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Seit Wochen demonstriert eine Nazi-Partei in NRWs Städten – am Samstag im Dortmunder Stadtteil Hörde. Zahlreiche Gegendemos sind geplant. Was wann wo los ist, gibt es hier im Überblick.

Dortmund

, 24.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Mit ihrer Demonstration am Samstag (25. Mai) ab 13 Uhr in Hörde gehen Dortmunder Neonazis nicht nur gegen Freiheit und Demokratie auf die Straße, sie diffamieren auch die Menschen in Hörde: Den Clarenberg bezeichnen sie als „multikulturellen Brennpunkt“. Bei Nazi-Aufmärschen zeigte der selbstbewusste Stadtteil immer wieder klare Kante – jetzt auch mit viel Solidarität aus Dortmund. Für die Rechtsextremisten dürfte es eng werden im Dortmunder Süden.

Das liegt nicht nur an der von der Polizei stark verkürzten Aufmarschroute, die durch schmale Wohnstraßen führt. Denn zum Protest ruft auch der Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus auf. Die Organisatoren springen nicht über jedes Stöckchen, das die Nazis hinhalten, sondern dosieren ihre Aktionen genau. In den vergangenen Jahren konnte der Arbeitskreis immer wieder mehrere tausend Demonstranten gegen Nazis mobilisieren.

In der Nähe der Nazis

Die Organisatoren um DGB-Chefin Jutta Reiter und Friedrich Stiller von der evangelischen Kirche setzen auf friedlichen und deutlichen Protest in Hör- und Sichtweite der Neonazis. Die Aktion „Straßenkehrer“ beginnt am Samstag um 13.30 Uhr an der Ecke Wellinghofer Straße / Brücherhofstraße. Zu Beginn gibt es Musik von Sevgi & Merhaba und Tom Frost – dann schieben die Demonstranten über die Wellinghofer Straße die Nazis vor sich her, um am Neumarkt erneut lauten Protest loszutreten. Die Arbeitskreis-Route: Brücherhofstraße / Wellinghofer Straße - Gildenstraße - Neumarkt.

Hörder Institutionen wollen sich dem Protest des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus nicht nur anschließen. Sie sagen auch Danke für die Solidarität. „Zuerst wollen wir möglichst viele Leute dazu bewegen, um 13.30 Uhr zum Treffpunkt an der Wellinghofer Straße zu kommen“, sagt Ulrich Spangenberg vom Vorbereitungskreis Pogromnacht Hörde, „dann wollen wir uns auf dem Neumarkt für die Unterstützung bedanken.“

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Dabei im Einsatz ist auch die Gute-Laune-Band „Atemgold 09“. Ulrich Spangenberg äußerte sich auch zur Hetze der Nazis gegen den Clarenberg: „Wir wissen, nicht, was die Nazis hier bei uns wollen. Längst werden Masterarbeiten über das gelungene Projekt Clarenberg geschrieben.“

Für Protest wird auch das Blockade-Bündnis „Blockado“ sorgen. Die Teilnehmer wollen sich für eine gesicherte Anreise nach Hörde um 11 Uhr an der U-Bahn-Station Stadthaus treffen. Die Absicht: Ein lautstarker Protest in „direkter Hör- und Sichtweite zur Naziroute“ an der Gildenstraße / Ecke Beukenbergstraße. Am Nachmittag werden dort die Rechtsextremisten ankommen. Angemeldet ist die Blockado-Kundgebung von 11.30 bis 18 Uhr.

Verbot der Partei

Das Bündnis Dortmund gegen Rechts trifft sich um 12 Uhr an der Schlanken Mathilde in der Hörder Altstadt. Von dort geht es nach einer kurzen Kundgebung zu den Protestaktionen von Blockado und des Arbeitskreises. Das Bündnis fordert seit vielen Jahren ein Verbot der Partei „Die Rechte“.

Start des Aufmarschs der Rechtsextremisten ist die Ecke Am Bruchheck / Grotestraße. Die Nazis reisen vom Hauptbahnhof aus an. Für etliche Anwohner bedeutet das, dass sie sich nicht immer frei bewegen können und nationalistische Parolen ertragen müssen. Die Strecke: Am Bruchheck - Reiner-Daelen-Straße - Wellinghofer Straße - Gildenstraße - Neumarkt (Zwischenkundgebung) - Beukenbergstraße - Schildplatz (Abschlusskundgebung).

Sichtbares Zeichen

Protest zeigen Dortmunder Bürgerinnen und Bürger nicht erst am Samstag und nicht nur mit Sprechchören oder Transparenten. „Mehrere Migrantenvereine setzen ein sichtbares Zeichen gegen Extremismus“, berichtet der Verbund der sozialkulturellen Migrantenvereine (VMDO). Zuwanderer waren in Dortmund immer wieder Opfer rechtsextrem motivierter Gewalt. Nach einer Kundgebung am Freitag (24. Mai) von 20 bis 22 Uhr vor der Petrikirche beginnt um 22.30 Uhr eine Lichtkunstaktion an der Katharinentreppe. Die Botschaften lauten:

  • Stoppt Rassismus
  • Zusammen gegen Menschenfeindlichkeit
  • Europa: Gemeinsam für Vielfalt und Respekt

„Es geht darum, gelebte Demokratie und aktive Zivilgesellschaft sichtbar zu machen und zu zeigen, wofür die Stadt Dortmund wirklich steht“, begründen Dr. Kirsten Hoesch und Dilek Yildiz vom Projekt „Demokratie leben“ die Aktion. Ein Bundesministerium finanziert das Projekt. Das gemeinnützige Künstlerkollektiv „Pixelhelper“ illuminiert für diese Aktion die Stadt- und Landesbibliothek. Im VMDO sind 60 Dortmunder Migranten-Organisatoren zusammengeschlossen.

Mit Beeinträchtigungen müssen Reisende am Samstag am Dortmunder Hauptbahnhof rechnen. Der Bahnhof ist ab 12 Uhr Treffpunkt für etwa 300 Rechtsextremisten. Von dort aus fahren sie mit der U41 zur Endstation Clarenberg nach Hörde.

Mehr Zeit einplanen

Laut Bundespolizei-Sprecher Volker Stall wird es am Hauptbahnhof und am Hörder Bahnof Absperrungen gegen, „um bestimmte Personengruppen voneinander zu trennen.“ Bahnsteige oder Ein- und Ausgänge können kurzfristig gesperrt werden. Reisende sollten also etwas mehr Zeit einplanen.

Mehrere antifaschistische Gruppen demonstrieren bereits am Freitag (24. Mai) „Gegen den Rechtsruck“. Die Demonstration beginnt um 18.30 Uhr auf dem Sonnenplatz im Kreuzviertel und führte durch die Innenstadt in Richtung Reinoldikirche. Betroffen sind u. a. diese Straßen: Neuer Graben, Hohe Straße, Ruhrallee.
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