Bus und Bahn für 1 Euro am Tag - Ist das in Dortmund möglich?

rnNahverkehr

Die SPD im Bund hat vorgeschlagen, für alle Bürger ein 365-Euro-Ticket zur Nutzung von Bussen und Bahnen einzuführen. In Wien gibt es das bereits. So stehen die Chancen für Dortmund.

Dortmund

, 09.09.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einen Euro pro Tag – das soll die Nutzung von Bussen und Bahnen nach dem Willen der SPD künftig kosten. Der Vorschlag stammt aus dem Klimaschutzkonzept, mit dem die SPD-Bundestagsfraktion die Klimaziele 2030 erreichen will. Bei der „schrittweisen“ Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets sollen die Kommunen unterstützt werden.

Norbert Schilff, Chef der Dortmunder SPD-Ratsfraktion, spricht von einer „guten Idee“ seiner Genossen, doch nur unter zwei Voraussetzungen: „Der Öffentliche Personennahverkehr müsste so ausgebaut sein, dass er den Ansturm verkraftet. Und die Finanzierung muss gesichert sein. Denn jemand muss das bezahlen.“

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Die Stadt Wien ist Vorreiter

Vor dem Hintergrund der Dieselverbots-Diskussion hatte die Dortmunder SPD-Fraktion schon im vergangenen März ihren ähnlichen Antrag im Umwelt-Ausschuss durchgebracht. Darin heißt es, die Verwaltung möge entweder die Einführung eines kostenlosen ÖPNV-Ticket für die städtischen Mitarbeiter oder die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets (1 Euro = 1 Tag) für alle Nutzer zu prüfen. Beispiele gebe es in Bonn und Wiesbaden. Die Prüfung läuft noch.

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Den Vorschlag, für alle Stadtmitarbeiter ein kostenloses ÖPNV-Ticket einzuführen, kommentiert DSW21-Sprecher Frank Fligge so: „Wenn die Stadt ihren Mitarbeitern ein kostenloses ÖPNV-Ticket zur Verfügung stellen möchte, müsste sie die Kosten dafür natürlich übernehmen. Zum Beispiel könnte sie das DSW21-FirmenTicket abonnieren. Dieses Ticket, das auch unseren eigenen Mitarbeitern zur Verfügung steht, nutzen schon viele andere Unternehmen in Dortmund.“

Vorreiter und Vorbild für den SPD-Alternativvorschlag eines 365-Euro-Tickets ist die Stadt Wien. Dort wurde diese Fahrpreisermäßigung bereits 2012 erfolgreich eingeführt. Allerdings seien die Voraussetzungen andere gewesen als zum Beispiel bei DSW21, erläutert Unternehmenssprecher Fligge auf Nachfrage: „Das Wiener Modell war von langer Hand vorbereitet und hatte einen Vorlauf von 15 bis 20 Jahren.“

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Die Reihenfolge muss stimmen

Zunächst habe man in Wien die Infrastruktur und das Netz für viele hundert Millionen Euro erheblich ausgebaut, in zusätzliche Busse und Bahnen investiert, mehr Linien geschaffen und die Takte verdichtet. Erst dann habe man das 365-Euro-Ticket eingeführt und sei dem Ansturm gewachsen gewesen.

„Man müsste in Dortmund den gleichen Weg gehen: erstens Klärung der künftigen Finanzierungsstrukturen durch die Politik, zweitens Investitionen in Infrastruktur, Fahrzeuge, Personal, drittens Ausweitung des Angebots. An vierter Stelle stünde dann, wenn die Voraussetzungen geschaffen sind, die Diskussion über die Preisstruktur. Die Reihenfolge muss stimmen, dann wird kein Verkehrsunternehmen nein sagen“, so Fligge.

Und weiter: „Würden wir in Dortmund ab morgen das 365-Euro-Ticket einführen und ab übermorgen im ÖPNV die 38-Prozent-Quote erreichen, die Wien aktuell ausweist, wären wir einem solchen Fahrgastzuwachs nicht gewachsen. Es würde unsere Kapazität sprengen. Das gilt aber gleichermaßen für andere Städte in Deutschland.“

Einnahmen aus der Parkraum-Bewirtschaftung

Wien gebe jährlich 400 Millionen Euro für den Nahverkehr aus, sagt Fligge, allein 435 Millionen Euro in 2019, allerdings auf Grundlage einer komplett anderen Finanzierung. So wird der U-Bahn-Bau in Wien zu 50 Prozent vom Staat und zu 50 Prozent von der Stadt finanziert. Darüber hinaus fließen unter anderem Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung sowie die Arbeitgeberabgabe in die Finanzierung des ÖPNV. Allein durch die Abgabe, die Arbeitgeber in Wien pro Mitarbeiter pauschal abführen, stehen 70 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich für den Nahverkehr zur Verfügung.

Auch DSW21 investiert künftig mit Unterstützung des Landes NRW jährlich bis zu 34 Millionen Euro in die Erneuerung und Instandhaltung der Infrastruktur. Zudem fließen 33 Millionen Euro in 30 neue E-Busse, die ab 2021 nach und nach Dieselbusse ersetzen sollen.

Wir haben den Artikel einmal aktualisiert.

Ein Tag für den Klimaschutz

In einem Offenen Brief haben die Grünen der DSW21-Geschäftsführung am Freitag (6.9.) vorgeschlagen, die für den 20. September auch in Dortmund geplanten Aktionen zum Klimaschutz mit einem ermäßigten Tarif für den ÖPNV zu unterstützen. Der ÖPNV sei dabei nicht nur das richtige Verkehrsmittel, um an diesem Tag zu der Veranstaltung zu kommen, sondern darüber hinaus sei der ÖPNV im Verkehrssektor das entscheidende Instrument zur Erreichung der Klimaziele und damit auch selbst Thema bei Veranstaltungen zum Klimaschutz.
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