In ihrer Kolumne "Dinner for One" schreibt Charlotte Schuster über Themen, die Singles beschäftigen. © Grafik: Klose
Kolumne „Dinner for One“

No risk no fun – Vorwiegend sind meine Dates ein Griff ins Klo

Unsere Autorin hat keine Lust mehr auf verunglückte Verabredung. Das Risiko geht sie trotzdem immer wieder ein. Der nächste Teil unserer Single-Kolumne „Dinner for One“.

Ich bin ein großer Fan von Dates. Ich mag diesen gewissen Nervenkitzel davor, die Anspannung währenddessen und die Entspannung danach. Doch dann gibt es Dates, die absolut nichts in mir auslösen – Abgesehen von dem Wunsch, schleunigst nach Hause zu kommen.

Ich habe das Gefühl, es gibt genau zwei Arten von missglückten Verabredungen:

Das langweiligste Date aller Zeiten

Sein Profil auf Tinder war vielversprechend: Ein Archäologe, weltgewandt, humorvoll. Auch seine Art zu schreiben hat mich beeindruckt. Ich hatte ein positives Gefühl auf dem Weg zu unserem Date.

Als ich das Café betrat wartete er – nennen wir ihn mal Noah – bereits auf mich. Schon die Begrüßung war irgendwie merkwürdig. Weder umarmte er mich noch stand er auf. Stattdessen starrte er unsicher auf den Tisch und murmelte ein leises „Hallo“ vor sich hin.

„Anscheinend ist er sehr aufgeregt. Er wird bestimmt noch etwas lockerer“, dachte ich mir. Aber Pustekuchen. Noah redete kaum. Er gab mir nur kurze, erzwungene Antworten und Rückfragen erhielt ich überhaupt nicht. Stattdessen klopfte er lieber mit seinen Fingern auf dem Tisch herum.

Um etwas mehr aus ihm herauszubekommen, habe ich ihn auf seinen Beruf angesprochen. Ich fragte ihn, welche Aufgaben er als Archäologe bewerkstelligen müsse und ob er gerade an einer spannenden Forschung arbeite.

„Über meinen Job rede ich ungerne“, erwiderte er nur. Nein, dachte ich mir, du sprichst über gar nichts gerne. Langsam gingen mir die Gesprächsthemen aus. Also saßen wir einfach nur da, eine halbe Stunde, ohne ein Wort miteinander zu wechseln. Dann verlor ich meine Geduld und bin gegangen. Dieses Date zählt ganz klar zu den Top drei meiner langweiligsten Dates.

Habe ich ein Bewerbungsgespräch oder ein Date?

Marius ist groß, hat blonde Locken und perfekte Zähne. Einen Haken hat er jedoch: Er ist Lehrer. Nichts gegen die Berufsgruppe, aber eigentlich treffe ich keine Lehrer mehr. Für Marius habe ich dann doch eine Ausnahme gemacht. Ein großer Fehler, wie sich herausstellte.

„Wie bringe ich ihn endlich zum Schweigen?“

Marius war das Gegenteil von dem stillen Noah. Er redete ununterbrochen und wollte jedes Detail über mein Leben wissen. Zu Beginn des Dates habe ich sein extremes Interesse noch als nett empfunden, doch nach einer Zeit wurde es unangenehm.

Er stellte mir Fragen, wie „Was macht dich als Person besonders?“, „Welche Stärken und welche Schwächen hast du?“, „Was erhoffst du dir für die Zukunft?“. Ich habe mich gefühlt als wäre ich bei einem Bewerbungsgespräch. Und jeder weiß, dass man sich bei einem solchen unwohl fühlt.

Nichtsdestotrotz beantwortete ich seine Fragen. Die Zeit mich über seine Person zu erkundigen, blieb mir nicht. Denn er hat seine Fragen heruntergerattert als hätte er sie noch kurz vor unserem Date auswendig gelernt. „Wie bringe ich ihn endlich zum Schweigen?“, dachte ich mir. Kurzer Spoiler: Gar nicht. Irgendwann musste ich einfach das Weite suchen.

Warum ich immer wieder schlechte Dates riskiere

Weder das Date mit Noah noch das mit Marius verlief ansatzweise gut. Wahrscheinlich würden mir auch noch zig weitere Verabredungen einfallen, die ich mir hätte sparen können.

Dennoch gehe ich das Risiko immer wieder aufs‘ Neue ein. Würde ich schlechte Dates komplett vermeiden wollen, dürfte ich mich nämlich auf gar keine mehr einlassen. Und das kommt nicht infrage. Schließlich könnte unter einen der Männer mein Mr. Right sein.

Außerdem haben miese Dates auch den großen Vorteil, dass man aus den Fehlern von anderen lernt. Ich werde meinen Gegenüber sicherlich niemals anschweigen oder mit Fragen löchern.

Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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Charlotte Schuster