Neue Kameras sollen Pyro-Fans besser identifizieren

BVB rüstet auf

Borussia Dortmund muss seinen jetzt schon enormen Aufwand für die Sicherheit im Stadion massiv ausbauen, um die von aggressiven Fans ausgehende Gefahr durch Pyrotechnik in den Griff zu bekommen. Eine neue Kameratechnik soll dabei helfen.

DORTMUND

von Von Peter Bandermann

, 29.05.2012, 07:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wegen des Abbrennens von Pytrotechnik muss Borussia Dortmund eine Geldstrafe zahlen.

Wegen des Abbrennens von Pytrotechnik muss Borussia Dortmund eine Geldstrafe zahlen.

In der Bundesliga-Saison 2009/2010 zählte die Polizei gerade einmal 15 Strafverfahren nach Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz – am Ende der ausgelaufenen Saison waren es mehr als 200. Die Zahl der sichergestellten Fackeln und Böller pro Spiel ist so hoch, dass die Polizei einen sprengsicheren Container hat aufstellen lassen, damit die bei Kontrollen entdeckte Pyrotechnik sicher lagert.

Die Polizei rät dem BVB deshalb nicht nur zu noch schärferen Kontrollen, sondern appelliert auch an den Verein, auf die nur schwer erreichbaren „Ultras“ zuzugehen. Denn sie wollen Böller und Bengalos als „Emotionen“ durchgehen lassen.  „So weit wie an anderen Bundesliga-Standorten sind die Dortmunder Fanbetreuer von den heimischen Ultras aber noch nicht entfernt“, begründete Polizeidirektor Peter Andres seine Bitte an den BVB, das Gesprächspotenzial auszunutzen und Brücken zu bauen. Mitte Juni treffen sich der Verein und die Polizei zu einem Sicherheitsgespräch, das auf die kommende Saison vorbereiten soll. Neben der verbesserten Kameratechnik für die Polizei steht dann ein weiteres Thema auf der Tagesordnung: Personenkontrollen.  Denn an den Eingangstoren gibt es Schwachstellen, die „Fans“, die auf das Abrennen während des Spiels aus sind, auszunutzen wissen: Sie stellen sich im Pulk an, üben im Gedränge massiv Druck nach vorn aus und bedrängen so die Ordner, die unter Stress stehend nur noch nachlässig kontrollieren können – diese günstige Gelegenheit nutzen die „Fans“ aus, um brandgefährliche Pyrotechnik ins Stadion zu schleusen. Polizeipräsident Norbert Wesseler erkennt darin und beim Böllern oder Abfackeln selbst eine „massive kriminelle Energie“: Die Täter würden sich auf der Tribüne vermummen, Bengalos oder Rauchtöpfe zünden, sich vom Tatort entfernen und in der Anonymität der Menge dann andere Kleidung anziehen, um unerkannt zu bleiben. G

Neue Kameratechnik soll helfen, das Pyro-Problem einzudämmen: Die zuletzt zur WM 2006 im großen Stil modernisierte Videoanlage in der Befehlsstelle der Polizei ist reif fürs Museum. Beim letzten Heimspiel hat die Polizei eine vom Hersteller zur Verfügung gestellte Test-Kamera eingesetzt, die selbst beim Hineinzoomen in die gespeicherten Bildsequenzen noch gestochen scharfe Aufnahmen liefert. Die Polizei kann einen Täter also auch nachträglich noch nachverfolgen. Nach dem Spiel gegen Freiburg hat das Folgen für eine radikale Minderheit von Stadion-Straftätern: Diesen Fans droht ein Stadionverbot, das der BVB schneller aussprechen als ein Amtsrichter urteilen kann. Polizeidirektor Peter Andres: „Da werden bei einigen Fans Tränen fließen.“ Mit dem Anstieg der Fallzahlen von 15 auf über 200 in nur zwei Jahren sind für die Polizei auch die Kosten gestiegen: Entdeckte Pyrotechnik muss sicher gelagert, transportiert und in einem Labor entsorgt werden. Kosten pro Fall: Weit über 1000 Euro. Zahlen muss das der Täter.

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