Nadja Lüders vertrat Neonazi und Mörder Michael Berger

Dortmunder NSU-Ausschussvorsitzende

Der NSU-Untersuchungsausschuss soll die Taten der Neonazi-Terrorgruppe in NRW aufklären. Ausgerechnet die Ausschussvorsitzende und Chefin der Dortmunder SPD, Nadja Lüders, hatte 1999 beruflich Kontakt zu dem Dortmunder Neonazi Michael Berger, der ein halbes Jahr später drei Polizisten erschoss.

DORTMUND/DÜSSELDORF

, 20.03.2015, 12:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nadja Lüders, 44 Jahre alt, ist Chefin der Dortmunder SPD, Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des seit dem Herbst 2014 bestehenden NSU-Untersuchungsausschuss im Landtag NRW  - am Donnerstagabend veröffentlichte sie eine Erklärung von nicht unerheblicher Brisanz: Sie habe, schrieb Lüders, „im Jahr 1999 Michael Berger in einem arbeitsgerichtlichen Verfahren anwaltlich vertreten. Dabei ging es um eine Kündigungsschutzklage, die keinerlei politischen oder gar rechtsextremistischen Hintergrund hatte“. Weiter habe dieser Vorgang nichts mit den im Ausschuss zu untersuchenden Vorgängen zu tun, so heißt es in der Erklärung.

Wahrscheinlich hat Lüders Recht mit der Annahme, dass ein arbeitsgerichtliches Verfahren von 1999 kein Thema im Ausschuss werden dürfte – Michael Berger indes sehr wohl. Im Untersuchungsausschuss sollen nämlich auch Taten durchleuchtet werden, die mit dem Nationalsozialistischen Untergrund in Verbindung stehen könnten.

Party-Besuch mit Hakenkreuz-Ring

Als im Raum stand, dass Lüders Vorsitzende dieses Ausschusses werden würde, sagte ihr Sprecher Frank Uferkamp unserer Redaktion unter anderem, ein Thema im Ausschuss könne auch Michael Berger werden. Berger hatte im Juni 2000 drei Polizisten und anschließend sich selbst erschossen. Die rechte Szene feierte Berger anschließend mit Aufklebern „3 zu 1 für Deutschland, Berger war ein Freund von uns“.

Seit dieser Tat gibt es Gerüchte um Berger, er habe als V-Mann gearbeitet, möglicherweise habe es Verbindungen zur Zwickauer Zelle des Nationalsozialistischen Untergrunds gegeben. Die Überschrift eines Artikels über Berger und seine Verbindungen bei "Spiegel Online" lautete 2011 dann auch treffenderweise „Der ewige Verdacht“. Dort wird ein Besuch Bergers bei einer Party einer Anwältin skizziert: Auch Berger sei auf dieser Party erschienen, der 1,91-Meter-Mann habe dort einen Ring mit Hakenkreuz getragen.

Berger war einer von Lüders ersten Klienten

Sprecher Uferkamp bestätigt diesen Besuch am Freitagvormittag, bei der dort genannten Anwältin habe es sich um Nadja Lüders gehandelt. Berger sei dort erschienen, er hätte allerdings keine Einladung gehabt. Der berufliche Kontakt zwischen Lüders und Berger sei entstanden, als die Anwältin ihre Kanzlei eröffnet habe. „Berger war einer der ersten Klienten, er hatte die Kanzlei offenbar wegen einer Anzeige in einer Zeitung ausgewählt“.

Bei Besuchen in der Kanzlei habe er dann wohl von der Eröffnungsparty erfahren und sei uneingeladen erschienen. Auch den Ring soll er getragen haben, darauf sei Lüders allerdings erst später von anderen Gästen aufmerksam gemacht worden seien.

Lüders vertrat Berger bei Rechtsstreit um Kündigung

Auf die Frage, warum Lüders ihre Kontakte zu Berger erst jetzt öffentlich macht, geht der Sprecher in die Offensive: Ihre Tätigkeit damals sei eine reine arbeitsgerichtliche gewesen, die in keinem Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Ausschussvorsitzende zu sehen sei. Nach Informationen unserer Zeitung ging es damals um die Umwandlung einer fristlosen Kündigung in eine fristgerechte. 

Dennoch habe Lüders in der vergangenen Woche die Obleute des Ausschusses informiert und jetzt die persönliche Erklärung veröffentlicht, um Spekulationen vorzubeugen.

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