„Gefährlicher“ Verdächtiger wieder frei - bis zu einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft

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Ein als gefährlich eingestufter Dortmunder ist am Mittwoch von einem SEK festgenommen worden. Am Tag danach hat ein Haftrichter entschieden, den Mann freizulassen und für viel Ärger gesorgt.

Dortmund

, 29.11.2019, 14:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 39-jähriger Dortmunder soll am Dienstag gegen 23 Uhr im Stadtteil Syburg mit einem Auto gezielt auf eine Frau zugefahren sein. Nur mit einem Sprung in eine Böschung an der Reichsmarkstraße konnte sich die 40-Jährige retten.

Laut Polizei gibt es zwischen den beiden Beteiligten „eine Vorbeziehung“. Details nennen die Ermittler nicht. Der Fahrer flüchtete, die Polizei fahndete nach ihm. Am Mittwochabend schlugen die Beamten dann nach intensiven Ermittlungen in der Nordstadt zu.

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Weil der Verdächtige als gewalttätig und gefährlich eingestuft wurde, war ein Spezialeinsatzkommando (SEK) bei seiner Festnahme involviert. Mit Helmen und Schutzwesten liefen die Einsatzkräfte nach Aussagen von Nachbarn in einen Innenhof nahe der Schützenstraße.

„Selbst gegenüber zehn Kollegen hat der Mann erheblichen Widerstand geleistet“, sagte Polizeisprecherin Cornelia Weigandt. Der Verdächtige ist bei dem Einsatz verletzt worden. Zur Art der Verletzung werden keine Details genannt.

Das Amtsgericht sieht keine Haftgründe

Die Polizei darf Verdächtige nicht lange eigenmächtig festhalten - ein Haftrichter muss entscheiden, ob eine Untersuchungshaft rechtens ist. In diesem Fall teilt die Polizei mit: „Das Amtsgericht Dortmund erließ aufgrund fehlender Haftgründe keinen Haftbefehl.“ Der zuvor als gefährlich eingestufte Verdächtige ist nach dem Gerichtstermin am Donnerstagabend freigelassen worden.

Die Haftgründe sind in der Strafprozessordnung festgeschrieben. Untersuchungshaft ist demnach möglich, wenn der Beschuldigte flüchtig ist, sich versteckt oder Fluchtgefahr besteht. Außerdem wenn der Verdacht besteht, die Ermittlungen könnten erschwert werden, indem er Beweismittel manipuliert oder auf Zeugen und andere Beteiligte einwirkt.

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Unter anderem bei Mord, Totschlag und schwerer Körperverletzung darf die Untersuchungshaft auch angeordnet werden, wenn kein oben genannter Haftgrund vorliegt.

Staatsanwalt Henner Kruse berichtet am Freitagnachmittag aber: „Auf unsere Beschwerde hin ist mittlerweile der Haftbefehl erlassen worden.“ Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, versuchter gefährlicher Körperverletzung und übrigens auch Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Am Freitag wurde der Mann erneut festgenommen

Anders als das Amtsgericht, das für eine Stellungnahme an die Staatsanwaltschaft verweist, sehen die Ermittler dort durchaus eine Fluchtgefahr gegeben. Um 15.30 Uhr sei der Verdächtige am Freitag bereits verhaftet gewesen.

Die polizeilichen Ermittlungen gegen den Verdächtigen dauern an. Für das weitere Verfahren sucht die Polizei Zeugen. Hinweise nimmt die Kriminalwache entgegen unter Tel. (0231) 1 32 74 41.

Diesen Text haben wir am Freitag um 15.40 Uhr aktualisiert, als das Amtsgericht auf unsere Anfrage antwortete. Zuvor war nur zu lesen, dass der Verdächtige auf freien Fuß gesetzt wurde.
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