Neue Beratungsstelle soll Einstieg in den Salafismus verhindern

Präventionsprogramm "Wegweiser"

Salafisten haben in Dortmund bereits Spuren hinterlassen. Jetzt sollen Sozialarbeiter verhindern, dass junge Menschen in den gewalttätigen Salafismus abgleiten. Deshalb eröffnet auch in Dortmund eine Beratungsstelle des "Wegweiser"-Programms. Dahinter steht der NRW-Verfassungsschutz.

DORTMUND

, 04.12.2015, 12:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Die Jugendlichen sollen nicht in die radikalisierte salafistische Szene abrutschen", sagt Jörg Rademacher vom Innenministerium über das seit März 2014 wachsende Präventionsprogramm. Nach Düsseldorf, Bonn, Bochum und Wuppertal ist Dortmund die fünfte Stadt in Nordrhein-Westfalen, in der Sozialarbeiter gefährdete Jugendliche vor dem Abgleiten in den gewalttätigen Salafismus bewahren sollen.

Der NRW-Verfassungsschutz möchte ein flächendeckendes Angebot schaffen. Dortmund ist keine Salafisten-Hochburg, aber als Metropole ein wichtiger Standort in Westfalen. Dennoch: Salafisten haben in der Stadt bereits Spuren hinterlassen.

Schutz vor falschen Versprechen

Am 8. Oktober 2015 überwältigte ein Spezialeinsatzkommando in der Innenstadt den mutmaßlichen Terroristen Fadi Rudolf S. - der 25-Jährige mit drei Staatsangehörigkeiten soll laut Generalbundesanwaltschaft in Syrien an der Seite der "Soldaten Syriens" gestanden und für den "Islamischen Staat Irak und Großsyrien" im Einsatz gewesen sein. Schützen soll das "Wegweiser"-Programm die Jugendliche vor den Angeboten und falschen Versprechen von Hasspredigern und Aktivisten wie Sven Lau und Pierre Vogel. Sie hatten am 15. Februar 2014 auf der Kampstraße in Dortmund zu einem öffentlichen Gebet aufgerufen und propagierten: "Das Grundgesetz ist mit dem Islam nicht vereinbar."

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Zwei Sozialarbeiter sind in Dortmund wichtige Ansprechpartner für Familien, Freunde und Lehrer von gefährdeten Jugendlichen. Die beiden Spezialisten sollen zunächst informieren und beraten. Das Innenministerium spricht von einem "niedrigschwelligen Angebot", das schnell zu einem "intensiven Kümmern" ausgebaut werden könne. Laut Jörg Rademacher gehe es dann um passgenaue Hilfe, die zwischen Sozialarbeitern, Jugendamt, Schulen, Sozialamt, Moscheevereinen und Polizei abgestimmt werden müsse. Die Stadt Dortmund stellt das lokale "Wegweiser"-Programm am 16. Dezember (Mittwoch) vor.

Verschiedene Ursachen

Der Einstieg in den gewalttätigen Salafismus hat verschiedene Ursachen. Pauschale Antworten gibt es nicht. Jugendliche stünden im Visier der fanatischen Salafisten, wenn sie orientierungslos und daher ansprechbar seien. "Manche fühlen sich angezogen, weil sie Diskriminierungserfahrungen haben", sagt der Sprecher des Innenministeriums. Salafisten würden Geborgenheit vorgaukeln und die Jugendlichen mit falschen Versprechen anlocken. Die Terrorgruppe "Islamischer Staat"(IS) sucht auch in Europa die Soldaten für den Krieg unter anderem in Syrien.

In unregelmäßigen Abständen zu sehen ist in der Dortmunder Innenstadt die "Lies mich"-Kampagne. Islamisten verteilen dabei in der Fußgängerzone den Koran.

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