Nach Lkw-Unfall: Anwohner fordert Tempo 50 auf der Hohensyburgstraße

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Auf einer Länge von rund 1,5 Kilometern gilt auf der Hohensyburgstraße in Dortmunds Süden eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 70. Anwohner Dr. Jörg Böhnke will das aus zwei Gründen ändern.

Syburg

, 04.06.2019 / Lesedauer: 3 min

An dem Tag, als es wieder knallte, reichte es Dr. Jörg Böhnke. Gerade war auf der Hohensyburgstraße, nur wenige Meter von seinem Haus entfernt, ein schwerer Unfall passiert. Ein Lkw war in den Gegenverkehr geraten und in ein entgegenkommendes Auto geprallt.

Nach Lkw-Unfall: Anwohner fordert Tempo 50 auf der Hohensyburgstraße

Eine Woche nach dem schweren Unfall vom 7. Mai waren die Markierungen der Polizei auf der Hohensyburgstraße noch zu sehen. © Michael Nickel

Da erinnerte er sich wieder daran, was er Jahre zuvor schon einmal versucht hatte. Im Juli 2012 hatte er in einem Brief an die Stadt Dortmund gefordert, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf der Hohensyburgstraße zwischen B54 und dem Restaurant Road Stop von 70 auf 50 km/h zu reduzieren. „Es haben alle Anwohner in dem Bereich auf einer Liste unterschrieben“, sagt Böhnke. Genutzt hat es nichts.

Im April 2013 gab es die Absage von der Stadt. Zum einen, weil es sich laut Polizei um keinen Unfallschwerpunkt handelte, zum anderen, weil Straßen.NRW keine Reduzierung vorsah. Der Straßenbetrieb des Landes ist zuständig für die Hohensyburgstraße.

Nach Lkw-Unfall: Anwohner fordert Tempo 50 auf der Hohensyburgstraße

Links der Friedhof, rechts eine Grundstückszufahrt. Auf der Hohensyburgstraße gilt Tempo 70. © Michael Nickel

Nach dem Unfall am 7. Mai will Böhnke erneut auf die Situation an der Hohensyburgstraße aufmerksam machen. Aus zwei Gründen. „Zum einen leben hier viele Familien mit Kindern und Hunden, es gibt den Friedhof, die Einfahrten zu den Grundstücken sind spitzwinkelig“, sagt Böhnke. Regelmäßig höre er quietschende Reifen und Hupen, weil Autofahrer von 70 auf fast 0 km/h runterbremsen müssten, um auf ihr Grundstück zu kommen und die nachfolgenden Autos nicht unbedingt damit rechneten. Es habe schon mehrere Beinahe-Unfälle gegeben.

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„Zum anderen geht es um den Lärmschutz“, so Böhnke. „Es ist ein deutlicher Unterschied, ob ein Auto mit 50 oder mit 70 km/h hier lang fährt.“

Wie sieht es im Jahr 2019 aus mit einer Temporeduzierung auf 50 km/h entlang der Hohensyburgstraße?

Die Polizei berichtet auf Anfrage von zwei schweren Unfällen auf dem Teilstück der Hohensyburgstraße, die zwischen Anfang 2016 und 6. Mai 2019 passiert sind – also innerhalb von gut 1000 Tagen. Am 14. September 2016 sei ein Motorradfahrer mit Sozius in ein entgegenkommendes Auto geprallt. Beide wurden schwer verletzt. Am 8. März 2018 sei eine Autofahrerin in den Gegenverkehr geraten und gegen einen Bus und ein weiteres Auto geprallt. Sie wurde leicht verletzt. „In beiden Fällen war nicht angepasste Geschwindigkeit die Unfallursache“, sagt Polizeisprecher Sven Schönberg.

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Dr. Jörg Böhnke © Michael Nickel

Für die komplette Hohensyburgstraße bis zum Hengsteysee hat die Polizei 37 Einträge seit Oktober 2017, die sich um abgefahrene Spiegel und Fahrerfluchten drehen. Ein Unfallschwerpunkt sei die Hohensyburgstraße nicht.

Bei Straßen NRW gäbe es intern keine Absichten, das Tempo auf der Hohensyburgstraße zu reduzieren, teilt Sprecher Peter Beiske auf Anfrage mit: „Da es sich in dem angegebenen Bereich um keine Ortsdurchfahrt sondern um freie Strecke handelt, kommt ohne besonderen Grund keine weitere Temporeduzierung in Betracht.“ Eine Temporeduzierung müsste durch die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Dortmund angeordnet werden.

Nach Lkw-Unfall: Anwohner fordert Tempo 50 auf der Hohensyburgstraße

Viele Lkw sind laut Böhnke auf der Hohensyburgstraße unterwegs und bringen Lautstärke mit. Nicht wenige nutzen diesen Weg als Abkürzung in Richtung Hagener Industriegebiet – ganz ohne A1 und A45. © Michael Nickel

Wie schätzt die Stadt die Situation ein? Laut Tiefbauamtsleiterin Sylvia Uehlendahl sei schon mehrmals eine Reduzierung des Tempolimits auf der Hohensyburgstraße beantragt worden. „Allerdings wurde weder von der Polizei noch von der Straßenverkehrsbehörde im Tiefbauamt die Notwendigkeit dafür gesehen“, teilt sie auf Anfrage mit.

Jörg Böhnke selbst hatte zuletzt 2016 telefonischen Kontakt mit der Stadt. Auch nach dem schweren Unfall vom 7. Mai wird sich wohl nichts ändern. „Es gibt eigentlich viele Gründe für eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit“, sagt er. „Aber nur einen, der dagegen spricht: Dass es gesetzlich erlaubt ist.“

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