Nordstadt: „Wir haben einen schönen Stadtteil, dürfen aber Probleme nicht wegreden.“

rnZukunftscheck 2020

In der Nordstadt gibt es viele gute Projekte. Doch es gibt auch Probleme. Bezirksbürgermeister Dr. Ludwig Jörder sagt: „Man darf die Leute damit nicht allein lassen.“

Nordstadt

, 26.12.2019, 15:32 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn man Bezirksbürgermeister Dr. Ludwig Jörder nach der Nordstadt fragt, gibt es mehrere Themen, die ganz weit oben auf seiner Liste stehen. Bildung ist eines davon.

Nordstadt: „Wir haben einen schönen Stadtteil, dürfen aber Probleme nicht wegreden.“

Dr. Ludwig Jörder, Bezirksbürgermeister in der Nordstadt. © Peter Bandermann (Archiv)

„Die Kita-Angebote sind mittlerweile stark ausgebaut worden, das ist eine gute Sache“, sagt Jörder. Der Rückstand, in den man in den Jahren zuvor geraten sei, der „hätte gar nicht sein dürfen“. Gerade im Bereich Ü3 sei man nun ganz gut dabei. „Bei U3 fehlt auch im Verhältnis zur Gesamtstadt noch sehr viel.“

„Den Grundschul-Bedarf kann man doch ausrechnen“

Beim Thema neue Grundschulen wird Jörder deutlich: „Gesichert ist eine, aber das reicht nicht. Den Grundschulbedarf kann man doch sechs Jahre vorher ausrechnen – das müsste man jedenfalls meinen. Ebenso wie den Bedarf an Lehrstellen.“

Das Schulraum-Ressourcen-Programm sei ebenfalls ein wichtiges Projekt. Das Programm sieht eine Modernisierung von zehn Schulstandorten im Norden vor. Das hatte der Rat im Februar 2019 beschlossen. „Wir hatten den Ratsbeschluss begrüßt, aber gebeten zu prüfen, welche Möglichkeiten der Beschleunigung es da gibt“, sagt der Bezirksbürgermeister.

Die Bezirksvertretung konnte sich durchsetzen: Die Maßnahmen sollen fünf Jahre eher, also bis 2031 statt bis 2036, abgeschlossen sein. Das alles beginnt mit dem Abriss der Anne-Frank-Gesamtschule an der Burgholzstraße. „Dort entsteht eine Interimsschule, in die alle vorläufig ziehen können, damit am Standort saniert werden kann“, sagt Jörder.

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Am Standort Münsterstraße bleiben die Albrecht-Brinkmann-Grundschule, die Gertrud-Bäumer-Realschule und das Helmholtz-Gymnasium zusammen. Eigentlich war geplant gewesen, dass die Gertrud-Bäumer-Realschule am Ende der Maßnahmen ihren Standort an der Münsterstraße verlässt. „Mit dem neuen Konzept kann man jetzt Zug um Zug aufstocken, ohne dass sie wegziehen müssen“, freut sich der Bezirksbürgermeister. „Die drei Schulen arbeiten nämlich sehr eng und gut zusammen.“

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Jörder freut sich außerdem über die Auszeichnung mehrerer Nordstadt-Schulen als Talentschule. „Gerade in Brennpunkten müsste eine bessere Ausstattung der Schulen und ihrer Ressourcen normal sein.“ Deshalb fördere die Bezirksvertretung auch Projekte wie Anti-Aggressions-Training mit hohen Summen. „Es ist ja irre, dass Schulen für so etwas kein Geld zur Verfügung haben“, sagt Jörder kopfschüttelnd.

