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Neonazi-Böllerwerfer plante Anschlag mit Modellflieger

Festnahme in Baden-Württemberg

Der rechtsradikale Böllerwerfer von Dortmund ist in Baden-Württemberg festgenommen worden. In Dortmund hatte er bei einer Neonazi-Demo fünf Menschen verletzt. Nun plante er laut Ermittlern einen Sprengstoff-Anschlag mit einem Modellflugzeug. Auch für Dortmund könnte die Festnahme Konsequenzen haben.

DORTMUND/EMMENDINGEN

von Von Peter Bandermann

, 10.09.2013 / Lesedauer: 3 min
Neonazi-Böllerwerfer plante Anschlag mit Modellflieger

Neonazis bei der Demo am 31. August auf der Saarlandstraße. Kurz zuvor hatte ein 23-Jähriger aus dem Demo-Zug einen Böller auf eine Gegendemo geworfen.

Der 23-Jährige soll einen 42-jährigen aus dem Raum Emmendingen zum Bau einer Sprengvorrichtung angestiftet haben."Es soll Überlegungen gegeben haben, diesen selbstgebastelten Sprengsatz mit einem Modellflugzeug bei einer Veranstaltung politischer Gegner einzusetzen. Nach jetzigem Ermittlungsstand existierten hierzu jedoch noch keine konkreten Planungen", schreiben die Ermittler. Die beiden weiteren Tatverdächtigen sind ein 22-Jähriger aus dem baden-württembergischen Landkreis Freudenstadt, bei dem sich der Drahtzieher zeitweise aufhielt, sowie ein 24-Jähriger aus Freiburg, die beide der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind.  

Durch einen Hinweis kam die Polizei den Verdächtigen auf die Spur. Bereits am 4. und 5. September wurden deshalb in Freiburg, den Landkreisen Freudenstadt und Emmendingen ein rechter Szenetreff und die Wohnungen der vier Verdächtigen durchsucht. Beim mutmaßlichen Hersteller konnten eine funktionsfähige Sprengvorrichtung und mehrere Modellflugzeuge sichergestellt werden. Entschärfer des LKA machten den Sprengsatz unschädlich. Bei den Durchsuchungen wurden außerdem verschiedene Chemikalien, geringe Mengen Betäubungsmittel, elektronische Datenträger und eine Videokamera sichergestellt.

Der mutmaßliche Auftraggeber - der 23 Jahre alte Neonazi - hatte bereits am 31. August bei der Demonstration der Partei "Die Rechte" in Dortmund in Richtung von Gegendemonstranten einen Böller geworfen. Dadurch erlitten insgesamt fünf Personen Verletzungen in Form von Knalltraumata.   Der mutmaßliche 42-jährige Bombenbauer, der auch den in Dortmund verwendeten Böller hergestellt haben soll, ist bislang nicht mit politisch motivierten Straftaten aufgefallen. Ein gegen ihn erlassener Haftbefehl wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt, der mutmaßliche Auftraggeber sitzt in Untersuchungshaft.

Am Dienstagnachmittag meldeten sich auch die Staatsanwaltschaft und die Polizei Dortmund zu Wort. In einer gemeinsamen Presseerklärung schrieben sie, dass die Staatsanwaltschaft ihm aufgrund des Böllerwurfs bei der Neonazi-Demo in Dortmund gefährliche Körperverletzung vorwirft. "Die Ermittlungsbehörden stehen in Kontakt", heißt es in der Presseerklärung. "Es ist beabsichtigt, die Verfahren zusammenzuführen."

Es gibt weitere Reaktionen aus Dortmund zu der Festnahme: Der Staatsschutz prüft aktuell die Verbindungen zwischen Dortmunder Nazi-Organisationen und anderen „handelnden Personen“, wie es Polizeipräsident Wesseler formulierte. Wesseler über zu erwartende neue Nazi-Demonstrationen: „Ob und welche Auswirkungen eventuelle Verbindungen für zukünftige rechtsextreme Versammlungsanmeldungen hat, werden wir in Dortmund sehr genau prüfen.“

Im September 2010 hatte Wesselers Vorgänger Hans Schulze nach der Festnahme eines Neonazis der inzwischen verbotenen „Kameradschaft Aachener“ einen Nazi-Aufmarsch in Dortmund verbieten wollen. Der Festgenommene hatte in Berlin mit Sprengstoff hantiert und laut Polizei vor dem Aufmarsch in Dortmund Kontakte zum „Nationalen Widerstand Dortmund“ (NWDO). Das Bundesverfassungsgericht hatte das Verbot aufgehoben.

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