Neun neue Mercedes für OB Sierau und Kollegen

Dienstwagen

Es gab mal Überlegungen, die Dienstwagenflotte für das städtische Spitzenpersonal zu verkleinern. Doch der Versuch, sich die Autos zu teilen, ist gescheitert. Künftig wird die Stadtspitze von zehn Fahrern in neun neuen Mercedes herumkutschiert.

DORTMUND

von Von Gaby Kolle

, 15.08.2012, 19:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die E-Klasse wird produziert.

Die E-Klasse wird produziert.

 Die neun Fahrzeuge werden allerdings geleast, erklärte Stadtsprecher Thomas Kampmann auf Anfrage unserer Redaktion. Er bestätigte einen Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Die Anschaffung erfolgt nach und nach, wenn die Jahresleasingverträge 2012 für die alten Autos auslaufen.  Während der OB bislang in einem Audi A6 unterwegs war, konnten die Dezernenten und Bürgermeister auf den kleinsten 5er-Diesel von BMW zurückgreifen. Der Umstieg auf Mercedes sei „ökonomischer und ökologischer für die Stadt“ so Kampmann.Das Beschaffungs- und Vergabeamt habe mehrere Oberklassewagen untersucht. Für Mercedes habe neben den „außerordentlich günstigen Leasingkonditionen“, die Mercedes-Benz den Repräsentanten von Kommunen einräume, der geringere Schadstoff-Ausstoß gesprochen. Mit der Umstellung auf den neuen Fahrzeug-Typ von Mercedes würden jährlich etwa vier Tonnen an Kohlendioxid und zudem Kraftstoffkosten und Kfz-Steuer gespart.

   Die jährlichen Sachkosten, so der Stadtsprecher, beliefen sich nach Umstellung der Fahrzeugflotte auf 62 500 Euro – 10 000 Euro weniger als in diesem Jahr und circa 48 000 Euro weniger als 2011.  Die Fahrer würden nicht nur als Fahrer eingesetzt, sondern hätten auch andere Aufgaben bei der Stadt, erklärte Kampmann weiter. Die Laufleistung der Flotten-Fahrzeuge betrage hochgerechnet bis Ende des Jahres rund 19.000 Kilometer. Kampmann: „Darin sind die privat gefahrenen Kilometer von fünf Nutzern enthalten.“  Eines der Fahrzeuge wird bis Ende des Jahres gerade einmal 2400 Kilometer mehr auf dem Tacho haben – ein „Ausreißer nach unten“, so der Stadtsprecher, weil sich ein Dezernent und eine Dezernentin bis Ende 2011 ein Fahrzeug und einen Fahrer weitgehend geteilt hätten. Dieses Carsharing habe sich aber nicht bewährt.

Andere Städte sind bei der Fahrzeugflotte ihres Stadtvorstands sparsamer als Dortmund. In Münster zum Beispiel fährt der OB Audi, der Rest des neunköpfigen Stadtvorstands teilt sich vier Autos und zwei Fahrer. Sind beide unterwegs, setzt sich der Beigeordnete selbst ans Steuer.  Münster sei mit Dortmund nicht zu vergleichen, so Stadtsprecher Thomas Kampmann. Das Dortmunder Stadtgebiet sei viel größer (hier irrt Kampmann allerdings) und Münster Sitz der Bezirksregierung. Und: „Wenn in Münster die Dezernenten selbst hinter dem Steuer sitzen, muss man das als Verschwendung von teurer Arbeitszeit bezeichnen. In Dortmund nutzen die Mitglieder des Verwaltungsvorstands Fahrzeiten als Arbeitszeiten“ – etwa für Telefonate und Aktenstudien.

 In der Politik dagegen führt die Anschaffung von neun neuen Dienstwagen für die SPD-geführte Stadtspitze auf Kritik. Warum müssen es gleich neun Fahrzeuge sein? – fragen die Grünen. Auch ein Hybrid fahre nicht schadstofffrei durch die Gegend. „Und vier oder fünf Hybrid machen weniger Schadstoffe als neun. Darüber hinaus kosten sie auch weniger“, so die grüne Spitzenkandidaten Ingrid Reuter.  Die FDP stößt in das gleiche Horn. Sämtliche Dezernenten so luxuriös mit Fahrzeugen auszustatten, sei in Zeiten knapper Stadtkassen und hoher Schuldenlast „völlig überzogen“, meint Spitzenkandidat Lars Rettstadt. 

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