für das Verbot zu nennen.


Aktualisierung, 13.20 Uhr: Demonstranten wollen weiter über den Wall laufen
Demonstrationszug formiert sich hinter Banner mit der Aufschrift "Kein Vergeben! Kein Vergessen! Gemeinsam gegen Rassismus! #Hanau"

13.20 Uhr, Hansastraße: Ein Demonstrationszug bildet sich, kriegt jedoch nicht das „Go“ von den Demonstranten. © Thomas Thiel


Noch läuft der Verkehr auf dem Wall ohne Einschränkungen, doch das könnte sich bald ändern. Die Organisatoren der Demo halten an ihrem Plan fest: Sie wollen über den Wall laufen, notfalls auch gegen den Widerstand der Polizei.

Inzwischen haben Demonstranten Fahnen und Banner ausgepackt und sich zu einem Zug formiert. Aktuell stehen sie noch in der Hansastraße, die Route soll über den Wall zum Westentor und dann über den Westenhellweg gehen.

Immer wieder kommen Menschen dazu, die Schätzung liegt jetzt bei 100 Leuten.

Auch auf Seiten der Polizei ist Verstärkung eingetroffen. Sie steht mit mehreren Wagen gut sichtbar in der Nähe des Walls.

Aktualisierung, 13.05 Uhr: 50 Menschen vor dem Konzerthaus

Demonstranten auf dem Platz der alten Synagoge vor dem Konzerthaus Dortmund

13 Uhr, Platz der alten Synagoge: Etwa 50 Demonstranten haben sich versammelt, um der Opfer von Hanau zu gedenken und gegen Rechts zu protestieren. © Thomas Thiel

Um 13 Uhr haben sich nach Schätzungen der Polizei 50 Demonstranten auf dem Platz der alten Synagoge, vor dem Konzerthaus, eingefunden. Angemeldet worden seien 400 Menschen für die Eilversammlung.

Die Organisatoren hatten geplant, durch die Innenstadt und über den Wall zum Hauptbahnhof zu marschieren. Dort soll um 15 Uhr die Kundgebung aus Hanau übertragen werden.

Die Polizei allerdings erteilte diesen Plänen eine Absage. Sie habe zu wenig Kräfte, heißt es seitens der Polizei. Eine alternative Marschroute stimmen die Demonstranten gerade mit der Polizei ab.

Unsere Erstmeldung von 11:30:

Die Demonstration, die an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau erinnern soll, wurde in Hanau selbst kurzfristig abgesagt. Stattdessen wird es eine lokale Demonstration in Dortmund geben. Dabei soll auch die Kundgebung aus Hanau übertragen werden.

Dazu rufen unter anderem die Dortmunder Antifa und das Bündnis Tag der Solidarität/Kein Schlussstrich auf. Beginn der Demo ist um 13 Uhr auf dem Platz der alten Synagoge.

Die in Hanau ursprünglich für Samstag (22.8.) geplante Demo wurde am Freitagabend (21.8.) kurzfristig von der Stadt Hanau abgesagt. Laut der „Initiative 19. Februar“, Organisator der Veranstaltung, sei die Entwicklung der Corona-Zahlen der Grund für die Absage. Sie würden die Entscheidung zwar bedauern, doch sie seien „keine Corona-Rebellen“ und würden deshalb in Hanau nicht demonstrieren.

Stattdessen soll die geplante Kundgebung im Internet gestreamt werden - und wird so auch in Dortmund zu sehen sein.

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„Auch in Zeiten einer Pandemie sehen wir es als unsere Pflicht, gegen Rassismus auf die Straße zu gehen“, erklärt Hannah Straub, Pressesprecherin der Demo-Organisation. Rassismus sei für die Betroffenen rechten Terrors auch in Zeiten der Pandemie Realität.

„Hanau war kein Einzelfall und die Aufarbeitung muss weiterhin auf der Tagesordnung stehen. Diese Botschaft wollen wir morgen auf die Straße tragen – egal ob in Hanau oder in Dortmund“, sagt Straub.

Die Polizei Dortmund bestätigt, einen Antrag auf Eilversammlung vorliegen zu haben. Sie gehe nicht davon aus, dass es im Rahmen der Veranstaltungen zu größeren Störaktionen kommen werde.

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