Rolf Makowka, Georg Röder und Jörg Husemann (v.l.) von der Sportwelt Dortmund im Freibad Volkspark. © RN
Sportwelt Dortmund

Neuer Ärger bei der Sportwelt – Badbetreiber fühlt sich von der Stadt ausgebremst

Die Sportwelt Dortmund kommt nicht zur Ruhe: Erst wollte die DLRG die beiden Chefs des Badbetreibers vor die Tür setzen lassen – jetzt gibt es Kritik am Angebot im Freibad Volkspark. Was ist da los?

Anfang Oktober wollten die Spitzen der Dortmunder DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) die beiden nebenamtlichen Geschäftsführer der Sportwelt Dortmund per Gericht von ihren Aufgaben entbinden lassen. Offizielle Begründung: Man wisse nicht, wie es um die Finanzen des Badbetreibers bestellt sei. Und fürchte, die Sportwelt steuere auf eine Insolvenz zu.

Doch kurz vor Beginn der Verhandlung zog die DLRG als Gesellschafter der Sportwelt ihren Antrag auf einstweilige Verfügung zurück. Wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg, wie es hieß. Es war der vorläufige Höhepunkt eines lange schwelenden Streits um Macht und Einfluss bei der Sportwelt gGmbH. Kehrt nach dem gescheiterten Vorstoß der DLRG nun Ruhe ein? Offenbar nicht.

Jetzt gibt es neue Kritik am Badbetreiber: Ein Besucher des Freibades Volkspark, der namentlich nicht genannt werden möchte, beklagte sich im Gespräch mit unserer Redaktion über die baulichen Zustände des Freibades.

Es habe keine Umkleidekabinen für Badegäste gegeben. Zudem sei durch den Abriss des Babyschwimmbeckens das Angebot für Besucher verringert worden – während es bei den Eintrittspreisen keinen Nachlass gegeben habe.

Im Freibad Volkspark fehlen Umkleidekabinen: Arbeiten gestoppt

Die Geschäftsführer der Sportwelt, Jörg Husemann und Rolf Makowka, schütteln den Kopf. Und wehren sich. Sie vermuten, dass es sich bei der Kritik um eine neue Attacke der DLRG handeln könnte.

„Die Umkleidekabinen sind abgebaut und standen in der Saison 2021 nicht zur Verfügung, das ist richtig“, sagt Husemann. Zurzeit ist sogar offen, ob sie zur Badesaison 2022 wieder aufgebaut sind. Dabei kommt auch die Stadt ins Spiel.

Das Freibad Volkspark ist fast in Gänze mit neuen Bodenplatten belegt. Der Umkleidebereich ist davon ausgenommen und abgesperrt.
Das Freibad Volkspark ist fast in Gänze mit neuen Bodenplatten belegt. Der Umkleidebereich ist davon ausgenommen und abgesperrt. © RN © RN

Hintergrund: Die Sportwelt hatte die Umkleiden im Zuge der Neuplattierung des Freibades nach Ende der Saison 2020 zunächst abgebaut. Während der Arbeiten, sagen Husemann und Makowka, seien plötzlich Probleme aufgetaucht. Sorgen bereiten sechs freistehende Säulen im Bereich der Umkleiden.

Die Stützen tragen einen darüberliegenden Verbindungstrakt, weisen aber erhebliche Mängel auf. „Wir haben die Arbeiten erstmal gestoppt und uns mit der Stadtverwaltung als Eigentümerin des Freibades in Verbindung gesetzt“, sagt Husemann. Man habe gehofft, eine schnelle Lösung zu finden. Doch die, sagen beide Sportwelt-Chefs, liege bis heute nicht vor.

Statiker erstellt Gutachen – und sieht „dringenden Handlungsbedarf“

Seit Mitte April 2021 seien die städtischen Sport- und Freizeitbetriebe informiert. „Wir haben mehrfach auf das Problem hingewiesen und um einen Besichtigungstermin im Freibad gebeten“, sagen Husemann und Makowka unisono.

Ihre Vorstöße seien aber weitgehend „ignoriert“ worden. Die Sportwelt legte nach. Und beauftragte einen Statiker.

Der frühere Umkleidebereich als Baustelle: Bevor nicht klar ist, was mit den Stützen passiert, kann nicht weitergearbeitet werden.
Der frühere Umkleidebereich als Baustelle: Bevor nicht klar ist, was mit den Stützen passiert, kann nicht weitergearbeitet werden. © RN © RN

Dessen Expertise sieht „dringenden Handlungsbedarf“. Und mahnt „eine kurzfristige Entscheidung über die weitere Vorgehensweise“ an. Sollte die nicht möglich sein, empfiehlt der Statiker, für die Stützen „zusätzliche Sicherungsmaßnahmen anzuordnen“.

Die Stellungnahme liege der Stadt vor. Eine Reaktion darauf habe man bislang nicht erhalten. „Für uns gab es zu Saisonbeginn nur zwei Möglichkeiten“, ergänzt Husemann. „Entweder das Bad geschlossen lassen – oder eben ohne Umkleide öffnen.“ Man habe sich für die Öffnung entschieden.

Sportwelt finanziert vor – kann aber mit der Stadt nicht abrechnen

Jetzt stellt sich für den Badbetreiber ein weiteres Problem: Die bisherigen Kosten in Höhe von 484.000 Euro trägt zwar letztlich die Stadt. „Wir haben vorfinanziert“, sagt Husemann. Abgerechnet mit der Stadt wird jedoch erst nach Ende der Baumaßnahme.

Genau das aber ist fürs Erste nicht in Sicht: Die Arbeiten sind ausgesetzt. Die Umkleiden, eigentlicher Stein des Anstoßes, könnten erst nach Auftragen der neuen Bodenplatten wieder aufgebaut werden, sagt Husemann. „Dazu müssen wir aber erstmal wissen, wie es mit den Säulen weitergehen soll“, sagt Makowka.

Und das Babyschwimmbecken? Für dessen Neubau, der sich eng an das Kinderplanschbecken im Freibad Froschloch anlehnt, erwartet die Sportwelt weniger Probleme. „Zu Beginn der Freibadsaison 2022 wollen wir fertig sein“, sagt Husemann.

Kritik an den Eintrittspreisen können die Sportwelt-Chefs nicht nachvollziehen. Die Preise (beispielsweise vier Euro für Erwachsene) seien bereits stark subventioniert, so Makowka. „Wir hatten corona-bedingt steigende Kosten und gleichzeitig deutlich weniger Besucher – wie sollen wir die Preise da noch senken?“

Sportwelt blitzt mit Coronahilfen für 2021 bei der Stadt ab

Für 2020 habe es von Seiten der Stadt „bis zu eine Million Euro“ gegeben, um den corona-bedingten Mehraufwand abzufedern und neben zusätzlichem Personal beispielsweise ein Ticketing einzuführen.

Im Mai habe man die Stadt auch um Hilfen fürs laufende Corona-Jahr 2021 gebeten. Vergebens. Dabei habe die Sportwelt 2020 gut gewirtschaftet und rund 800.000 Euro ausgegeben. „Wir haben gebeten, ob wir wenigstens die restlichen 200.000 Euro in 2021 verwenden dürfen“, sagt Husemann. „Es wurde uns nicht erlaubt.“

Eine aktuelle Stellungnahme von Seiten der städtischen Sport- und Freizeitbetriebe war am Donnerstag (14.10.) urlaubsbedingt nicht zu bekommen. Die Stadt will sich später äußern.

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Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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