Nach Prügeldrama: Nordstadt-Rocker ruft den BGH an und vermeidet so unangenehme Fragen

rnLandgericht Bochum

Die Verurteilung eines Bandidos-Rockers aus der Nordstadt für seine Teilnahme an einem „Prügel-Drama“ in Herne ist noch nicht das letzte Wort. Wohl auch taktisch wurde Revision eingelegt.

Dortmund

, 26.11.2019, 14:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der folgenschwere Überfall auf drei Motorradrocker in Herne wird zu einem Fall für den Bundesgerichtshof (BGH). Ein 27-jähriger Bandidos-Rocker aus der Nordstadt und drei mitverurteilte Rockerkollegen haben ihre Verurteilungen durch das Bochumer Landgericht nicht akzeptiert. Damit gehen die Akten also demnächst zum BGH.

Das Bochumer Landgericht hatte am 30. Oktober 2019 sechs Jahre und vier Monate Haft gegen den Rocker aus der Nordstadt verhängt. Je nach Anzahl der Vorstrafen und teils laufenden Bewährungen waren die Haftstrafen gegen die Mitangeklagten so ausgefallen: sechs Jahre und acht Monate, sechs Jahre und zwei Monate, fünf Jahre und zehn Monates. Alle vier Urteile lauteten einheitlich auf schwere und gefährliche Körperverletzung sowie Nötigung.

Opfer „in Siechtum verfallen“

Das Quartett war im August 2018 in Herne auf offener Straße über drei Motorradrocker aus Wuppertal hergefallen – angeblich wegen verletzter Gebietsansprüche und einer Art Machtdemonstration. Eines der Opfer ist für immer ein Pflegefall. „Er ist in Siechtum verfallen und das ist das Schlimmste, was passieren kann, bevor das Leben erlischt“, hatte Richterin Susanne Schön-Winkler in der Urteilsbegründung gesagt.

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Zwar konnte bei keinem der vier Angeklagten sicher festgestellt werden, dass er den folgenschweren Schlag auf den am schwersten verletzten Motorradrocker gesetzt hat. Alle mussten sich laut Urteil die erheblichen Folgen aber letztlich allein durch ihre Teilnahme an der Straßenprügelei entgegenhalten lassen.

Revision „schützt“ vor unangenehmer Zeugenbefragung

Das Verfahren gegen den ursprünglich gemeinsam mit dem Quartett angeklagten Präsidenten des Chapters „Bandidos MC Bochum City/Ruhrpott“ wird aktuell am Bochumer Landgericht weiterverhandelt. Der Angeklagte (35) aus Herne ist darüber hinaus noch wegen einer Bluttat in Bochum angeklagt.

Durch das Einlegen von Revision sind die vier Urteile des Bochumer Landgerichts nicht rechtskräftig. Prozessual bewirkt das, dass die vier verurteilten Bandidos-Rocker im noch laufenden Prozess gegen ihren Präsidenten, der bislang als einziger Rocker durchweg zu dem Vorfall geschwiegen hat, nicht als Zeugen aussagen müssen.

Anders als als Mitangeklagte hätten die verurteilten Rocker (im Falle einer rechtskräftigen Verurteilung) als Zeugen in jedem Fall die Frage beantworten müssen: „War denn der Präsident bei dem Vorfall dabei?“ Wohl auch um diese unangenehme Konstellation zu vermeiden, dürften die Rocker ihre Verurteilungen zur Überprüfung an den BGH weitergereicht haben.

Mit einem Ergebnis beim BGH ist wohl frühestens im Sommer 2020 zu rechnen.

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