Neuer Fahrdienst für Behinderte soll Angebot ausweiten und gleichzeitig sparen

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Der neue Behindertenfahrdienst in Dortmund soll besser werden – und gleichzeitig 600.000 Euro einsparen. Klingt, als ginge das nicht. Die Stadt versucht es trotzdem.

Dortmund

, 31.10.2018 / Lesedauer: 4 min

Für Menschen mit einer Behinderung ist ein Fahrdienst oft die einzige Möglichkeit, raus zu kommen; die einzige Chance, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Solange es diesen Dienst in Dortmund gibt, betreibt ihn DEW21 im Auftrag der Stadt. Kosten: 1,6 Millionen Euro im Jahr. Viel Geld für eine klamme Stadt.

Es müssten pro Jahr 600.000 Euro gespart werden, so lautete die Vorgabe der Stadt. Bei den Kunden (das sind Menschen mit einer außergewöhnlichen Gehbehinderung und Menschen mit einem gleichstellendem Attest) gibt es einen ganz anderen Wunsch: Der Fahrdienst muss besser werden. „Das Ganze ist eigentlich der Versuch einer Quadratur des Kreises“, sagt Christiane Vollmer, Behindertenbeauftragte der Stadt Dortmund.

Es gibt mehre Interessenten für den neuen Fahrdienst

Am Dienstag hat das Sozialamt nun das Konzept für einen Neustart unter diesen schwierigen Bedingungen in der Sitzung des Behindertenpolitischen Netzwerks vorgelegt. Fast zwei Stunden lang wurde im Rathaus um Inhalte gerungen.

Klar ist: Es wird einen neuen Auftragnehmer für den Fahrdienst geben. Man habe den Markt sondiert, und es gebe mehrere Interessenten, die schon jetzt für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe solche Fahrdienst übernommen hätten, sagte Julia Schimmelpfennig vom Sozialamt, die mit ihrer Kollegin Sabine Kübler das Konzept vorstellte.

Das soll besser werden

Die beiden Frauen haben es geschafft, unter den Sparzwängen auch Verbesserungen zu erzielen:

  • Die absolute Zahl der möglichen Fahrten in einem Jahr soll um etwa 5000 auf 25.000 Fahrten im Jahr erhöht werden. Ob das allerdings reicht, ist offen.
  • Jeder Nutzer erhält statt bisher 26 nun 30 Freifahrten im Jahr. Wer einmal raus möchte, bekommt dafür zwei Fahrten angerechnet, für Hin- und Rückfahrt. Wer mehr fahren möchte, muss wie bisher zahlen.
  • Fahrten sollen künftig in einem Zeitraum von 24 Stunden bis zu sechs Monaten gebucht werden können. Bisher war das nur für die nächsten sieben Tage möglich.
  • Gehen Fahrten über die Stadtgrenzen hinaus, dann sind diese auch bis zu fünf Kilometer in eine andere Stadt abgedeckt. Für jeden Kilometer darüber hinaus sollen Kunden künftig fünf Euro zahlen. Bisher musste für jeden gefahrenen Kilometer außerhalb Dortmunds ein Euro gezahlt werden.

Betroffene kritisieren die bisher schlechte Erreichbarkeit des Fahrdienstes

Nicht zufrieden waren einige Forums-Mitglieder mit den vorgesehenen Zeiten, zu denen man Fahrten buchen kann: Zwischen 12 bis 16 Uhr soll das nach dem Entwurf telefonisch möglich sein. Das ist ein deutlich engerer Zeitraum als bisher. Und es sei eine Zeit, zu der viele Bedürftige, weil sie arbeiten müssten, nicht telefonieren können, gab man zu bedenken.

„Es ist noch nichts in Stein gemeißelt“, betonte Julia Schimmelpfennig. Man sei absolut offen für Anregungen. Eine zeitliche Verschiebung in den Abend könne sie sich vorstellen, eine Ausweitung der Zeiten allerdings nicht.

Vermutlich könnten die Betroffenen mit der zeitlichen Einschränkung leben, wenn sie dafür den Fahrdienst überhaupt besser erreichen könnten: Offenbar haben viele in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass sie lange nicht durchkommen und dann, wenn es geklappt hat, die Fahrten bereits ausgebucht sind.

Am Wochenende reichen die Kapazitäten bisher oft nicht aus

Ein Problem vor allem, wenn es um Fahrten fürs Wochenende geht. Die Verantwortlichen erhoffen sich von dem neuen Konzept auch mehr Flexibilität beim Einsatz der Fahrzeuge, so dass die Wochenenden besser abgedeckt werden können.

Kritik gab es aus den Reihen der Forums-Mitglieder an dem Vorhaben, die Fahrten künftig mit Hilfe eines elektronischen Chips abrechnen zu wollen. Man fürchtet den „gläsernen Kunden“. Schimmelpfennig betonte, man sei beim Datenschutz „sehr hinterher“. Warum nicht ausgedruckte Gutscheine eine Alternative sein können, fragten Mitglieder des Netzwerks. Julia Schimmelpfennig notierte auch diese Anregung.

Sowohl Christiane Vollmer als auch viele Mitglieder des Gremiums gehen davon aus, dass es in der Umstellungsphase zu Gewöhnungsschwierigkeiten kommen wird. Aber: „Wir haben Jahre dafür gekämpft, dass der Fahrdienst überhaupt bleibt“, erinnerte sich Richard Schmidt, stellvertretender Vorsitzender des Behindertenpolitischen Netzwerks-Forums. Auch wenn jetzt nicht alles wunderbar sei, „wir sind endlich auf dem richtigen Weg“.

Wann genau der neue Fahrdienst Wirklichkeit wird, ist noch nicht ganz klar. Vermutlich entscheidet der Rat in seiner Dezember-Sitzung. In den ersten Monaten 2019 wird dann ausgeschrieben. Mit einer Umsetzung ist im besten Fall im Sommer zu rechnen.
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