Neues Gesetz zu Passfotos: „Das würde das Ende für meinen Laden bedeuten“

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Geht es nach Bundesinnenminister Horst Seehofer, sollen Passfotos künftig nur noch unter staatlicher Aufsicht gemacht werden. Doch damit könnte er Dortmunder Fotoläden in den Ruin treiben.

Dortmund

, 17.01.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch ist es nur ein Gesetzesentwurf, doch er lässt die Dortmunder Fotografin Karin Siekaup aus Hombruch und viele ihrer Kollegen um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten. Stimmt die Bundesregierung zu, braucht niemand mehr ein Foto mit ins Amt zu bringen, wenn er einen neuen Pass oder Personalausweis beantragt.

Denn selbst mit einem biometrisch einwandfreien Foto bekäme er keinen neuen Ausweis. Nach dem Plan von Bundesinnenminister Horst Seehofer sollen ab Mitte 2022 alle 5500 Pass- und Ausweisbehörden in Deutschland mit Selbstbedienungsterminals ausgestattet sein. Dort sollen die Antragsteller an Ort und Stelle ein digitales Foto machen, das direkt zum Passbearbeiter übertragen wird. Ein Amtsmitarbeiter – in Dortmund wäre das ein Mitarbeiter der Bürgerdienste – soll den Vorgang überwachen. Das analoge Foto hätte damit passtechnisch ausgedient.

Wichtiges Standbein

„Das wäre der Worst Case“ (der schlimmste Fall), sagt Karin Siekaup, „das würde wahrscheinlich das Ende meines Ladens bedeuten.“ Die 58-Jährige ist Chefin des Fotostudios Brinkmann in Hombruch. Das Geschäft mit den Passfotos sei ein wichtiges Standbein für sie. „Was mir da an Umsatz wegbricht, könnte ich nicht auffangen“, sagt sie.

Das Geschäft mit den Passfotos bringe ihr Kundenfrequenz in den Laden. „Das macht 70 bis 80 Prozent des Umsatzes aus“, so Siekaup; denn an den Passfotos hänge noch viel mehr als die Bilder. Wer schon mal im Laden sei, sehe sich um und nehme auch noch anderes mit.

Sicherheit von Passdokumenten

Karin Siekaup ist mit ihrem Fotofachgeschäft an die ehemalige Ringfoto-Gruppe angeschlossen, heute United Image Group, die gegen den Gesetzentwurf Sturm läuft. Die Gruppe, die nach eigenen Angaben 1200 mittelständische Fotofachgeschäfte vertritt, warnt in einem Brief an Seehofer vor den existenzbedrohenden Folgen einer solchen Neuregelung. Auch der Präsident der Handwerkskammer Dortmund, Berthold Schröder, kritisiert: „Die Pläne der Bundesregierung sind für viele kleine und mittlere Unternehmen existenzbedrohend.“

Neues Gesetz zu Passfotos: „Das würde das Ende für meinen Laden bedeuten“

Karin Siekaup könnte Passfotos auch digital an die Stadt weiterleiten, wenn diese eine sichere DeMail-Leitung zur Verfügung stellen würde. © Fotostudio Brinkmann

Das Bundesinnenministerium will mit der geplanten Neuregelung der Sicherheit von Passdokumenten Rechnung tragen. Angesichts des technischen Fortschritts in der digitalen Bildbearbeitung sei sie nötig, um Bildmanipulationen durch das sogenannte Morphing vorzubeugen. Dabei werden mehrere Fotos digital zu einem Gesicht verschmolzen. Im Gesetzentwurf heißt es: „Ist ein auf dem Pass enthaltenes Lichtbild auf diese Weise manipuliert, kann nicht nur der Passinhaber, sondern unter Umständen auch eine dritte Person den Pass zum Grenzübertritt nutzen.“

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Bei den Dortmunder Bürgerdiensten in der Innenstadt gibt es bereits seit Oktober 2015 ein Selbstbedienungsterminal für die Aufnahme von Fotos, Fingerabdrücken und Unterschrift. Die Benutzung ist bislang nicht verpflichtend, dennoch, so Stadtsprecher Maximilian Löchter, nutzten etwa 30 Prozent der Antragsteller diese digitale Möglichkeit. Ein „Danebenstehen“ von Behördenmitarbeitern zur Vermeidung von Manipulationen sei aus Sicht der Stadt nicht nötig.

Digitale Übermittlung wäre möglich

Karin Siekaup ist gar nicht gegen fälschungssichere Fotos. „Über eine sichere Leitung könnten auch wir Fotos digital zu den Bürgerdiensten rüberschicken. Wir sind im digitalen Zeitalter. Wir drucken die Fotos nur analog wieder aus, weil das Amt uns nicht die Möglichkeit gibt, das per DeMail digital zu machen.“

Bis zum 28. Januar können sich Verbände dazu äußern, bevor das Kabinett sowie Bundestag und Bundesrat die Neuregelung beschließen. Karin Siekaup hofft, dass etwas Konstruktives dabei herauskommt: „Warum das Rad neu erfinden? Wir haben die Ausrüstung, die Erfahrung und bieten die Dienstleistung an.“ Wie die Besuche in Dortmunder Senioreneinrichtungen, um von Bewohnern vor Ort aktuelle Aufnahmen zu machen.

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