Netze und Zäune schützen vor Steinschlag

Arbeiten am Ruhrtal-Radweg

Angenehme Arbeitsplätze sehen anders aus. Mit Seilen gesichert hängen die Kletterer über Stunden am Steilhang oberhalb der Ruhr, trotzen Sturm und Regen, während sie per Hand ein stählernes Netz an Felsanker klemmen. Denn die Zeit drängt. Bis Ende Februar muss der Hang gesichert sein. Wir haben uns die Arbeiten vor Ort angeschaut.

SYBURG

, 24.02.2017, 06:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Netze und Zäune schützen vor Steinschlag

Aus der Luft wurden die Bauelemente für den Schutzzaun eingeflogen, die den Ruhrtal-Hang sichern sollen.

Die Experten vor Ort sind aber optimistisch, den Zeitplan zu halten. Im März müssen nur noch Restarbeiten erledigt werden, kündigt Frank Peter, Fachspartenleiter für Ingenieurbau im städtischen Tiefbauamt an. Das freut besonders die Nutzer des Ruhrtal-Radwegs. Denn der ist im Bereich der Lennemündung im Dreieck zwischen Schwerte, Dortmund und Hagen schon seit mehreren Jahren gesperrt.

„Durch Steinschlag bestand Gefahr für Leib und Leben“, erklärt Frank Peter. Dass die Sicherung so lange dauerte, hat gute Gründe. Mehrere Varianten mussten geprüft und mit der Bahn verhandelt werden. Denn die Gleise der vielbefahrenen Bahnstrecke zwischen Hagen und Schwerte verlaufen unmittelbar unterhalb des Hangs.

Bretterwand reichte nicht aus

Wäre es nach der Bahn gegangen, hätte eine Bretterwand entlang der Böschung ausreichen sollen. Das Tiefbauamt entschied sich allerdings für die große Lösung: „Wir wollen auf lange Zeit Ruhe und Sicherheit haben“, betont Frank Peter. Deshalb wurden jetzt auf einer Länge von 525 Metern 380 Anker gesetzt, die mehrere Meter in den Fels hineinführen.

Ein Teil des Abhangs wird mit Stahlnetzen gesichert, weiter östlich werden bis zu vier Meter hohe Schutzzäune gegen Steinschlag gesetzt. Alpenerprobte Technik einer Schweizer Spezialfirma – alles auf Basis einer „Steinschlag-Simulationsberechnung“ durch ein eigens eingeschaltete Ingenieurbüro.

Die Masten mit dem vorinstallierten Zaungitter wurden am Mittwoch per Hubschrauber an den Hang gehievt und dort von den Kletterern der Firma Feldhaus in Empfang genommen. Sie sind selbst samstags im Einsatz, um den Zeitplan zu halten, den der Naturschutz setzt.

Seltene Tiere und Pflanzen 

Der machte auch lange Vorarbeiten nötig. Weil in den bis zu 40 Meter hohen Felswänden seltene Tiere und Pflanzen leben, musste die Natur während einer kompletten Vegetationsperiode dokumentiert werden. Auch das hat die Sperrzeit für den Ruhrtal-Radweg verlängert.

Rodungs- und Fällarbeiten waren im vergangenen Herbst trotzdem nötig an der Böschung. Erst danach stellte sich heraus, dass statt der geplanten 190 rund 380 Anker gesetzt werden mussten, um den Hang zu sichern. Die Baukosten für die Hangsicherung steigen so von 300.000 auf rund 380.000 Euro, schätzt Frank Peter. Die Bahn, deren Gleisstrecke nun auch gesichert ist, beteiligt sich mit 27.000 Euro. So viel, wie der Bretterzaun gekostet hätte.

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