Nordstadt: „Wir haben einen schönen Stadtteil, dürfen aber Probleme nicht wegreden.“

Bezirksbürgermeister Dr. Ludwig Jörder (M.) hat der Oesterholzgrundschule den "Bildungsscheck" überreicht. © Martina Niehaus

Was die städtebaulichen Projekte betrifft, die den Norden des Viertels „von den Rändern her ertüchtigen“, wie es der Bezirksbürgermeister formuliert, sind nach wie vor die Gestaltung des Hafens, des Hauptbahnhofs und des Hoeschparks zu nennen. „Das sind ganz große Themen, die jetzt laufen, und das ist natürlich eine Supersache.“ Durch die Umgestaltung würde das gesamte Umfeld „starke positive Veränderungen“ erfahren. „Das wird alles feingemacht“, sagt Jörder. Verkehrstechnisch ist es vor allem die Nordspange, die den Bezirksbürgermeister beschäftigt – die aber vor 2021 nicht in Angriff genommen wird.



„Wir sind selbst ein Opfer der Verdrängung geworden“

Der geplanten Videoüberwachung an der Münsterstraße sehe die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord „mit großem Interesse“ entgegen. Auch zum Keuningpark, in dem nach wie vor viel gedealt wird, hat Jörder eine eindeutige Meinung: „Das Argument, dass man die Szene nur verdrängen würde, zieht für mich nicht. Wir sind doch selbst ein Opfer der Verdrängung geworden, denn vorher war die Szene am Westpark angesiedelt.“ An dieser Stelle mit vielen Kitas und dem Dietrich-Keuning-Haus, das auch Angebote für Kinder und Jugendliche vorhält, gehe das gar nicht. „Wir würden das Problem Drogendealerei auch gerne mal verdrängen“, sagt Jörder. Er räumt aber ein: „Ich glaube, dass die Polizei das macht, was sie machen kann.“

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Das Image des Dortmunder Nordens hat, wie Jörder es formuliert, mit einem „Zielkonflikt“ zu tun: „Wir haben einen schönen Stadtteil und müssen etwas für das Image tun. Aber Probleme dürfen wir auch nicht wegreden. Das ist ein täglicher Spagat.“

So würde ab dem Jahr 2020 auch zum Projekt „Nordwärts“, das seit 2015 für Stadtteilentwicklung mit Bürgerbeteiligung steht, Bilanz gezogen. „Das Projekt soll Unterschiede zwischen dem Nord-Süd-Gefälle ein wenig einebnen. Hier stehen ab dem Jahr 2020 Evaluationen an. “

Gerade vermüllte Ecken sind in Teilen der Nordstadt ein Problem – wenn es auch in Sachen „Problemhäuser“ Fortschritte gegeben habe.

Nordstadt: „Wir haben einen schönen Stadtteil, dürfen aber Probleme nicht wegreden.“

Die Problemimmobilie an der Haydnstraße. © Martina Niehaus (Archiv)

„Da kommt die Stadt gut vorwärts“, sagt er. Es kämen zwar neue dazu, „aber die Zahl sinkt.“ Gerade den Abbruch des Hauses an der Kielstraße 26 kann Jörder kaum noch erwarten. „Dem sehen wir mit Begeisterung entgegen.“

Wer erfolgreich ist, zieht oft weg: „Das kann nicht sein.“

Nachbarschaftskonflikte und der Zuzug aus Süd-Ost-Europa werden Themen sein, die die Bezirksvertretung auch im Jahr 2020 intensiv beschäftigen. „Es gibt vermehrt Hilferufe von Bürgern, und oft geht es um Müll. Aus unserer Sicht könnte man da vom Ordnungsamt aus noch mehr machen“, sagt der Bezirksbürgermeister.

Ludwig Jörder möchte auch im Jahr 2020 weiter dafür kämpfen, den Leuten in der Nordstadt Perspektiven zu bieten. „Es kann nicht sein, dass diejenigen, die erfolgreich sind, hier wegziehen. Der Norden Dortmunds ist ein lebenswerter Stadtteil. Wir müssen ihn stabil halten, damit die Menschen auch hier leben wollen.“

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