Dortmund soll Leihräder ohne feste Station bekommen. Das steht seit Monaten fest. Unklar ist, wann und woher sie kommen. Zwei Anbieter haben wohl zurückgezogen, ein neuer ist hinzugekommen.

Dortmund

, 16.07.2018 / Lesedauer: 3 min

In Dortmund sollen mehr Fahrräder rollen. Fahrräder, die keinen festen Besitzer haben, sondern viele verschiedene. Und Fahrräder, die keine feste Station haben, sondern überall stehen können. Über eine App auf dem Smartphone können sie ausgeliehen werden. Alles ganz unkompliziert. Zumindest wenn sie dann einmal da sind.

Denn so unkompliziert das Ausleihsystem der Mieträder ist, so kompliziert ist offenbar ihr Start in Dortmund.

Erweiterung des bestehenden Angebots

Eigentlich sollten jene Räder schon seit April in Dortmund rollen. Sie sollten das bestehende Angebot von 500 stationsgebundenen Leihrädern von Anbieter Nextbike (Metropolradruhr) ergänzen und aus Asien nach Dortmund kommen.

Die Stadt hatte im Frühjahr gleich zu mehreren Bikesharing-Anbietern Kontakt, mit zweien, Obike aus Singapur und Ofo aus China, wurde es ganz konkret. Sie wollten schon vor drei Monaten mit jeweils 500 Rädern starten. Im Mai hieß es, ihr Start verzögere sich, es gebe noch keinen Termin. Jetzt werden sie wohl gar nicht kommen. Dafür wahrscheinlich ein anderer Anbieter.

Obike Singapur ist insolvent

Die silber-gelben Räder von Obike hatten in anderen Städten schon für viel Ärger gesorgt. In München hatte Obike wohl fast 7000 Räder abgestellt, die dann teilweise ramponiert in Grünanlagen herumlagen und die Gehwege versperrten. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Obike in Singapur Insolvenz angemeldet hat.

Auf das Geschäft in Deutschland sollte das keine Auswirkungen haben, hieß es vom Unternehmen. Doch viele Städte beklagten, keinen Kontakt mehr zu Obike zu haben. So geht es auch der Stadt Dortmund.

Kein Kontakt mehr

Im Frühjahr hätte Obike der Stadt seine Absicht mitgeteilt, in diesem Jahr mit Leihfahrrädern auf Dortmunder Stadtgebiet zu starten, heißt es von der Stadt. Zunächst sollten es 500 Räder sein, die Anzahl sollte dann Schritt für Schritt erhöht werden. „Seiher hat es keine Kontakt mehr gegeben“, sagt Stadtsprecherin Heike Thelen auf Anfrage.

Es habe zwar Verhandlungen und Interessensbekundungen gegeben, eine Vereinbarung mit der Stadt sei aber nicht unterschrieben worden. Und solange das nicht geschehen sei, „gehen wir davon aus, dass sie nicht nach Dortmund kommen“, sagt Thelen.

Ofo will sich aus Deutschland zurückziehen

Gleiches gilt für den chinesischen Anbieter Ofo mit seinen schwarzgelben Rädern. Der will sich nach einer dreimonatigen Testphase in Berlin nun komplett aus Deutschland zurückziehen, das berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Das bedeutet aber nicht, dass das Konzept der Leihräder ohne feste Station für Dortmund schon wieder vorbei ist, bevor es überhaupt angefangen hat. Ein anderer Anbieter könnte nun nämlich schon bald in die entstandene Lücke von Obike und Ofo springen: das Berliner Start-up Byke. „Mit Byke verhandelt die Stadt konkrete Details der Vereinbarung“, sagt Heike Thelen.

50 Cent für 30 Minuten

Byke gibt es seit einem Jahr. Das Unternehmen wurde in der Hauptstadt gegründet. Die Fahrräder sind blau-schwarz-gelb. Sie fahren in Berlin, rund um Frankfurt und im Ruhrgebiet in Essen, Duisburg und Mülheim.

In Essen, das ähnlich viele Einwohner wie Dortmund hat, gibt es 140 Byke-Räder. Auch die Byke-Räder haben keine festen Stationen, können überall im Geschäftsgebiet per Smartphone ausgeliehen und abgegeben werden. Das kostet 50 Cent für 30 Minuten. zudem hat Byke verschiedene Abo-Angebote, die sich auf 3 Euro (für eine Tageskarte) bis 50 Euro (für ein Jahresabo) belaufen.

Allzu viel Auskunft will Byke-Geschäftsführerin Julia Boss über die Pläne in Dortmund noch nicht geben. Nur so viel: „Wir sind mit der Stadt Dortmund im Gespräch“, sagt sie. „Aber es ist noch nichts spruchreif.“

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