Neubau ist seit Jahren teils ein Rohbau - Mieter ist stocksauer

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2016 zog Uwe Marks zur Albingerstraße 10. Sein Kumpel, den er schon seit Jahrzehnten kennt, riet dringend ab. Marks nahm die Wohnung trotzdem - und wohnt seitdem in einem Rohbau, sagt er.

Benninghofen

, 20.09.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Uwe Marks ist in Benninghofen groß geworden - auf der Kuhweide. Das ist gleich um die Ecke von der Albingerstraße. Als hier 2014 gebaut wurde, sah er die Chance, zurück nach Benninghofen zu ziehen. Da wohnte er in Kirchhörde. „Ich habe hier in Benninghofen alles, was ich brauche“, sagt der 59-Jährige. Und er fühlt sich hier zuhause. Wäre da nicht sein Ärger mit der Wohnung, den er seit seinem Einzug habe.

Ein Einzug, von dem ihm sein langjähriger Freund aus Benninghofen damals abriet: „Da willst du einziehen“, habe der damals gesagt, erinnert sich Marks. Das Gebäude sei im ganzen Viertel wegen seines baulichen Zustands verschrien. Das ist Jahre her, geändert habe sich nichts, sagt Marks

Man habe ihm wie allen anderen neuen Mietern auch versprochen, dass die Mängel schnell behoben würden. Aber: trotz zahlloser Anrufe, Schreiben und Mietkürzungen von Mietern - geschehen sei seitdem nichts. Auf seiner Etage stünden derzeit drei Wohnungen leer, so Marks. Die Mieter hätten die Nase voll gehabt von leeren Versprechungen und dem Zustand des Gebäudes.

Das Haus Nummer 10 in der Albinger Straße sieht auch von außen an manchen Stellen sanierungsbedürftig aus.

Das Haus Nummer 10 in der Albinger Straße sieht auch von außen an manchen Stellen sanierungsbedürftig aus. © Britta Linnhoff

Die Geschichte beginnt vor Jahren: „An der Albingerstraße verfällt ein Wohnhaus, das erst vor zwei Jahren gebaut worden ist – als öffentlich geförderter Wohnraum. Feuchtigkeit, Schimmel, Keller voller Wasser, einsturzgefährdete Balkone: Die Mängelliste ist lang.“

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Diese Sätze stammen aus einer Berichterstattung unserer Redaktion aus dem Jahr 2016. Und nun, vier Jahre später? Uwe Marks sagt, er habe noch Glück. Seine Wohnung sei trocken, weil irgendwann mal sein Balkon saniert worden sei. Von den anderen laufe ständig Wasser in Richtung Hauswand. Der Hausflur gleicht nach wie vor einem Rohbau.

Auf den Außenfluren der Etagen besteht der Fußboden aus nacktem Beton, der an manchen Stellen auch Löcher aufweist.

Auf den Außenfluren der Etagen besteht der Fußboden aus nacktem Beton, der an manchen Stellen auch Löcher aufweist. © Britta Linnhoff

Die eingebauten Türen sind zwar eingesetzt, aber die Rahmen nicht verputzt; auf den Außengängen des Hauses ist der Boden nackter Beton. „Die haben hier öffentliche Gelder gekriegt, und nix ist passiert“, klagt Marks. Er zahle regelmäßig. Seit 2017 aber habe er keine Nebenkostenabrechnung mehr bekommen. Das darauf ausgewiesene Guthaben habe er bis heute nicht erhalten.

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Vermieter ist das Unternehmen GOV Immobilien mit Sitz in Hagen. Im Netz finden sich diverse Angaben, aber die Firma bleibt trotz mehrerer Versuche unerreichbar - auch das war vor Jahren schon so. Die von GOV beauftragte Hausverwaltung war zwar erreichbar, wollte sich aber nicht äußern.

Beim Mieterverein Dortmund muss man nur das Stichwort Albingerstraße 10 sagen - dann ist klar um was es geht. Der Bau ist vertraut. Aktuell geht es es um einen Streit um die Nebenkostenabrechnung, nicht bei Uwe Marks, sondern bei einem Mitbewohner.

Tobias Scholz, wohnungspolitischer Sprecher des Mietervereins Dortmund sagt, der Nachbar habe bis Ende 2019 keine Abrechnung für 2018 bekommen und wandte sich an den Mieterverein. Der schrieb an die GOV, die habe daraufhin einen Anwalt eingeschaltet.

„Wohnungsamt hat stets ein offenes Ohr“

Die Stadt Dortmund teilt auf Anfrage mit, dass das Wohnungsamt „hier nicht mehr aktiv“ sei; auch die Bauordnung habe das Kapitel schon lange geschlossen. Dies könne nur der Fall sein, wenn Probleme gelöst worden seien oder „andere Stellen eine Zuständigkeit bekommen“.

Aber auch: „Sollten neue Missstände bestehen, weisen Sie gerne die Anwohner darauf hin, dass sie sich an die Stadt wenden können. Das Wohnungsamt hat hier stets ein offenes Ohr und kann auch (sofern es nicht selbst zuständig ist) an andere Stellen weiter vermitteln.“ Die Wohnungen, für die die Stadt ein Belegungsrecht habe, seien alle vergeben.

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