In der Buchhandlung von Petra Dreesen steigen die Verkäufe wieder. Bald steht außerdem das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür. © Deborah Grothe
Wirtschaft in Dortmund

Nach Einbruch durch Corona: Wie sich der Buchhandel aus der Krise kämpft

Im Buchhandel geht es bergauf: Aktuell gibt es viele gute Nachrichten aus der Branche. Doch Dortmunder Händler können die nur zum Teil bestätigen.

Auf der Frankfurter Buchmesse klang es nach Entwarnung. Der Umsatz des gesamten Buchmarkts sei wieder auf Vor-Corona-Niveau, meldete der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in einer Pressemitteilung. Aber stimmt das auch für den Handel in Dortmund?

„Pandemie hat uns Kunden gekostet“

Der Umsatz steigt wieder – so hoch wie vor Corona ist er aber noch nicht. Das berichtet Petra Dreesen, Inhaberin des Buchladens „dreesen lesen“ in Dortmund-Brackel. „Die Pandemie hat uns Kunden gekostet. Viele sind zu großen Online-Anbietern gewechselt“, erklärt sie.

Doch die schlimmsten Zeiten scheinen vorbei. Denn viele Kunden sind dauerhaft treu geblieben und kommen bewusst in den Laden, um den lokalen Handel zu unterstützen. „Das trägt uns natürlich durch so schwere Zeiten“, so die Buchhändlerin.

Durch die Pandemie hat sich das Online-Geschäft der Buchhandlung außerdem stärker etabliert. „Ich habe online Kunden, die kenne ich gar nicht persönlich“, sagt Dreesen. Das sei Neuland für sie, da sie vor Ort viel Wert auf den Kontakt mit ihren Kunden lege.

Noch kein Vergleich zu früher

Auch in der Bonifatius-Buchhandlung im Propsteihof steigen die Verkaufszahlen wieder. Einen Vergleich zu der Zeit vor Corona könne man aber auch hier noch nicht ziehen, sagt Mitarbeiterin Tanja Reis.

Tanja Reis räumt die Deko in der Kinderbuch-Abteilung um. In der Buchhandlung Bonifatius gibt es nicht nur konfessionelle Titel. © Deborah Grothe © Deborah Grothe

Wie vor der Pandemie hat die konfessionelle Buchhandlung ihren Schwerpunkt noch immer im stationären Verkauf. „Viele Kunden bestellen aber auch telefonisch oder per Mail“, sagt Reis. Bestellungen über ihren Online-Handel gäbe es dagegen weniger.

Leselust durch Entschleunigung

Die Buchhandlung Anton Reiser ist nach eigenen Angaben nicht schlecht durch die Pandemie gekommen. Eine echte wirtschaftliche Krise habe es nicht gegeben.

Als kleinere Buchhandlung hätte man die Möglichkeit gehabt, in der Krise ein Gesicht zu zeigen und durch persönliche Beratung zu punkten. Viele Kunden aus dem Klinik- beziehungsweise Kreuzviertel wären durch die Entschleunigung sogar zum Lesen gekommen als vor Corona.

Dauerhafte Neuausrichtung

„Unsere Verkäufe sind auf einem guten Niveau, wir sind zufrieden“, sagt auch die Pressestelle der Thalia Bücher GmbH. Zu dem Unternehmen gehört die Thalia Mayersche Buchhandlung am Westenhellweg.

Da die Filiale während der Corona-Krise umgezogen ist, könne man laut Pressestelle keinen aussagekräftigen Vergleich zur den Verkaufszahlen von vor Corona ziehen. Trotzdem geht es auch hier bergauf. „Wir bemerken in den vergangenen Monaten definitiv einen Aufwärtstrend im stationären Verkauf.“

Insgesamt habe sich das Einkaufsverhalten durch Corona aber stark in Richtung online verschoben. „Das wird auch nach der Krise so bleiben“, so die Pressestelle. Darauf richte sich das Unternehmen mit dem Service der Filialabholung und Abholstationen für Bücher ein.

Handel vor neuen Schwierigkeiten

Auch wenn der Umsatz vieler Läden noch nicht auf dem Niveau der Zeit vor Corona ist: Der Trend geht in die richtige Richtung. Das bevorstehende Weihnachtsgeschäft wird den Handel vermutlich noch einmal ankurbeln. Dabei könnte es jedoch zu Problemen kommen.

Denn die weltweite Papierkrise trifft jetzt auch die Buchbranche. Den Verlagen fehlt das Papier, neue Auflagen von Büchern nachzudrucken. Zusätzlich kommt es zu langen Lieferzeiten. Zahlreiche Buchhändler raten ihren Kunden daher, sich schon jetzt um ihre Weihnachtsgeschenke zu kümmern.