Neue Ampel in Eving: „Eine große Wertschätzung für die Bergmänner“

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Der Stadtteil Eving hat eine neue Sehenswürdigkeit: „Dortmund schönste Ampel“, wie Ullrich Sierau sagt. Für Bergleute ist sie ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung und der Verbundenheit.

Eving

, 04.09.2019, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer Mitte der 90er-Jahre als Kind auf der Evinger Straße unterwegs war, so wie der Autor dieser Zeilen, erinnert sich nur dunkel an eine sehr lange Mauer. Dahinter lag Minister Stein, die Zeche, die 1987 schloss. Zu Spitzenzeiten arbeiteten dort 8500 Personen. Das ist Geschichte, rund 1200 Arbeitsplätze sind im sogenannten Gewerbepark Minister Stein neu entstanden. Ein Einkaufszentrum steht heute da, wo früher die Mauer war.

Seit Mittwoch (4. September) haben die Evinger eine neue Sehenswürdigkeit: „Dortmunds schönste Ampel“, wie Oberbürgermeister Ullrich Sierau vor Ort sagt. Die frisch eingeweihten Ampeln zeigen nicht mehr die herkömmlichen Lichtzeichen, sondern stilisierte Bergleute.

„Das ist eine große Wertschätzung für die Bergmänner“, sagt Norbert-Rüdiger Meyer (64): „Gerade für die, die ihr Leben lassen mussten.“ Meyer ist im Knappenverein Borussia aktiv. Das ist die Borussia, die schon weit vor 1909, nämlich 1872, in Eving gegründet wurde. Knappenvereine waren sozusagen die Vorläufer der Sozialversicherungen.

„Der Bergbau ist mit den Zechenschließungen im vergangenen Jahr ja nicht zu Ende“, betont Meyer. Weiterhin arbeiten Menschen unter Tage, rund um die Uhr laufen Pumpen, um das giftige Grubenwasser zu transportieren. Eine der Ewigkeitsaufgaben des Bergbaus.

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Schön sei es definitiv, dass der Hammerkopfturm von Minister Stein immer noch zu sehen ist, genau wie andere Gebäude des Zechengeländes, findet auch Lothar Emmrich (62). Er hat bis zuletzt auf Minister Stein gearbeitet und möchte die Erinnerung an die für Dortmund so wichtigen Arbeiter hochhalten.

„Zu Hochzeiten hatte unser Verein mal 300 bis 400 Mitglieder, vor acht bis neun Jahren waren es noch knapp 100“, so Emmrich: „Jetzt sind wir rund 30 Mitglieder.“ Die Männer würden sich sehr freuen, wenn jüngere Leute sich für die ganz lokale Geschichte interessieren würden.

Neue Ampel in Eving: „Eine große Wertschätzung für die Bergmänner“

Helmut Adden war 35 Jahre lang in der Bezirksvertretung Eving als Politiker aktiv. © Kevin Kindel

Dass auf dem Zechengelände jetzt unter anderem eine Anlage für Fußballgolf zu finden ist, freut die Bergknappen aber auch: „Schön, dass da immer Leben ist“, ergänzt Karl-Heinz Müller, dessen 75-jährige Stimme nach vielen staubigen Jahren klingt, seine Kollegen.

Helmut Adden war stolze 35 Jahre lang Mitglied der Bezirksvertretung in Eving. Er saß schon acht Jahre lang im Stadtbezirksparlament, als Minister Stein als letzte Dortmunder Zeche geschlossen hat. „Mein Sohn wird bald 50“, sagt Adden: „Der hat schon gar keinen richtigen Bezug mehr zu dem Thema.“ Ganz toll finde er es, dass jetzt Ampelzeichen an die Bergleute erinnern. Adden meint: „Man muss immer nach vorne gucken. Aber man darf die Erinnerung nie vergessen.“

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