Neue DNA-Spur lässt Verurteilung immer wahrscheinlicher werden

Mordfall Schalla

Im Mordfall Nicole-Denise Schalla wird eine Verurteilung des Angeklagten Ralf H. immer wahrscheinlicher. Neue DNA-Untersuchungen, die am Montag vorgestellt wurden, belasten ihn schwer.

Dortmund

, 25.03.2019 / Lesedauer: 3 min
Neue DNA-Spur lässt Verurteilung immer wahrscheinlicher werden

Christian Dreier (links) verteidigt den Angeklagten nun zusammen mit Gencer Demir. © Martin von Braunschweig

Dr. Katja Anslinger ist eine bundesweit anerkannte Expertin auf dem Gebiet der forensischen DNA-Analyse. Am Montag sagte die 49-Jährige schon zum zweiten Mal als Sachverständige vor dem Dortmunder Schwurgericht aus. Was sie zu sagen hatte, gefiel dem Angeklagten sichtlich nicht.

War es bisher nur eine einzige Hautschuppe, die am Körper der ermordeten Schülerin gesichert und nachträglich Ralf H. zugeordnet werden konnte, sieht die Spurenlage nun aus Sicht des Angeklagten noch düsterer aus. "Wir haben die Spur ein zweites Mal gefunden", sagte Anslinger.

Spuren im Leistenbereich

Auskratzungen von einer Folie, mit der ebenfalls im Leistenbereich der Leiche die Haut abgeklebt worden war, würden erneut auf den 53-Jährigen als Spurenleger hindeuten. Unter 30 Milliarden Menschen gebe es nur einen mit diesem genetischen Muster, sagte die Expertin. Die Diskussion über einen unbekannten Dritten wird also allenfalls theoretisch geführt.

Aber könnte nicht ein Unbekannter zufällig die DNA von Ralf H. am Tatort hinterlassen haben? Zum Beispiel, indem er Hautschuppen des Castrop-Rauxelers auf seinen Händen mit sich trug, weil er ihn kurz zuvor getroffen und per Handschlag begrüßt hatte? "Ausschließen kann ich nichts", sagte Katja Anslinger. Je mehr Spuren vorhanden seien, desto unwahrscheinlicher werde eine solche "Sekundärübertragung" jedoch. "Vor allem würden wir dann auf den Folien auch Spuren des eigentlichen Täters erwarten", sagte die Sachverständige. "Alle Publikationen zeigen, dass es extrem schwierig ist, nur die DNA von einem Menschen zu übertragen, der gar nicht da war."

Angeklagter wehrt sich weiter

Ralf H. will das neuerliche Untersuchungsergebnis jedoch nicht einfach so akzeptieren. "Ich war es nicht", sagte er auch am Montag wieder. "Müssen denn nicht noch viel mehr Spuren von mir feststellbar sein, um mir eine Täterschaft zu unterstellen?" Der 53-Jährige glaubt vielmehr an eine Verunreinigung der Folien während der Spurensicherung oder später im Labor. Tatsächlich waren bei Anslingers Untersuchungen noch zwei weitere männliche DNA-Merkmale aufgetaucht. Wie sich später herausstellte, passte eins zu einem Mitarbeiter im Polizeipräsidium Dortmund und das andere zu einem LKA-Beamten.

Wieder zwei Verteidiger

Die neuen DNA-Ergebnisse sollen nun Mitte April mit einer weiteren Sachverständigen diskutiert werden. Danach werden von der Verteidigung wohl noch weitere Beweisanträge erwartet. Seit Montag wird Ralf H. wieder von zwei Anwälten vertreten. Neben Gencer Demir sitzt nun auch der Dortmunder Christian Dreier neben ihm. Der hatte unter anderem auch die ehemalige Hauptkassiererin der Bezirksverwaltungsstelle Hombruch in ihrem Untreueprozess verteidigt.

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