Obdachlose in leerem Haus: Eigentümer spricht über Nordstadt-Brand

rnDachstuhl verbrannt

Ein eigentlich leerstehendes Haus hat gebrannt, Wohnungslose wurden daraus gerettet. Jetzt äußert sich der Hausbesitzer - und ein Experte erklärt, warum solche Fälle so schwer greifbar sind.

Dortmund

, 29.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vergangene Woche brannte nachts ein Haus an der Brunnenstraße in der Nordstadt. Fünf Personen wurden gerettet - das Merkwürdige: Eigentlich steht das Haus leer. Doch Wohnungslose haben es als Unterschlupf genutzt.

Die Folgen des Feuers sind noch deutlich sichtbar: Große Teile des Daches sind verbrannt, verkohlte Balken sind zu sehen. Es kann ungehindert reinregnen.

Flatterband der Polizei ist vor dem Eingang gespannt. Die Haustür und die Erdgeschoss-Fenster sind mit Brettern verbarrikadiert. Dort, wo sich mal die Klingelschilder befunden haben, ragen Drähte aus der Wand. Das wird schon vor dem Brand so gewesen sein.

Wie es mit dem schwer beschädigten Gebäude zwischen Mallinckrodt- und Bornstraße weitergeht, wird gerade besprochen. „Unsere Hausverwaltung steht in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden und arbeitet derzeit an der Begutachtung des entstandenen Schadens“, heißt es von der Firma All Sites Property Management aus Berlin.

Einbrüche bekannt?

Sprecher Robert Döring teilt mit, das Haus sei gesichert gewesen. „Seit einiger Zeit“ stehe es leer. Auf die Frage, ob das Unternehmen dort von Wohnungslosen oder Einbrüchen wisse, antwortet er in seiner schriftlichen Antwort via E-Mail nicht. Auch die Frage, was das Unternehmen bis zu dem Brand mit dem Haus vorhatte, bleibt offen.

„Wie es zu dem Ausbruch des Feuers gekommen ist, ist Gegenstand einer laufenden Untersuchung“, schreibt Döring, dessen Unternehmensgruppe auch für den geräumten Hannibal-Wohnkomplex in Dorstfeld zuständig ist: „Zur Brandursache können wir daher noch keine Aussage treffen.“

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Vor der Haustür ist auf der Brunnenstraße ein Auto nach dem anderen unterwegs. Burger King liegt direkt gegenüber, Hornbach, Lidl, Tedox und andere Geschäfte sind in unmittelbarer Nähe. Dennoch: Offenbar hat sich niemand darum gekümmert, wer das Wohnhaus betrat oder verließ.

Immer wieder komme es vor, dass Obdachlose in leeren Häusern übernachten, sagt Thomas Bohne von der Zentralen Beratungsstelle für wohnungslose Menschen der Diakonie: „Es wechselt immer.“ Ein Hotspot sei ihm aktuell nicht bekannt. Das Haus an der Brunnenstraße habe er nicht gekannt.

„Was eigentlich gut ist, wird zum Problem“

„Die Leute verteidigen ihren Platz, wenn sie einen guten gefunden haben“, sagt Bohne: „Und sie wollen ihn nicht öffentlich machen.“ In der Nordstadt habe man das in verschiedenen verwahrlosten Häusern beobachten können.

In den vergangenen Jahren habe sich viel getan, viele Häuser würden renoviert: „Das hat den Preis, dass diejenigen, die da übernachten, ihren Platz verlieren“, so Bohne: „Was eigentlich gut ist, wird zu einem Problem.“ Bohne schätzt, dass 400 bis 600 Menschen in Dortmund keine Wohnung haben.

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