„Nicht tot überm Zaun hängen“: Provokante Plakate ärgern Nordstädter

rnBorsigplatz-Quartier

Bewohner der Dortmunder Nordstadt sind von einer Plakat-Kampagne überrascht worden. In großen Buchstaben stehen negative Aussagen über den Stadtteil auf großer Fläche. Das steckt dahinter.

Dortmund

, 25.08.2020, 13:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Dortmunder, die rund um die Unnaer Straße nahe des Borsigplatzes wohnen, waren reichlich überrascht, als sie vor einigen Tagen aus der Tür traten. An Bauzäunen sahen sie große Plakate aufgespannt.

Darauf stehen Sätze wie: „Im Dunkeln kannste dich hier ja nicht vor die Tür trauen“, „Hier gibt’s doch eh nur Bruchbuden“ oder „Da willste nicht tot überm Zaun hängen“. Einen Hinweis auf den Urheber gibt es nicht.

Beleidigungen gegen die Nordstadt in Wahlkampfzeiten

Es stellt sich die Frage: Hat hier jemand in Wahlkampfzeiten Beleidigungen gegen Dortmunds bevölkerungsreichsten Stadtteil plakatiert?

Die Antwort lautet: Ja, hier hängen derbe Sprüche, wie sie über die Nordstadt häufig zu hören sind. Aber die Banner hängen nicht, um die Nordstadt zu diskreditieren.

Hinter der Plakataktion steckt das Wohnungsunternehmen Vivawest. Dessen Sprecher Thomas Wels bestätigt auf Anfrage dieser Redaktion nur, dass die Plakate von dem Unternehmen mit Sitz in Gelsenkirchen stammen.

Wohnungsunternehmen möchte Anfang September den Hintergrund der Plakate erklären

„Die Plakate hängen an unseren Gebäuden in unserem Quartier Borsig-West und sind von uns initiiert“, sagt Thomas Wels.

Weitere Hintergründe möchte er nicht nennen und verweist auf einen gemeinsamen Termin mit der Stadt Dortmund am 2. September (Mittwoch). Thomas Wels sagt: „Vivawest engagiert sich mit erheblichen Investitionen in die Modernisierung der Gebäude und das Wohnumfeld für mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität im Quartier Borsig-West.“

Die kontroversen Aussagen sind also eine Marketing-Aktion, um die Aufmerksamkeit auf die Investitionen des Unternehmens in Dortmund zu lenken. Versteht das jeder?

Einige Anwohner fühlen sich durch die Aussagen beleidigt

Die Plakate lösen jedenfalls schon jetzt teils heftige Reaktionen aus. Es gibt eine Reihe von Menschen, die den „Gag“ sofort verstanden haben und froh sind, dass das Wohnungsunternehmen im Borsigplatz-Quartier Geld investiert.

Aber die Kampagne kann auch missverstanden werden. Das zeigt ein Text, den ein Nordstadt-Bewohner unter ein Plakat geklebt hat.

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„Diejenige Person, die diese Schilder aufgehängt hat, will uns sagen, wir sind dreckige Ausländer, weil in der Nordstadt überwiegend Ausländer leben. Diese Schilder wurden nur in die Nordstadt geklebt und nirgendwo sonst in Dortmund“, ist dort zu lesen.

Der kurze Text endet mit den Worten: „Vernichtet diese Schilder“.

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