Es bleibt wohl noch länger ziemlich leer auf dem Westenhellweg. Eine Verlängerung des Lockdowns bis Ostern droht. © Dieter Menne (Archiv)
Corona-Krise

Noch längerer Lockdown? Dortmunder Händler reagieren frustriert

Der Lockdown soll bis Ende März verlängert werden. Das sieht ein Entwurf für den Bund-Länder-Coronagipfel am Mittwoch (3.3.) vor. Händler reagieren frustriert - haben aber eine Hoffnung.

Ein längerer Lockdown soll am Mittwoch (3.3.) von den Ministerpräsidenten- und präsidentinnen beim Corona-Gipfel mit der Kanzlerin beschlossen werden. Kommt es so, wie es der Beschlussentwurf vorsieht, werden die Geschäfte in Dortmund weiterhin geschlossen bleiben.

Tobias Heitmann als Vorsitzender des Cityrings mag das noch nicht glauben. „Ich denke, in dem Beschlussentwurf ist seitens der Kanzlerin erstmal ein Maximum formuliert und man wird sich auf Mitte März einigen. Dann verliert niemand sein Gesicht“, sagt er.

Auch der Dortmunder Handelsexperte Thomas Schäfer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Westfalen Münsterland, kann sich vorstellen, dass sich das Kanzleramt mit dem Entwurf etwas Handlungsspielraum gelassen hat. „Ich fürchte aber“, sagt er, „es wird auf eine ähnliche Zeitachse hinauslaufen.“

Textilhändlern geht die dritte Saison verloren

Und ein Lockdown, der noch weitere Wochen anhält, werde nun für viele „sehr schwierig“, so Thomas Schäfer: „Wir brauchen uns dann wohl um viele Textilhändler keine Sorgen mehr zu machen.“ Viele von ihnen seien dann nämlich pleite. „Es ist die dritte Saison, die ihnen verloren geht. Wie sollen die das schaffen?“

Den Lockdown bis Ostern durchzuziehen, darf, so sieht es Tobias Heitmann, keine Option sein. „Das könnte man machen, wenn die Hilfen ankommen würden und es mit dem Impfen voranginge. Aber beides klappt nicht“, sagt er und fügt an: „Wir Händler müssen das Versagen der Politik ausbaden.“

Unverständnis äußert auch Markus Haas, der Center Manager in der Thier-Galerie. „Von vielen unserer Mieter hören wir“, sagt er, „dass sie zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten geraten und einen anhaltenden Lockdown nicht mehr lange durchhalten können.“

50 Millionen Kundenkontakte täglich

Dabei sei die Öffnung der Geschäfte möglich. „Das Infektionsrisiko im Handel ist gering. Das zeigen zahlreiche Studien. Es finden im Einzelhandel täglich 50 Millionen Kundenkontakte statt. Davon entfallen 40 Millionen auf den Lebensmitteleinzelhandel, der während der Pandemie nie geschlossen war. Und dennoch liegt die Infektionsquote im unauffälligen Bereich“, so Markus Haas.

Matthias Hülsebus, der im Kreuzviertel das Geschäft „Unterhaltung – Lieblingsstücke“ führt, ist darauf gefasst, vor Ostern nicht mehr öffnen zu dürfen. „Wir hübschen gerade zwar den Laden auf, aber ich kann verstehen, wenn wir weiter nicht aufmachen dürfen“, sagt er. Nicht verstehen könne er allerdings, dass große Bereiche der Industrie und Dienstleister „weitermachen dürfen wie immer“ – in voll besetzten Hallen und Büros. „Diese Ungerechtigkeit“, so Matthias Hülsebus, „ist nur schwer auszuhalten.“

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle