Neues Aktionsbündnis will Protest besser organisieren

Gegen Rechtsextremismus

Neonazis haben am vergangenen Samstag in Dorstfeld eine Demonstration gegen rechtsextreme Gewalt gestört. Weitere Demonstrationen sind angekündigt. Diese und weitere Informationen haben wir hier zusammengefasst.

DORTMUND

, 22.08.2016, 18:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vermummte Rechtsextremisten provozierten die Demonstranten in Dorstfeld.

Vermummte Rechtsextremisten provozierten die Demonstranten in Dorstfeld.

Wie und warum störten Neonazis die Demonstration in Dorstfeld?

Sie provozierten mit Fahnen in den Farben der Reichskriegsflagge, standen vermummt am Fenster und bewarfen die Demonstranten mit Pyrotechnik. Das Vermummungsverbot gilt nur für Demonstrationen, jedoch nicht in Fensterrahmen. Einst bezeichneten die Nazis den Stadtteil Unterdorstfeld als „National befreite Zone“ – nun sprechen sie vom „Nazi-Kiez“. Mit Aufklebern und Farbschmierereien an Hauswänden visualisieren sie ihren Kiez-Anspruch. Den versuchen sie auch auf andere Arten durchzusetzen: Wer zum politischen Gegner erklärt wird, muss auf diesem Terrain mit Bedrohung rechnen. Selbst dann, wenn sehr viel Polizei auf den Straßen ist. So geschehen mit stark ausgeprägtem Selbstbewusstsein bei der Demo am Samstag. Neonazis hatten sich in Kleingruppen in Unterdorstfeld bewegt, um immer wieder – an der Polizei vorbei – provozierend auf Demonstranten zuzugehen. Die Polizei hatte 50 Rechten Platzverweise erteilt und Transparente entfernen lassen.

Wie ist die aktuelle Strategie der Dortmunder Neonazis einzuschätzen?

2017 wollen sie für die Partei „Die Rechte“ bei der Landtagswahl antreten. Für einen Wahlerfolg benötigen sie Öffentlichkeit, die sie mit einer Strategie aus Ausgrenzung, Hass, Gewalt, Provokation und Demonstration zu erzielen versuchen. Anders schaffen sie es nicht in die Öffentlichkeit. Das Internet ist für Selbstdarstellungen von großer Bedeutung. Auf der Straße gelingt ihnen der Anschluss nicht.

Ist also mit weiteren rechten Demonstrationen und anderen Aktionen zu rechnen?

Definitiv ja. Bereits am Dienstag (23.8.) demonstrieren die Rechtsextremisten um 19 Uhr auf der Katharinenstraße in der Innenstadt gegen das 2012 ausgesprochene Verbot des Nationalen Widerstands Dortmund (NWDO). Bisher haben sie mehrfach vergeblich dagegen demonstriert und auch vergeblich geklagt.

Wie sieht es auf der Protest-Seite aus?

Am vergangenen Mittwoch haben sich 70 Mitglieder verschiedener antifaschistischer Gruppen, Parteien und Gewerkschaften getroffen, um die Demonstration am vergangenen Samstag in Dorstfeld abzustimmen. Das war der Auftakt zu weiteren Aktionen in einem losen Bündnis. In der Vergangenheit nicht immer an einem Strang ziehenden Bündnisse haben mittlerweile erkannt, dass sie mit einem Minimalkonsens mehr Menschen für den Protest gegen Rechtsextremismus auf die Straße bringen können.

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