Normal war gestern: An Dortmunds Schulen ist ab 23. April alles anders

rnCoronavirus in Dortmund

Die weiterführenden Schulen in Dortmund stecken mitten in den Vorbereitungen auf den Neustart am 23. April. Es gibt viele Regeln und Unsicherheiten. Normaler Schulalltag ist in weiter Ferne.

Dortmund

, 21.04.2020, 07:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Ende der Osterferien hätte normalerweise den Endspurt des Schuljahres eingeläutet, die alles entscheidende Phase. Doch „normal“ ist seit Mitte März keine Kategorie mehr in Dortmunder Schulen.

Schulleiter in den Dortmunder Schulen gewöhnen sich gerade an ihr Arbeitswerkzeug. Mit Maßband und Raumplan steht Hans-Jörg Skubinn, Direktor der Marie-Reinders-Realschule, wie viele seiner Kollegen am Montagmorgen in einem Klassenraum. Mit dem Hausmeister und einigen Lehrerkollegen spricht er darüber, wo Desinfektionsmittel-Spender stehen könnten und wie es verhindert werden kann, dass Schüler in der Pause einen „Pulk“ bilden.

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Eine knappe Woche ist der Ankündigung alt, dass ab Donnerstag (23.4.) die Schüler, die an Gymnasien, Gesamtschulen, Realschulen, Berufsschulen, Hauptschulen, Förderschulen und an privaten Einrichtungen vor einer Abschlussprüfung stehen, wieder in die Gebäude zurück dürfen.

Schulen haben „dafür zu sorgen“, dass alles klappt

Jetzt geht es darum, die umfangreichen Bedingungen des Schulministeriums dafür umzusetzen. Am Samstag (18.4.) haben alle Schulleiter eine Mail des Ministeriums für Schule und Bildung erhalten. Es sei „dafür zu sorgen“, dass Abstände in Räumen, regelmäßige Reinigung und angemessene Unterrichtsgestaltung gewährleistet werden.

Wie das passiert - dafür sind die Schulen und die Stadt Dortmund als Träger verantwortlich.

„Wir müssen die Zeit bis Donnerstag jetzt nutzen“, sagt Hans-Jörg Skubinn. Für rund 90 Schüler, etwa ein Sechstel der Gesamtkapazität, seien die Regeln recht schnell umzusetzen. „Aber wir müssen viel bedenken, um niemanden zu gefährden. Und wir müssen das auch mit unseren pädagogischen Ansprüchen verbinden.“

So könnte der Alltag der Schüler bald aussehen

Beispielhaft am Plan der Hörder Realschule könnte der Alltag der Prüflinge in den nächsten Tagen so aussehen: In den Klassenräumen sitzen Gruppen nicht über 10 Schülern. Jeder erhält einen festen, mit seinem Namen beschrifteten Platz, den er möglichst selten verlässt. Falls es zu einer Ansteckung kommt, muss nachvollziehbar bleiben, wer sich in der Nähe der betreffenden Person aufgehalten hat.

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Schulglocken werden nicht zu hören sein, weil die Lerneinheiten zeitversetzt zu anderen Zeiten als sonst stattfinden.

„Wir haben kleine Gruppen, verteilt auf mehrere Räume und unterschiedliche Wege“, sagt Schulleiter Christof Nattkemper für das Goethe-Gymnasium, das sich ebenfalls in Hörde befindet. Es wird keinen Unterricht nach Stundenplan geben, sondern gezielte Angebote für die Hauptfächer und Leistungskurse.

Die Lernangebote für Abiturienten sind nicht verpflichtend

Die angehenden Abiturienten sind nicht verpflichtet, in der Schule zu erscheinen, da ihr regulärer Unterricht bereits im März weitgehend beendet war. Für alle anderen Abschluss-Klassen ist die Teilnahme an den schulischen Veranstaltungen dagegen verpflichtend.

„Viele Kinder rufen nach Normalität“, sagt Christof Nattkemper. Er halte eine langsame Rückkehr zur Normalität deshalb bei allem Verständnis für die Sorgen von Eltern und Schülern für vertretbar. „Wir handeln nicht aus einem krampfhaften Festhalten an Prüfungen heraus, sondern aus dem Verantwortungsbewusstsein dafür, dass es für diesen Jahrgang keine schlechteren Bedingungen geben soll.“

Aus Sicht seines Realschul-Kollegen Hans-Jörg Skubinn beginne jetzt eine sehr „schülerorientierte“ Phase. Es sei wichtig, „erst einmal hineinzuhören, wo sie Unterstützung brauchen“.

Rund zehn Prozent der Lehrer können nicht arbeiten

Ein Teil des Puzzles sind auch die Lehrer. Denn mittlerweile sind hier die Risikogruppen klar definiert. Hierunter fallen unter anderem alle Pädagogen über 60, aber auch solche mit einer kardiologischen, onkologischen oder Immunerkrankung und Schwangere.

Pro Schule können nach ersten Informationen gut zehn Prozent der Lehrer bis mindestens 4. Mai nicht arbeiten. „Es bedarf einiges an Verwaltung und Organisation, um festzulegen, wer dazu gehört und wer davon auszunehmen ist“, sagt Christof Nattkemper.

Kritik an mangelnder Vorbereitung

Eltern und Schüler, aber auch Lehrer-Gewerkschaften kritisieren den Schulstart wegen mangelnder Vorbereitung und ungerechten Prüfungsbedingungen. Zudem gibt es Sorge, dass die Hygienemaßnahmen nicht überall eingehalten werden können.

Dies wird bestärkt durch eine Mail, die dieser Redaktion vorliegt, laut der an einer Dortmunder Gesamtschule die Schüler Handtücher, Seife und Desinfektionsmittel selbst mitbringen sollen.

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Die Stadt Dortmund habe laut mehrerer Schulleiter in einer Konferenz am Montag (20.4.) zwei Botschaften gesendet. Erstens: Die Versorgung mit Desinfektionsmittel sei gesichert.

Zweitens: Die verstärkte Reinigung der Räume sei unter den aktuellen Rahmenbedingungen für die Hälfte der Räume möglich. Um irgendwann für alle Schüler die Hygieneregeln des Ministeriums umzusetzen, müsste also in den Bereich Schulreinigung deutlich investiert werden.

Viele weitere offene Fragen

Jede Entscheidung in Sachen Schule wirft neue Fragen auf. Etwa die nach Schülern, die zur Risikogruppe gehören. Bisher werden keine Gesundheitsdaten von Schülern detailliert abgefragt. Dies könnte aber notwendig werden.

Verwirrung bei Eltern stiftet zudem die Ankündigung des Ministeriums, dass Leistungen beim digitalen Lernen der vergangenen Wochen angerechnet würden. Bisher hatte es geheißen, dass dies freiwillig sei.

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