Nadja Lüders tritt als NSU-Ausschussvorsitzende zurück

Anwältin von Neonazi

Dortmunds SPD-Chefin Nadja Lüders tritt als Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses zurück. Erst vergangene Woche hatte die Landtagsabgeordnete bekannt gegeben, dass sie 1999 als junge Anwältin den Neonazi und späteren Polizistenmörder Michael Bergers vertreten hatte.

DORTMUND/DÜSSELDORF

, 23.03.2015, 17:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Nadja Lüders tritt als NSU-Ausschussvorsitzende zurück

Tritt als NSU-Ausschussvorsitzende zurück.

Das gab Lüders am Montagnachmittag bekannt. Ihr falle der Schritt sehr schwer, "weil der Kampf gegen Rechtsextremismus für mich eine der wichtigsten Antriebsfedern meiner politischen Arbeit sowohl in meiner Heimatstadt Dortmund als auch im Landtag ist", heißt es in einer persönlichen Erklärung, die die SPD-Landtagsabgeordnete am Montagnachmittag verschickte.

Mit ihrem Rückzug vom Vorsitz wolle Lüders den parlamentarischen Untersuchungsausschuss schützen: "Die Arbeit des Ausschusses darf aber nicht durch eine Diskussion um die Person der Vorsitzenden beeinträchtigt werden. Dafür ist mir der Untersuchungsauftrag zu wichtig." Als weiteren Grund nennt die Dortmunder SPD-Chefin die "Verdächtigungen, Beschimpfungen und Unterstellungen, gerade im Internet". Diese hätten sie "zutiefst verletzt und getroffen". 

Lüders wusste nichts von Bergers Neonazi-Hintergrund

Am Donnerstagabend vergangener Woche hatte Lüders bekanntgegeben, dass sie als junge Anwältin 1999 den Dortmunder Neonazi Michael Berger vertreten hatte. Damals sei es jedoch um ein arbeitsrechtliches Verfahren gegangen, eine Kündigungsschutzklage, die keinen rechtsextremen Hintergrund gehabt habe. Auch habe sie zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst, dass Berger ein Neonazi war. Berger tötete ein halbes Jahr später drei Polizisten und sich selbst.

Als Lüders vor einigen Monaten den Vorsitz des NSU-Untersuchungsausschusses antrat, hatte sie das anwaltliche Verhältnis zu Berger nicht erwähnt, da es in keinerlei Zusammenhang zur Arbeit des Ausschusses stehe, bei der es unter anderem um mögliche Verbindungen von Berger und dem NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) geht. Doch als in Michael Bergers Unterlagen eine alte Visitenkarte von Lüders auftauchte, habe sie sich zur Veröffentlichung entschieden, um Spekulationen vorzubeugen.

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