Das Gebäude von Ursula Andernach und ihrem Mann ist sichtlich gezeichnet. © Lukas Wittland
Blindgänger

Nach Sprengung in Dortmund: Zahlen Versicherungen für Bomben-Schäden?

Wer zahlt eigentlich, wenn Jahrzehnte nach dem Krieg eine Bombe ein Gebäude beschädigt - wie am Sonntag in Dortmund? Stadt und Bezirksregierung verweisen auf private Versicherer. Zurecht?

Noch über die Dächer der Gebäude am Schwanenwall hinaus erhob sich die Fontäne aus Sand bei der kontrollierten Sprengung eines Bombenblindgängers am Sonntag (15.8.). Sand, der danach am Haus von Ursula Andernach kleben blieb. Die Fassade neben dem Schild „Anwaltskanzlei“ weist, so sieht es von unten aus, Löcher auf. Einige Scheiben sind zerbrochen. Die Kosten für die Instandsetzung muss sich Ursula Andernach privat wiederholen.

Weder die Stadt Dortmund, noch das Land NRW, in dessen Verantwortung die Sprengung des Blindgängers fiel, kommen für die Gebäudeschäden auf. Weil die Sprengung ohne Alternative gewesen sei und alle Sicherungsmaßnahmen korrekt eingehalten worden seien. Beide öffentlichen Stellen verweisen auf Versicherer.

Wohl lange Wartezeit wegen der Hochwasserschäden

Ganz eindeutig ist nicht, wie Schäden durch eine kontrollierte Bombensprengung versichert sind. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft informiert beispielsweise darüber, dass Schäden, die auf Kriegsereignisse zurückgehen, vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind. Der Verband verweist jedoch auf häufige Kulanz-Regelungen. Ein Glück für Ursula Andernach.

„Wahrscheinlich lassen sich Ansprüche aus der Gebäudeversicherung herleiten“, sagt sie am Mittwoch. Ihr Versicherer, die Generali, habe entsprechende Möglichkeiten signalisiert. „Eine definitive Zusage haben wir aber noch nicht.“

Und: Wegen der Hochwasserschäden gebe es eine lange Wartezeit, so Andernach. Insbesondere die beschädigten Fenster müssten jedoch eher zeitnah ausgetauscht werden.

Verschiedene Versicherungen kommen in Frage

Wie Schäden durch eine Bombensprengung versichert sein können, erklärt beispielhaft Claus Rehse von der Signal Iduna. „Schäden an Gebäuden decken die private Wohngebäudeversicherung beziehungsweise eine gewerbliche Gebäudeversicherung ab. Geht durch die Explosion Hausrat zu Bruch, so springt die Hausratversicherung ein. Werden Autos beschädigt, so ist das Sache der Kaskoversicherung.“

Explosionsschäden seien standardmäßig über das Risiko „Feuer“ erfasst. Die Ausnahme für Kriegsfolgeschäden wende Signal Iduna in einer Konstellation wie der von Ursula Andernach nicht an.

Wie häufig solche Fälle bei der Signal Iduna vorkommen, lasse sich nicht konkret benennen. „In einem überschaubaren Rahmen“, so Rehse.

„So ein Ereignis zeigt, wie wichtig es ist, bestimmte Risiken privat abzusichern“, schreibt Claus Rehse noch als Bewertung der Verweis der Stadtverwaltung auf private Versicherer.

Schaden an der Fassade noch nicht klar

Wie hoch der Schaden an dem Gebäude ist, lasse sich noch nicht sagen, so Ursula Andernach. Im Erdgeschoss seien Metallverkleidungen einiger Fenster beschädigt worden. Das legt nahe, dass nicht nur Sand durch die Explosion mitgerissen wurde.

Wie mitgenommen die Fassade des Gebäudes ist, das müsse erst noch ein Gutachter klären.

Die Mieter im Gebäude haben Verständnis, so Ursula Andernach. „Die wissen ja, dass wir da auch nichts für können.“ In einem Fall sei sogar Sand in eine Wohnung gelangt. Auch für solche Schäden müsste gegebenenfalls ein privater Versicherer aufkommen.

Hilfe bei der Beseitigung des Sandes

Immerhin: Einen gewissen Fortschritt kann Ursula Andernach am Mittwoch vermelden. Der Sand, der sich auf den Balkonen und auf Parkflächen des Gebäudes abgelagert habe, sei mittlerweile beseitigt.

Eigentlich sollte sie das auch privat organisieren, weil er ja auf einem Privatgrundstück liege, sagt Ursula Andernach. Dann sei doch noch das Tiefbauamt eingesprungen. „Uns ist also erspart geblieben, den Sand mit Schubkarren irgendwo hin zu bringen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
Zur Autorenseite
Bastian Pietsch

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.