Nachfrage nach Arbeitskräften steigt wieder in Dortmund

Arbeitsmarktbericht

Der Arbeitsmarkt scheint im Ferienmonat August ein wenig zur Normalität zurückzukehren. Doch eine Entwarnung ist noch nicht in Sicht – die Arbeitslosenquote steigt weiter.

Dortmund

, 01.09.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
In Dortmund ist die Arbeitslosenquote im August saisonbedingt auf 12,2 Prozent gestiegen.

In Dortmund ist die Arbeitslosenquote im August saisonbedingt auf 12,2 Prozent gestiegen. © Dieter Menne (Archiv)

Auch in Corona-Zeiten ist der Dortmunder Arbeitsmarkt im August saisontypisch. Dazu gehört der Anstieg der Arbeitslosigkeit aktuell auf 12,2 Prozent (plus 0,2 Prozentpunkte). Damit waren in Dortmund im August 38.828 Personen arbeitslos gemeldet. Dennoch scheint der heimische Arbeitsmarkt auf dem Weg zurück zur Normalität.

Von den 38.828 Arbeitslosen waren 10.942 bei der Arbeitsagentur und 27.886 beim Jobcenter Dortmund gemeldet. Insgesamt ist die Zahl der Arbeitslosen im August um 1,4 Prozent beziehungsweise um 538 Personen gestiegen – ein Anstieg wie im langjährigen Mittel der vergangenen Jahre durchaus üblich.

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Im August 2019 verzeichnete Dortmund sogar einen Anstieg um 2,3 Prozent. Das teilt die Dortmunder Arbeitsmarktagentur in ihrem monatlichen Arbeitsmarkt- und Ausbildungsmarktbericht mit.

Eine vergleichbare Arbeitslosenquote wie im August 2020 zählte Dortmund zuletzt im August 2015. „Wie jedes Jahr im Sommer haben wir mit einer erhöhten Arbeitslosigkeit zu kämpfen, die Pandemie machte es uns da nicht leichter“, kommentiert Arbeitsagenturchefin Heike Bettermann die Lage.

In vielen Unternehmen gehe es aktuell weiter in erster Linie darum, die Arbeitskräfte zu sichern, die Kurzarbeit bleibe vielerorts wichtiger Bestandteil.

Kurzarbeit kann neue Chancen eröffnen

Bettermann: „Deshalb ist es sinnvoll mit der Verlängerung schon heute Verlässlichkeit zu schaffen. Gekoppelt mit der Möglichkeit für Qualifizierung und Weiterbildung kann die Kurzarbeit auch neue Chancen eröffnen. Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben nicht vergessen, dass ihnen vor der Corona-Krise die Fachkräfte fehlten und wissen um die demografische Herausforderung der kommenden Jahre.“

Auch jetzt in diesem so besonderen Jahr würden Fachkräfte gesucht und auch eingestellt, so die Arbeitsagenturchefin, nicht ohne zu mahnen: „Wir haben gelernt, mit der Krise zu leben und auch wenn wir erste Lebenszeichen auf dem Arbeitsmarkt spüren, so kann noch nicht von einer Entwarnung gesprochen werden.“

Denn: „Die Betriebe stellen zwar wieder etwas stärker ein, doch die Ungewissheit, inwieweit eine mögliche zweite Pandemiewelle wirtschaftliche Schäden für die Unternehmen bedeuten könnte, hemmt weiter das Arbeitsmarktgeschehen“, sagt Bettermann. Ob sich der Arbeitsmarkt nach der Sommerpause weiter erholen werde, bleibe abzuwarten.

Mehr offene Stellen

Das Jobcenter verzeichnet 143 Arbeitslose mehr als im Vormonat. Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin im Jobcenter Dortmund: „Dies ist ein sehr moderater und absolut saisontypischer Verlauf der Arbeitslosigkeit während der Sommerzeit.“ Besondere pandemie-bedingte Effekte seien nicht erkennbar.

Der Zugang an Arbeitslosen aus Erwerbstätigkeit habe sich im Vergleich zum Vormonat sogar um 128 Menschen verringert. Zeitgleich habe sich die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen um 210 leicht erhöht, sagt Schmalhorst: „Insofern erkennen wir gegenwärtig eine gewisse Stabilität am Arbeitsmarkt.“

Die spezifische Arbeitslosenquote für die Arbeitsagentur liegt bei 3,4 Prozent und für das Jobcenter bei 8,8 Prozent.

Auch Jugendarbeitslosigkeit leicht gestiegen

Laut Arbeitsagentur gibt es auf dem Arbeitsmarkt viel Bewegung. In

Dortmund wurden im August 4.945 Männer und Frauen erstmals oder erneut arbeitslos registriert. Das sind 425 Personen oder 9,4 Prozent mehr als im Vormonat.

4.446 meldeten sich im August bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter aus der Arbeitslosigkeit ab. Das sind 566 Menschen oder 14,6 Prozent mehr als im Vormonat.

Die Jugendarbeitslosenquote ist in Dortmund im Vergleich zum Juli um

0,2 Prozentpunkte auf 11,5 Prozent gestiegen. Im August waren damit 3.799 junge

Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das ist ein Anstieg um 43 Personen gegenüber dem Vormonat.

Die Zugänge in Arbeitslosigkeit aus betrieblicher Ausbildung fallen dagegen im Berichtsmonat August im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich geringer aus.

Eine mögliche Ursache sieht die Arbeitsagentur in der corona-bedingten Verschiebung von Prüfungsterminen bei den Auszubildenden. Insgesamt hinke der Ausbildungsmarkt etwa sechs bis acht Wochen hinterher – sowohl was das Ende von Ausbildungen in diesem Jahr als auch die Einstellungen für das neue Ausbildungsjahr angeht.

Arbeitskräftenachfrage stabilisiert sich

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften ist zu Beginn der Corona-Krise massiv

zurückgegangen, aktuell hat sie sich auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Der

Agentur für Arbeit wurden im aktuellen Berichtsmonat 1.085 neue Stellen gemeldet. Das sind 210 Stellen mehr als im Juli aber im Vergleich 384 Stellenmeldungen weniger als im Juli 2019.

Der aktuelle Stellenbestand liegt mit 4.764 offenen Stellen im

Vergleich zum Vormonat um 158 Stellen höher, im Vergleich zum Vorjahr um 28,8

Prozent niedriger. Arbeitskräfte werden aktuell vor allem im Handel, in der Zeitarbeit und im Gesundheits- und Sozialwesen gesucht. Aber auch im Gastgewerbe bewegt sich was, so gingen im August bei der Agentur für Arbeit 30 Stellenmeldungen mehr ein als noch im Vormonat.

Auch die Kurzarbeit geht nach dem massiven Anstieg im März und April weiter zurück. Im August wurde für 64 Betriebe konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Noch im April wurde an 3.839 Dortmunder Betriebe konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Nahezu alle Branchen sind gleichzeitig von Kurzarbeit betroffen, Gastgewerbe und Handel allerdings am stärksten.

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