Neue Marketing-Gesellschaft soll Dortmunds Wochenmärkte retten

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Die Dortmunder Wochenmärkte sollen neu organisiert werden - unter dem Dach einer neuen Gesellschaft unter Federführung der Wirtschaftsförderung. Doch die Markthändler sind skeptisch.

Dortmund

, 22.12.2019, 18:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer gerne auf dem Wochenmarkt einkauft, kann feststellen: Es gab schon einmal mehr Märkte. Und auf den noch bestehenden auch ein deutlich größeres Angebot.

13 Märkte gibt es aktuell in Dortmund - doch bei mehr als der Hälfte muss man sich Sorgen um den Erhalt machen. Das bestätigt ein Gutachten, das die Stadt für eine „Attraktivitätsoffensive Dortmunder Wochenmärkte“ bei einer Beratungsgesellschaft in Auftrag gegeben hatte.

Immer weniger Händler

Eines der Ergebnisse: Bei zehn von 13 Wochenmärkten geht die Zahl der Händler seit Jahren zurück. Die Märkte in Brackel und Eving und der Davidismarkt in der östlichen Innenstadt hatten zwischen Dezember 2010 und Dezember 2017 rund die Hälfte ihrer Händler eingebüßt. In Dorstfeld waren zum Zeitpunkt der Analyse von ursprünglich acht sogar nur noch zwei Händler übrig.

Wie es um Dortmunds Wochenmärkte im Einzelnen steht, verrät unsere Interaktive Karte. Durch den Klick auf den jeweiligen Markt Erfahren Sie, wie hoch die Stadt den Handlungsbedarf einschätzt:

Auch der Hauptwochenmarkt auf dem Hansaplatz verlor knapp zwölf Prozent an Händlern, auch wenn er mit etwa 80 Teilnehmern weiterhin der größte Dortmunder Wochenmarkt ist. Knapp dahinter liegt mit zuletzt 76 Händlern aber schon der Nordmarkt, der im Vergleich als einziger an Händlern dazugewonnen hat - nämlich knapp 12 Prozent von 2010 bis 2017.

Die ansonsten sinkende Zahl der Markthändler ist nach der Analyse aber auch nicht das einzige Problem: „Bewerbung, Gestaltung und das Warensortiment der Dortmunder Wochenmärkte haben deutliche Qualitätsprobleme“, stellen die Gutachter fest.

Frische Lebensmittel

Die Experten sehen aber auch ein grundsätzliches Problem: „Die klassische Versorgungsfunktion von Wochenmärkten durch den Verkauf von Lebensmitteln verliert bundesweit stetig an Bedeutung“, erklären sie. Denn fast jeder Supermarkt habe heute ebenfalls ein großes Frischeangebot.

Trotzdem sehen die Gutachter „den Handel mit frischen, regionalen Nahrungsmitteln“ als „Kernkompetenz“ von Wochenmärkten. „Gesunde Ernährung, regionale Produkte und gelebte Nachbarschaft sind die Qualitätsmerkmale für die Wochenmärkte der Zukunft“, heißt es.

Dazu gehören nach Ansicht der Experten aber auch eine attraktive Warenpräsentation und eine hohe Aufenthaltsqualität.

Vor allem frisches Obst und Gemüse sind auf Wochenmärkten gefragt.

Vor allem frisches Obst und Gemüse sind auf Wochenmärkten gefragt. © RN-Archiv

Und genau hier soll auch in Dortmund angesetzt werden. Das Gutachten empfiehlt ein „Impulsprogramm zur Attraktivitätssteigerung der Wochenmärkte“. Und dazu solle eine „marktorientierte Organisationseinheit“ aufgebaut werden.

Die Verwaltung zieht daraus ihre Schlüsse: Künftig soll nicht mehr das Ordnungsamt für die Wochenmärkte zuständig sein, sondern die Wirtschaftsförderung. Und die soll dazu eine Tochtergesellschaft unter dem Titel „Marketing und Management Dortmunder Wochenmärkte“, kurz: „MarktDo“, gründen.

Gründung von „MarktDo“-Gesellschaft beschlossen

Ziel sei „eine systematische Geschäftsentwicklung aus einem Guss für alle Wochenmärkte“. Neue Händler sollen angeworben, neue Angebote und Formate entwickelt werden. So sollen möglichst alle Standorte erhalten werden.

Der Rat hat die Wirtschaftsförderung beauftragt, die Gründung der Gesellschaft in die Wege zu leiten.

Niels Schulte ist Sprecher der Dortmunder Wochenmarkt-Händler.

Niels Schulte ist Sprecher der Dortmunder Wochenmarkt-Händler. © Dieter Menne (Archiv)

Bei den Markthändlern ist man allerdings noch skeptisch. „Die Unsicherheit ist groß“, erklärt Niels Schulte als Sprecher der Dortmunder Markthändler. Eine Sorge ist, dass mit einer Privatisierung der Wochenmarkt-Organisation die Kosten für die Händler steigen. Und Schulte hat auch Zweifel, ob man tatsächlich alle Marktstandorte retten kann.

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