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Online-Dating in der Pandemie: So daten Corona-Realisten und Querdenker

Die Partnerbörse Gleichklang hat untersucht, ob individuelle Ansichten zur Corona-Pandemie die Partnerwahl beim Online-Dating beeinflussen. Ein Psychologe interpretiert die Ergebnisse.
Eine Partnerschaft zwischen Corona-Realisten und „Querdenkern“ für die Meisten ausgeschlossen. Das bestätigt eine Studie von Gleichklang.de.
Eine Partnerschaft zwischen Corona-Realisten und „Querdenkern" für die Meisten ausgeschlossen. Das bestätigt eine Studie von Gleichklang.de. © Unsplash

Menschen haben verschiedene und individuelle Ansichten zur Corona-Pandemie. Doch beeinflusst diese die Partnerwahl beim Online-Dating? Diesbezüglich hat die psychologische Partnervermittlung Gleichklang.de deutschlandweit ihre Mitglieder befragt. Zusätzlich haben die Mitglieder ihre Haltung zu Schutzmaßnahmen und zur Vorsicht beim Online-Dating sowie ihre Erfahrungen mit Corona-Erkrankungen im sozialen Umfeld genannt.

Hierfür befragte Gleichklang.de 1044 partnersuchende Mitglieder, darunter 639 Frauen, 394 Männer sowie zwölf nicht-binäre Personen. Das Durchschnittsalter betrug 51 Jahre.

Corona-Realisten und Querdenker stehen sich kritisch gegenüber

Statistisch ließen sich die Befragten drei Gruppen zuweisen, die sich anhand ihrer Antworten ergaben:

  • Corona-Realisten (erkennen Gefährlichkeit der Pandemie)
  • Corona-Verunsicherte (nehmen Pandemie ernst, aber haben Zweifel)
  • Corona-Leugner („Querdenker“, leugnen die Pandemie)

84,7 Prozent der Corona-Realisten gab an, eine Partnerschaft mit Corona-Leugnern abzulehnen.

Umgekehrt nannte ein Großteil der Corona-Leugner (70,4 Prozent), keine Beziehung mit jemandem eingehen zu wollen, der die Pandemie ernst nehme.

Corona-Verunsicherte zeigten kein klares Muster. Dennoch schlossen 54,5 Prozent eine Partnerschaft mit Corona-Leugnern aus, während lediglich 9,1 Prozent eine Partnerschaft mit Corona-Realisten ablehnten.

Viele Corona-Leugner verhalten sich bei Dates nicht vorsichtig

Die Gruppen zeigten große Unterschiede hinsichtlich der Einhaltung zu Corona-Schutzmaßnahmen und zur Vorsicht beim Online-Dating.

  • Die Mehrheit der Corona-Realisten gab an, die Schutzmaßnahmen komplett oder stark zu verfolgen. 91,2 Prozent von ihnen seien beim Dating vorsichtig und nur 8,8 Prozent verneinten die Vorsicht.
  • Hingegen bestätigte der Großteil der Corona-Leugner, die Schutzmaßnahmen gar nicht oder nur schwach zu befolgen. Zudem stimmten nur 26,1 Prozent der Corona-Leugner der Aussage zu, sich beim Dating vorsichtig zu verhalten.

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  • Die Corona-Verunsicherten gaben häufig an, die Schutzmaßnahmen einigermaßen zu befolgten und beim Dating Vorsicht walten zu lassen. 70,1 Prozent von ihnen würden sich beim Dating vorsichtig verhalten.

Eindeutige Unterschiede kamen zwischen den Gruppen in der Häufigkeit von Corona-Erkrankungen im sozialen Umfeld.

  • Vier von zehn Corona-Realisten, aber nur neun von 100 Corona-Leugnern berichteten über einen schweren oder tödliche Covid-19 Fall im sozialen Umfeld.
  • Bei den Corona-Verunsicherten schilderte eine von vier Befragten einen schweren Covid-Fall.

Psychologe bewertet die Ergebnisse

Der Psychologe Dr. Guido F. Gebauer, der für die Plattform Gleichklang arbeitet, sieht in den Ergebnissen der Umfrage einen Beleg für die Spaltung der Gesellschaft. Diese zeige sich auch bei der Partnersuche.

Dies gehe so weit, dass eine große Mehrheit der Corona-Realisten sich eine Partnerschaft mit Corona-Leugnern nicht vorstellen könne, was umgekehrt ebenso der Fall sei.

Er beurteilt jedoch, dass die Vorbehalte der Corona-Realisten gegenüber Menschen, die Covid leugnen, nachvollziehbar begründet werden können. Während der Großteil der Corona-Realisten nämlich bereit seien, die Schutzmaßnahmen einzuhalten und sich bei der Partnersuche vorsichtig zu verhalten, fehle es den Corona-Leugnern mehrheitlich an dieser Bereitschaft.

Dating kann durch Querdenker zur Hochrisiko-Aktivität werden

Diese mangelnde Vorsicht stelle bei der Partnersuche eine Gefährdung der eigenen Person und anderer Personen dar. Zumal sich die meisten Corona-Leugner wohl nicht impfen lassen würden.

Gebauer verdeutlicht zudem, dass der Anteil der Corona-Leugner in der Gesellschaft genüge, um die Online-Partnersuche in der gegenwärtigen pandemischen Lage für alle zu einer Hochrisiko-Aktivität zu machen.

Daher sollten Partnersuchende genau die Einstellungen ihrer potenziellen Dating-Partner zu Corona und den Schutzmaßnahmen achten. Eine bereits im Vorfeld erfolgende Ablehnung einer Kontakt-Vertiefung mit Corona-Leugnern könne dabei das individuelle Risiko mindern.

Online-Partnervermittlungen sollten über Corona aufklären

Zudem sei es interessant, dass die Corona-Leugner in dieser Umfrage wesentlich seltener in ihrem sozialen Umfeld mit schweren oder tödlichen Covid-19 Erkrankungen konfrontiert gewesen seien als die anderen Mitglieder.

Aus psychologischer Sichtweise sei zu vermuten, dass die Konfrontation mit solchen schweren Krankheitsfällen im sozialen Umfeld manche heutige Corona-Realisten davor bewahrt habe, in Corona leugnende Denkmuster abzugleiten.

Umgekehrt würden sich „Querdenker“ subjektiv bestätigt fühlen und an ihren Überzeugungen festhalten, wenn sie keine schweren Verläufe in ihrem Umfeld miterlebt haben.

Nichtsdestotrotz betont Gebauer, die Spaltung beim Online-Dating solle nicht überbewertet werden. Schließlich könne von einer großen Mehrheit von Corona-Realisten ausgegangen werden.

Der Psychologe sieht Online-Partnervermittlungen dennoch in der Pflicht, über Corona aufzuklären und möglichem Risikoverhalten ihrer Mitglieder entgegenzuwirken. Denn die Partnerschaftssuche könne bei direkten Begegnungen das Infektionsrisiko erhöhen.

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