Neuer Rettungsversuch fürs Klinikum

DORTMUND Noch strikt geheim sind die Pläne, mit einer Fusion der kerngesunden Stadttochter Seniorenheime und dem tief rote Zahlen schreibenden Klinikum, bei dem die Stadt ebenfalls einziger Gesellschafter ist, Zeit zu gewinnen, in der das Klinikum finanziell wieder Luft schöpfen könnte. Die Rede ist von gut zwei Jahren - bis zur nächsten Kommunalwahl.

von von Ulrike Böhm-Heffels

, 09.11.2007 / Lesedauer: 2 min
Neuer Rettungsversuch fürs  Klinikum

Notaufnahme Klinikum: Jetzt soll die gesunde Stadttochter Seniorenheime die kranke Schwester Klinikum pflegend aufnehmen.

Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, flossen gestern hierzu erste Informationen, die die Mitarbeiter der Städtischen Heime stark verunsichern. Martin Kaiser (Foto), Leiter der Seniorenheime gGmbH, verweigerte jede Stellungnahme hierzu: „Das möchte ich im Augenblick nicht kommentieren.“ Bereits 2004 machte eine mögliche geplante Fusion zwischen den schwarze Zahlen schreibenden Seniorenheimen und dem tiefroten Klinikum die Runde. Damals hieß es: „Legt man einen Gesunden zu einem Kranken ins Bett, wird der Gesunde auch krank.“

Alleingang des OB

Eingeweihte Kreise bezeichnen den aktuellen Schachzug wieder als „Alleingang von Oberbürgermeister Langemeyer“, dem Aufsichtsratschef des Klinikums. Geplant soll sein, das Eigenkapital der Städtischen Seniorenheime mit dem des Klinikums zusammenzulegen. Hiermit könnte dann das defizitäre Krankenhaus die nächsten zwei bis zweieinhalb Jahre überbrücken. Nicht wenige Zungen behaupten: Jene Zeitspanne also bis zur Kommunalwahl. Überleitungsverträge für die Beschäftigten der Seniorenheime sollen bereits in der Schublade liegen, und eine Ratsvorlage in die Dezember-Sitzung eingebracht werden. Schon ist die Rede davon, dass betriebsbedingte Kündigungen innerhalb der Verwaltung der Heime nicht mehr auszuschließen seien.

  Seit 2004 gibt es bereits eine Kooperationsvereinbarung Gesundheit und Pflege, die im wesentlichen Stellenausschreibungen und Weiterbildung umfasst. Daraus ist inzwischen die so genannte Gesundheits-Holding geworden, zu der auch die Service-Gesellschaft aus Ausgliederung des Klinikums gehört. Man erhofft sich Synergieeffekte hiervon, allerdings soll vor dem Arbeitsgericht eine Klage des Betriebsrates der Seniorenheime gegen die Holding anhängig sein.

Kurz vor der Insolvenz

Das Klinikum mit gut 1.700 Betten in 23 Fachkliniken an zwei Standorten und knapp 4200 Mitarbeitern schrieb in den letzten zwei Jahren fast 19 Millionen Euro Defizit. Der Maximalversorger ist bekanntlich von der Insolvenz bedroht. Die Städtischen Seniorenheime beschäftigen in acht Häusern mit fast 1000 Bewohnern über 800 Pflegefachkräfte. Wirtschaftlich ist diese Stadttochter im Vergleich zur „Schwester“ kerngesund.

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