„Neue Derner Mitte“: Diskussion um Weltkulturerbe, Aldi und Wohnen

rnStreit um Dernes Zukunft

Soll auf der Grenze von Derner Einkaufszentrum und Zechengelände ein Aldi-Supermarkt entstehen oder doch lieber drei kleinere Gebäude? Zu dieser Frage streiten sich Politik und Verwaltung.

Derne

, 09.09.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein großer Riegelbau mit Aldi kontra drei kleinere Gebäude mit Einzelhandel, Wohnraum und vielleicht auch Büros - in der letzten Sitzung der Bezirksvertretung Scharnhorst in der alten Wahlperiode prallten die unterschiedlichen Ansichten zur „Neuen Derner Mitte“ am Dienstag (8.9.) aufeinander. Das sind die unterschiedlichen Positionen:

Die Stadtverwaltung, in der Sitzung vertreten durch Stefan Thabe vom Stadtplanungsamt und Susanne Linnebach vom Amt für Stadterneuerung, meint: Eine Bebauung mit drei einzelnen Gebäuden statt einem großen würde die Durchlässigkeit zwischen dem Derner Ortskern und dem ehemaligen Zechengelände mit Tomson-Bock und Doppelbock erhöhen.

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Entstünde dagegen ein großer Bau für den Aldi, bekäme der Platz dahinter - also zwischen den beiden imposanten Zechen-Relikten - eine Art Hinterhofcharakter. Gerade diese Fläche könne man aber gut als Dorf- oder Festplatz ausbauen.

Bewerbung um Anerkennung als Unesco-Weltkulturerbe

Wichtigstes Argument der Stadtverwaltung für ihre Pläne ist jedoch die Möglichkeit, aus diversen Fördertöpfen bis zu 14 Millionen Euro zu erhalten, die unter anderem für die Sanierung des Tomson- und des Doppelbocks genutzt werden können. Dazu zähle auch ein Antrag auf Anerkennung als Unesco-Weltkulturerbe für die Zechen-Denkmäler. Ziel sei, die beiden ortsbildprägenden Bauwerke durch eine besondere Beleuchtung noch stärker herauszustellen als bisher, so Susanne Linnebach.

Wo sich jetzt noch eine Brachfläche befindet, zwischen Tomson-Bock (links) und Doppelbock (nicht im Bild), soll nach dem Willen der Verwaltung ein Dorf- und festplatz entstehen

Wo sich jetzt noch eine Brachfläche befindet, zwischen Tomson-Bock (links) und Doppelbock (nicht im Bild), soll nach dem Willen der Verwaltung ein Dorf- und festplatz entstehen. © Andreas Schröter

SPD und CDU sind sich in ihrer Ablehnung dieser Pläne einig. Sie plädieren für einen großen Baukörper, in dem eine Aldi-Filiale untergebracht würde. Auch die Rewe-Filiale, die von den Kunden heute als zu eng angesehen werde, könnte erweitert werden. Vorteil dieser Pläne sei, wie es Heinz Pasterny und Herbert Niehage für die SPD sowie Jürgen Focke und Werner Gollnick für die CDU darlegten, dass es dafür einen konkreten Investor gebe.

Sicherlich lasse sich ein solches Gebäude auch so durchlässig planen, dass es Sichtbeziehungen zum Platz dahinter gebe, so Pasterny. Die geplante Klinker-Fassadengestaltung für dieses Gebäudes passe gut zum Zechen-Ambiente. Im Übrigen gebe es auch in diesen Plänen genügend Wegeverbindungen zwischen Ortskern und Zechengelände.

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Man brauche in Derne keine neuen Flächen für kleinteiligen Einzelhandel. Es gebe an der Altenderner Straße genügend Leerstand: „Wer soll rein und wer soll sie bauen?“, so Karin Heiermann über die drei Gebäude.

„Wir wollen nicht auf Wolkenkucksheim warten“

Der Tenor unter den Politikern ist: „Wir wollen nicht auf ein Wolkenkuckucksheim warten, für das es überhaupt keinen Investor gibt - wie einst auf das Ufo am Hauptbahnhof.“ Denkmalschutz sei zwar wichtig, aber noch wichtiger sei die Weiterentwicklung Dernes im Hier und Jetzt. Der berühmte Spatz in der Hand erhält bei diesem Vorgehen den Vorzug vor der Taube auf dem Dach.

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Die CDU-Fraktion kritisierte auch die mangelnde Kommunikation. Obwohl bereits im März ein Workshop stattgefunden habe, aus dem der Plan mit den drei Einzelgebäuden hervorgegangen sei, sei die CDU erst jetzt durch Presseveröffentlichungen darauf aufmerksam gemacht worden.

Unverständlich sei, dass zu diesem Workshop weder der mögliche Investor des Aldi-Gebäudes, Dreier-Immobilien, noch die von ihm beauftragte Architektin eingeladen worden seien. Jürgen Focke: „Das ist Hinterzimmerpolitik, eine Arbeit mit Scheuklappen.“ Es sei üblich, konterte Susanne Linnebach, zu solchen Veranstaltungen nicht Investoren einzuladen. Auch ein anderer Investor, der ebenfalls Interesse an dem Gelände habe, sei nicht eingeladen worden.

Letztlich stimmte die Bezirksvertretung Scharnhorst mit den Stimmen von SPD und CDU gegen die Pläne der Verwaltung. Die Vertreter von Linken und Grünen enthielten sich.

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