Neustart: Besuch im Friseursalon verändert sich stark

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Das lange Warten hat ein Ende: Seit diesem Montag (4.5.) dürfen Friseursalons wieder öffnen. Kunden müssen sich auf viele Veränderungen einstellen. Wir haben den Test vor Ort gemacht.

Dortmund

, 04.05.2020, 15:03 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich ist Montag Ruhetag für viele Friseure. Auch für Ercan Duran. An diesem Montag (4.5.) hatte er allerdings geöffnet - zum ersten Mal nach fünf Wochen Zwangspause. Die Erleichterung darüber ist groß - bei Friseuren wie bei Kunden.

Der Salon Cocoon von Ercan Duran an der Große-Heimstraße ist ein typischer Kreuzviertel-Friseur. Es geht sehr persönlich zu. „Wir haben 98 Prozent Stammkunden“, schätzt Duran. Und viele von ihnen warteten schon sehnlich auf die Wiedereröffnung nach der Corona-Zwangspause.

Schon früh einen Termin gebucht

Birgit Schwarze hat gleich einen der ersten Termine am Montagmorgen ergattert. „Ich habe schon frühzeitig nachgefragt und dann energisch den ersten Termin gebucht“, erzählt sie, während sie von Kosta Tziouvelis, einem von zwei Angestellten im Salon Cocoon, frisiert wird. Beide, Kundin und Friseur, tragen einen Mund-Nasen-Schutz - so, wie es jetzt für den Betrieb von Friseursalons vorgesehen ist.

„Die Maske ist ein bisschen ungewohnt, auch wenn man das schon vom Einkaufen kennt“, sagt Birgit Schwarze. Noch viel mehr gelte das natürlich für die Friseure selbst, die den Mundschutz über Stunden tragen müssten. „Man gewöhnt sich wohl daran“, tröstet sich Ercan Duran.

Ein Mund-Nasen-Schutz ist für Friseur und für Kunden Pflicht.

Ein Mund-Nasen-Schutz ist für Friseur und für Kunden Pflicht. © Oliver Schaper

Der Mundschutz ist nur eine von vielen Corona-Schutzmaßnahmen, die jetzt generell für den Betrieb von Friseursalons gelten. Auf sechs DIN-A4-Seiten summieren sich die Auflagen der Berufsgenossenschaft für die Arbeit der Friseure.

Die reichen von Abstandsregelungen über die regelmäßige Desinfektion des Salons bis zu einer Liste, in die sich alle Kunden mit Telefonnummer eintragen müssen, um mögliche Corona-Fälle und Kontakte nachverfolgen zu können.

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Ercan Duran hat rechtzeitig vorgesorgt. „Vor drei Wochen habe ich schon Mundschutz-Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel bestellt“, erzählt der 37-Jährige, der seit zehn Jahren seinen eigenen Salon hat. Ansonsten hat er die Zwangspause genutzt, um den Räumen einen neuen Anstrich zu verpassen und Bürokram zu erledigen.

Hilfsprogramm und Kurzarbeit

Das Hilfsgeld des Landes hat geholfen, wirtschaftlich über die Durststrecke zu kommen. „Wir hatten auch ein bisschen Geld für schlechte Zeiten zurückgelegt“, erzählt Duran. „Aber finanziell war es natürlich schon eine schwierige Zeit, vor allem auch für die Angestellten.“

Die mussten für einen Monat in Kurzarbeit. „Das Unangenehmste war die Ungewissheit. Man hat sich schon ziemlich rausgerissen gefühlt“, blickt Kosta Tziouvelis auf diese Zeit zurück.

Ercan Duran musste obendrein noch investieren: außer in Masken und Schutzhandschuhe auch in neue Umhänge. Die werden nach jedem Kunden gewechselt und dann gewaschen, erklärt er. Plexiglas-Trennwände wurden an der Kasse und zwischen den Waschplätzen montiert.

Eine Plexiglas-Scheibe trennt die beiden Waschplätze im Friseursalon.

Eine Plexiglas-Scheibe trennt die beiden Waschplätze im Friseursalon. © Oliver Schaper

Das alles schlägt sich im Preis nieder: Zwei bis drei Euro mehr kostet der Haarschnitt nun, berichtet Ercan Duran. „Da machen wir allerdings keinen Gewinn mit, sondern gleichen damit nur die Mehrkosten aus.“

Dazu kommt, dass die Zahl der Kunden platztechnisch begrenzt ist. Von fünf Frisierplätzen könne man wegen der nötigen Abstände nur drei nutzen, erklärt der Friseurmeister. Jetzt ist es zum Beispiel nicht mehr möglich, einen neuen Kunden zu bedienen, während ein anderer bei zeitaufwändigeren Behandlungen wie Färben auf seinem Stuhl wartet. Auch einige Dienstleistungen wie Rasieren und Augenbrauen zupfen sind nicht erlaubt.

Längere Öffnungszeiten

Dafür hat Ercan Duran seine Arbeitszeit verlängert. Er öffnet seinen Salon jetzt bis 20 statt bis 19 Uhr, samstags bis 20 Uhr statt 15 Uhr. „Montags ist aber weiterhin geschlossen. Ein bisschen Erholung muss ja sein“, sagt er mit Blick auf die kommenden Montage.

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Denn klar ist, dass er und seine Angestellten viel zu tun haben werden. Schon in der Woche vor der Wiedereröffnung war die Nachfrage nach Terminen groß. Und so ist es in wohl allen Friseursalons.

Große Nachfrage nach Terminen

Schon in der vergangenen Woche hatte Frank Kulig als Obermeister der Friseur-Innung Dortmund und Lünen von einer großen Nachfrage nach Terminen berichtet. Das zeigt sich auch beim Online-Buchungsportal Treatwell, das mit 66 von knapp 500 Friseursalons in Dortmund zusammenarbeitet. Dort registriert man eine Verdopplung der Nachfrage.

„Ich selbst bin schon bis Ende Mai ausgebucht“, berichtet Duran. Bald werden es auch seine Angestellten sein. Kosta Tziouvelis ist auf jeden Fall froh, dass jetzt wieder Kurzhaarschnitt statt Kurzarbeit angesagt ist. „Jetzt weiß man richtig zu schätzen, was man an seiner Arbeit hat“, stellt er fest.

Auch Fußpflege wieder erlaubt

  • Nach der aktuell gültigen Corona-Schutzverordnung des Landes sind Dienstleistungen und Handwerksleistungen, bei denen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden nicht eingehalten werden kann, eigentlich untersagt. Das gilt etwa für Maniküre, Gesichtsbehandlung, Kosmetik, Tätowieren, Massage.
  • Davon ausgenommen ist seit dem 4. Mai unter entsprechenden Auflagen neben Friseuren auch die Fußpflege, die eine medizinische Leistung ist.
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