Niemand kümmert sich um diese Gedenkstätte

Hubschrauberunglück bei der You

Vor mehr als 20 Jahren starben 13 meist junge Menschen bei einem Helikopterabsturz in Dortmund. Eine Steinstele soll an die Opfer erinnern. "Unvergessen" steht auf dem Stein. Doch der Ort des Gedenkens an das schlimmste Hubschrauberunglück der Geschichte der Bundeswehr ist vergessen. Eine Spurensuche.

DORTMUND

, 06.10.2016, 02:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rhododendron und Unkraut umgeben den Gedenkstein, der an die 13 Opfer des Absturzes erinnern soll.

Rhododendron und Unkraut umgeben den Gedenkstein, der an die 13 Opfer des Absturzes erinnern soll.

Es war der 6. Juni 1996, als an dieser Stelle ein Bundeswehrhubschrauber vom Typ Bell UH-D1 abstürzte, 13 meist junge Menschen starben. Die Maschine der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums war an den Westfalenhallen gestartet, dort lief die Jugendmesse „YOU“, die Bundeswehr hatte die Flüge teilweise verlost. Zunächst war es von der Bundeswehr ausgeschlossen worden, doch der Pilot hatte bei gewagten Flugmanövern die Kontrolle über die Maschine verloren, sie stürzte in das Waldgebiet.

Und dann das Inferno

Man kann, wenn man das weiß, erkennen, dass die Bäume hinter der Gedenkstele deutlich älter sind als die davor. Dieses Unglück hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Stadt gegraben, noch heute wissen viele, was sie taten, als sie von dem Unglück erfuhren. Junge Menschen in Feierlaune, ein schöner Sommertag, ein Ausflug – und dann das Inferno. Ein 25-Jähriger konnte von zufällig vorbeikommenden Passanten noch aus dem Hubschrauber gezogen werden, bevor er explodierte. Seine Aussage sollte später maßgeblich zur Aufklärung des Unglücks beitragen. Dann begann die Zeit der Trauer.

Der Bundesverband der Steinmetze stiftete rund ein Jahr später den Gedenkstein, auf Bildern von damals sieht man die Stele, im Hintergrund kleine Rhododendronbüsche, Steinplatten führten zu dem Stein, er wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit eingeweiht. Einer, der damals dabei war, ist Hombruchs Bezirksvorsteher Hans Semmler, er kann sich an einen „extrem bewegenden Moment“ erinnern, auch der damalige Oberbürgermeister Günther Samtlebe sei dabeigewesen.

Die Bundeswehr, die für jedes Opfer 40.000 D-Mark zahlte, habe damals zugesagt, die Gedenkstelle zu pflegen. Was, so heißt es aus dem Rathaus, stimmt. Der Stein sei damals auf dem Grundstück eines Landwirtes aufgestellt worden. Doch offenbar musste sich die Bundeswehr dann zumindest in den ersten Jahren doch nicht kümmern. Ein Ehepaar, dass bei dem Unglück ein Kind verlor, pflegte den Gedenkort annähernd wöchentlich.

Pflege wurde eingestellt

Wie eine Grabstelle. Möglich ist jetzt, dass die Bundeswehr, als sie sah, dass die Pflege der Stelle auch ohne ihr Zutun gewährleistet war, sich irgendwann nicht mehr darum kümmerte. Denn es wurde sich ja gekümmert. Über viele Jahre – doch dann wurde die Pflege eingestellt und niemand fühlte sich mehr zuständig. Eine Frau geht am Mittwoch mit ihren Hunden dort vorbei, sie sagt, der Stein würde schon seit Jahren verlottern.

So steht der Stein im Wald, wächst weiter zu, bei der Bundeswehr ist am Mittwoch niemand zu finden, der Auskunft geben kann. Der zuständige Informationsfeldwebel ist nicht erreichbar. Ob ein Feldwebel zu einem Ereignis, das vor 20 Jahren geschah, etwas hätte sagen können, ist unklar.

„Den Schuh, dass diese Stelle nicht gepflegt wurde, müssen wir uns in der Tat alle anziehen“, sagt Hans Semmler. Er selber habe häufiger an den Ort gedacht und sich gefragt, wie der wohl in der Zwischenzeit aussehen würde. Aber er selber hätte den Ort alleine auch nicht besuchen können. „Man weiß“ sagt Semmler, „dass da etwas ist – aber man beschäftigt sich nicht gerne damit.“

Aktualisierung, Donnerstag, 9.40 Uhr: Bundeswehr will sich kümmern 

Die Bundeswehr hat auf unsere Berichterstattung reagiert. Man hat zugesichert, sich der Gedenkstele anzunehmen und sie in einen ordentlichen Zustand zu versetzen. „Wir nehmen das sehr ernst“, so ein Sprecher aus Düsseldorf, „und werden uns zeitnah kümmern.“

Hier befindet sich die Gedenkstätte: 

 

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