'Nicht verrückt machen lassen'

02.01.2009, 10:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Es wird Einbrüche geben, aber keiner weiß heute, wie stark und wie lange sie ausfallen werden, meint Dr. Wilm Schulte. RN-Archivfoto Menne</p>

<p>Es wird Einbrüche geben, aber keiner weiß heute, wie stark und wie lange sie ausfallen werden, meint Dr. Wilm Schulte. RN-Archivfoto Menne</p>

Eine Bauern-Weisheit besagt: "Ist Silvester hell und klar, ist am nächsten Tag Neujahr". Ein typisches Beispiel für eine ziemlich wertlose Prognose. Was er von Prognosen hält und für das Jahr 2009 erwartet, verrät Dr. Wilm Schulte, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Münsterland, im Gespräch.

Was halten Sie von Prognosen?

Schulte: Ihr Wahrheitsgehalt im wirtschaftlichen Bereich ist doch eher sehr bescheiden. Niemanden kann das allerdings wirklich wundern, lassen sich doch die weltweite Vernetzung, die vielfältigen Bedingungsbeziehungen und Unabwägbarkeiten, geschweige denn politische und ökonomische Erdbeben - wie die weltweite Kapitalmarktkrise - auch in hochkomplexen mathematischen Modellen "nicht wirklich" berechnen ... Selbst das Tagesgeschäft im Handel ist nicht vorhersehbar.

Wo steht der Handel jetzt?

Schulte: Allen Unkenrufen zum Trotz - noch durchaus auf sicheren Beinen. Das Weihnachtsgeschäft ist nicht eingebrochen, die Lage stabil.

Wundert Sie das?

Schulte: Nüchtern betrachtet nicht. Schließlich haben sich trotz aller Horrormeldungen die Zahl der Beschäftigten und damit die verfügbaren Einkommen deutlich erhöht. Die Fahrt zur Tankstelle macht sich im Geldbeutel der Bürger gleichfalls positiv bemerkbar. Branchen wie das Handwerk und die Dienstleistungsbranche sind gesund und robust. Das deutsche Bankensystem ist offensichtlich solide.

Also ist das ganze Krisengerede nur Panikmache?

Schulte: Natürlich sollte und muss man sich Sorgen machen. Alle Schönrederei macht keinen Sinn: Um die Automobilindustrie und ihre Arbeitsplätze, um die Entwicklung unseres Gesundheitssystems und und und ... - muss man sich Sorgen machen. Zu Panik allerdings besteht kein Anlass. Die belastbaren Fakten sind eben so schlecht nicht.

Was raten Sie den Händlern?

Schulte: Nicht verrückt machen lassen. Natürlich wird es zu Einbrüchen kommen. Wie stark, wie lange - das kann niemand voraussagen. Wie Konsumenten reagieren, ist schon seit längerem unkalkulierbar. Schließlich gibt es Tage, an denen ohne jeden ersichtlichen Grund Kunden in die Geschäfte strömen - und das bundesweit. Es gibt aber auch Tage, an denen gähnende Leere herrscht. Begründung: Fehlanzeige - selbst das Wetter hat als Schuldiger ausgedient.

Was kann der Händler in Krisenzeiten tun?

Schulte: Positiv denken und Handeln, die eigenen Stärken herausstellen, sich um die Kunden zu kümmern und nicht zu lamentieren. Schließlich hängt Kaufen auch von Stimmungen ab. 2009 wird kommen, soll kommen und wird Überraschungen bringen - positive oder negative: Es kommt ganz darauf an. kiwi

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