Noch müssen die Schüler in Dortmund im Unterricht Masken tragen. Ab 2.11. ist das anders. © picture alliance/dpa (Symbolbild)
Corona-Schutz

Neue Maskenpflicht-Regel für Dortmunds Schulen – „Hätte noch gewartet“

Schon bald fällt die Maskenpflicht für Schüler an ihren Plätzen weg – das steht jetzt fest. Und das, obwohl die Corona-Zahlen gerade massiv steigen. Wie sind die Reaktionen an Dortmunds Schulen?

Wer am Platz sitzt, kann die Maske absetzen – diese Regel gilt ab Dienstag (2.11.) für die Schulen in NRW. Was Ministerin Yvonne Gebauer vor den Ferien angekündigt hatte, zurrte sie am Donnerstag (28.10.) fest. Und rief damit an den Schulen in Dortmund zwiespältige Reaktionen hervor.

„Es wird für den Unterricht natürlich eine Erleichterung“, unterstreicht Jutta Portugall, Leiterin der Lieberfeld-Schule in Wellinghofen und Sprecherin der Grundschulen in Dortmund. „Unterricht lebt durch die Gesichter der Menschen, weil viel über Gestik und Mimik passiert.“

Wieso genau steigen die Infektionszahlen?

Und das gelte nicht nur dort, wo vielleicht sprachliche oder kulturelle Barrieren überwunden werden müssten, sondern „generell beim Lernen der Sprache, selbst wenn Deutsch die ureigenste Muttersprache der Familie ist“.

Jutta Portugall ist Schulleiterin an der Lieberfeld-Grundschule und Sprecherin der Grundschulen in Dortmund.
Jutta Portugall ist Schulleiterin an der Lieberfeld-Grundschule und Sprecherin der Grundschulen in Dortmund. © Michael Nickel © Michael Nickel

Doch auch wenn sich viele Schüler, viele Eltern, viele Lehrer sich nun freuen würden auf „etwas mehr Normalität“ – die Sorgen würden bleiben.

„Ich hätte gerne noch eine Woche länger Sicherheit gehabt“, erklärt Portugall. In dieser Woche, nach Ende der Herbstferien, seien die Neuinfektionszahlen eben wieder gestiegen. Liegt das an den flächendeckenden Testungen in den Schulen oder am Herbst?

Schule ist eine Pflichtveranstaltung

„Wir haben heute den vierten Tag nach Schulbeginn“, verdeutlicht Christel Stegemann, Leiterin der Albert-Schweitzer-Realschule in Nette und Sprecherin der Realschulen: „Ich persönlich hätte es für sinnvoller gehalten, noch zwei, drei Wochen zu warten.“

Sie könne verstehen, „dass Eltern und Kinder sich freuen, wenn es etwas leichter wird.“ Aber: Im Gegensatz zu Theater, Kino, Club sei Schule eine Pflichtveranstaltung, nichts Freiwilliges. Und es gebe Familien, in denen Menschen aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden könnten. Wenn auch nur wenige.

Schulleiter melden einmal pro Woche ihre Zahlen

Jeden Mittwoch melden die Schulleiter aus ganz NRW ihre Corona-Zahlen über das „Cosmo“-Portal nach Düsseldorf. „Und ich hoffe, dass Frau Gebauer sieht, die Zahlen geben diesen Schritt nun her“, sagt Carsten Schlagowski ganz vorsichtig.

Er ist Leiter der Konrad-von-der-Mark-Schule und Sprecher der Hauptschulen in Dortmund. Und auch er sieht es zwiegespalten. Natürlich gebe es ohne Maskenpflicht Vorteile. Aber so würden eben auch Barrieren für Viren wegfallen.

Carsten Schlagowski ist Leiter der Konrad-von-der-Mark-Schule in Hörde.
Carsten Schlagowski ist Leiter der Konrad-von-der-Mark-Schule in Hörde. © Schlagowski © Schlagowski

Krank zuhause bleiben? Das gilt so nicht mehr

Noch im Frühjahr habe es die klare Ansage vom Land gegeben: Wer Covid-ähnliche Symptome habe, solle nicht in die Schule kommen. In aktuellen Mails vom Ministerium steht dieser Satz nun nicht mehr. „Und wir hatten viele kranke Kinder hier“, so Stegemann.

Ohnehin ist es kompliziert: Schüler dürfen am Platz die Masken abnehmen. Gehen sie durch den Klassenraum oder über die Flure, müssen sie den Mund-Nase-Schutz wieder aufsetzen. Lehrer dürfen ohne Maske unterrichten – solange sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu den Schülern einhalten.

1,50 Meter von Tisch zu Tisch? Eher nicht

„Aber Sie können davon ausgehen, dass die 1,50 Meter Abstand zwischen den Tischen nicht überall gegeben sind“, erläutert Realschul-Sprecherin Stegemann. Soll heißen: Nach vorne, hinten, links, rechts sind die Abstände allein aus baulichen Gründen nicht immer so, wie sie Covid-Schutz-konform sein sollten.

Zudem gebe es nicht mehr die „Kleeblatt-Regelung“. Die hatte besagt: Ist ein Schüler Corona-positiv, müssen auch alle drumherum in Quarantäne und dürfen sich erst nach fünf Tagen „freitesten“.

Gibt es doch noch eine Rückkehr zur Maskenpflicht?

Jetzt aber treffe es nur noch „den unmittelbaren Sitznachbarn“, heißt es vom Land, wobei geimpfte Schüler nicht in Quarantäne müssen. „Ob die Viren haarscharf links und rechts an den anderen Schülern vorbeifliegen“, das sei natürlich eine interessante Frage, findet Stegemann.

Deshalb: In einem Punkt sind sich die Schulleiter einig. Die Abschaffung der Maskenpflicht am Platz könne wieder rückgängig gemacht werden. Und das würde das Ministerium auch sicher wieder anordnen, falls die Inzidenzlage sich weiter steigern würde.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff