Dortmunder Immunologe

Omikron in Dortmund: Corona-Variante „könnte Ende des Jahres dominant sein“

Dortmund hat seinen ersten offiziellen Omikron-Fall. Wie ansteckend ist die neue Corona-Variante? Der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl erklärt die ersten Erkenntnisse.
2021.03.19 Dortmund Leibniz-Institut Prof. Dr. Carsten Watzl Foto Schaper © Schaper

Zuletzt waren die Einschläge immer näher gekommen – am Mittwoch war es dann so weit: Die Stadt Dortmund meldete ihren ersten offiziellen Omikron-Fall. Die neue Corona-Variante wurde am Dienstag bei einem 71-jährigen Dortmunder nachgewiesen.

Noch gibt es wenige Erkenntnisse zu der Variante, die zuerst in Südafrika entdeckt worden ist und die sich seit einigen Wochen in Europa verbreitet. Doch wenige Stunden, bevor der erste Fall in Dortmund bekannt wurde, hat sich der Dortmunder Immunologe Carsten Watzl auf Twitter zum Stand der Forschung über Omikron geäußert.

„Der Impfschutz vor einer Omikron-Infektion wird deutlich geringer sein“, schreibt der TU Professor, der den Forschungsbereich Immunologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung leitet. Der Grund: „Es braucht deutlich mehr Antikörper, um Omikron zu neutralisieren, ca. 40-fach mehr!“ Das sei der höchste Wert, den man je bei einer Variante festgestellt habe.

Man werde deshalb deutlich mehr Durchbruchsinfektionen sehen, prognostiziert der Wissenschaftler, „gerade bei Genesenen und ‚nur‘ zweimal Geimpften“. Wer sich boostern lasse, habe deutlich mehr Antikörper im Blut und sei deswegen auch besser gegen Omikron geschützt.

Watzls Fazit: „Die Impfungen sind weniger effektiv, aber nicht nutzlos!“ Watzl geht auch davon aus, dass die Impfung „immer noch Schutz vor schwerer Erkrankung“ biete.

Watzl: Omikron „könnte Ende des Jahres dominant sein“

Der Dortmunder Immunologe rechnet damit, dass sich Omikron auch in Deutschland gegen die bisher vorherrschende Delta-Variante durchsetzen wird. Omikron „könnte Ende des Jahres dominant sein“.

Doch auch wenn sich nun auch Geimpfte und Genesene wieder verstärkt infizieren können – eine noch größere Gefahr sei Omikron für die Ungeimpften: „Ungeimpfte sind noch weniger geschützt“, schreibt Watzl. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich anstecken und schwer erkranken, ist mit Omikron deutlich gestiegen!“

Watzls Forderung: „Impflücken schnell schließen!“

Daraus leitet der Wissenschaftler eine klare Forderung ab: „Impflücken schnell schließen!“ Booster-Impfungen alleine seien wohl nicht ausreichend, um sich aus einer Omikron-Welle herauszuimpfen.

„Auch zusätzliche Maßnahmen zur Eindämmung werden wohl notwendig werden“, schreibt Watzl. Auch wenn er diese Maßnahmen nicht ausspricht: Gemeint sind wohl weitere Kontaktbeschränkungen bis hin zu einem erneuten Lockdown.

Schlussendlich müsste wohl ein angepasster Impfstoff her – doch der sei erst im Februar oder März 2022 fertig. Doch darauf warten solle man bloß nicht, beschwört Watzl seine inzwischen über 21.000 Twitter-Follower: „JETZT boostern oder impfen!“

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