Notärzte mit Motor für den Herzmuskel im Einsatz

Bei Herzinfarkt-Patienten

Dortmunder Notärzte setzen nach einem Herzinfarkt eine technische Reanimationshilfe ein und fordern die Bürger auf, die Erste Hilfe nicht allein dem Rettungsdienst zu überlassen. Denn die ersten Minuten sind wichtig fürs Überleben.

Dortmund

11.02.2018, 05:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Stempel übt Druck aufs Herz aus.

Ein Stempel übt Druck aufs Herz aus.

Dortmunds Notärzte setzen für die Reanimation von Herzinfarkt-Patienten einen am Patienten fixierten Motor ein, der während des Transports in die Notfallambulanz eines Krankenhauses rhythmisch einen Stempel auf den Brustkorb drückt, um über den Herzmuskel den Blutkreislauf zu stabilisieren und den sonst binnen weniger Minuten eintretenden Tod des Patienten abwenden zu können.

Monitore informieren über Vitalfunktionen.

Monitore informieren über Vitalfunktionen. © Peter Bandermann

Für uns Bürger in der Stadt mit über 600.000 Einwohnern bedeutet das nicht nur eine bessere medizinische Notfall-Versorgung – wir sind jetzt in die Pflicht genommen, selbst als Ersthelfer aktiv zu werden. Denn 70 von 100 Herzinfarkten ereilen einen Menschen in seinem privaten Umfeld.

Ohne Sauerstoffversorgung sterben im Gehirn viele wichtige Zellen ab

Für Angehörige gilt dann: Über den Notruf 112 professionelle Hilfe zu rufen und den Lebenspartner zu reanimieren. Gerade die ersten Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes seien sehr wichtig, erklärt der ärztliche Leiter des Dortmunder Rettungsdienstes, Dr. Hans Lemke.

Schon nach drei Minuten ohne Sauerstoffversorgung würden im Gehirn viele wichtige Zellen absterben – die Lebensgefahr ist groß, wenn der von außen rhythmisch ausgeübte Druck auf den Herzmuskel ausbleibe und der Kreislauf nicht reanimiert werde.

Die Reanimationshilfe verbessert die Versorgung des Patienten während des Transports.

Die Reanimationshilfe verbessert die Versorgung des Patienten während des Transports. © Peter Bandermann

Wer die Erste Hilfe beherrsche und über Atemspende und Herz-Druck-Massage die Minuten bis zum Eintreffen der Profis überbrücken könne, erhöhe die Überlebens-Chance eines Notfall-Patienten „dramatisch“, sagt der Mediziner – statt dem Ehemann oder der Ehefrau oder einem Nachbarn beim Sterben zusehen zu müssen.

Teilnahme an Studie der Universität Kiel

Mit dem Einsatz der technischen Reanimationshilfe können Dortmunds Notärzte nach der Erstversorgung durch Angehörige oder andere Zeugen die Versorgungslücken bis zur Einlieferung in eine Klinik schließen. Den über den Motor angetriebenen Stempel, der den Herzmuskel schlagen und damit Blut und Sauerstoff weiter durch den Körper fließen lässt, müssen Kardiologen in einer Klinik nicht abnehmen, um den Zustand des Herzens diagnostizieren zu können. „Die radiologische Durchleuchtung des Herzmuskels ist während des Betriebs möglich“, erklärt Professor Thomas Heitzer vom Klinikum Mitte.

Das Klinikum, das Johannes-Hospital und das Knappschaftskrankenhaus in Brackel nehmen an einer Studie der Universität Kiel teil, um die technische Reanimationshilfe in der Praxis untersuchen zu lassen.

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