Ordnungsamt schließt die Kältekammer am Phoenix-See

rnKältetherapie

Kann das Coronavirus bei minus 85 Grad überleben? Eine interessante Frage. Um die ging es aber nicht, als das Ordnungsamt die Kältekammer am Phoenix-See schloss. Der Betreiber spricht von Willkür.

Hörde

, 30.04.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Vitaluxe-Kältekammer am Phoenix-See setzen sich Menschen freiwillig arktischen Temperaturen aus. Die extreme Kälte von minus 85 bis minus 120 Grad soll Beschwerden wie entzündliche Erkrankungen und vor allem Schmerzen lindern. In der Rheumatherapie an Kliniken werden Kältekammern daher schon seit langem eingesetzt. Auch der Profisport nutzt die Kryotherapie zur schnelleren Regeneration und Leistungssteigerung.

Schließung kam völlig überraschend

Robin Mayler, selbst starker Rheumatiker, brachte die Kälte nach Dortmund. Im Mai 2018 eröffnete er am Phoenix-See die erste Kältekammer – eine Art Duschkabine, nur ohne Wasser, dafür mit eisigem Hauch bei Temperaturen bis minus 110 Grad.

Doch inzwischen dürften sich die Kabinen aufgewärmt haben, denn seit dem 24. April ist das Vitaluxe-Studio geschlossen. Das Ordnungsamt hat den Betrieb aufgrund der Corona-Sicherheitsbestimmungen untersagt. „Völlig überraschend“, wie Robin Mayler sagt.

Entscheidend dafür, ob die Schließung gerechtfertigt war, ist die Einstufung der Dienstleistung: Handelt es sich um ein medizinisch-therapeutisches Angebot oder nicht? Mayler sagt: „Wir sind ganz klar ein Gesundheits- und kein Fitnessstudio“ und wirft den Behörden Willkür vor. Abgeschotteter als in der Kältekammer gehe es kaum.

Robin Mayler betreibt Vitaluxe-Studios in Dortmund, Kamen und Recklinghausen.

Robin Mayler betreibt Vitaluxe-Studios in Dortmund, Kamen und Recklinghausen. © Susanne Riese (A)

Der Betreiber hatte sich erst vier Tage vor dem Einschreiten der Behörde dazu entschieden, wieder zu öffnen – „nach langer Prüfung und vielen Rückmeldungen unserer Patienten, die wieder über Schmerzen klagten“.

Er betont, medizinische Dienstleistungen, die verordnet werden können, seien explizit durch das Gesetz erlaubt. „Unsere Patienten waren unheimlich froh darüber, die Kältekammer wieder nutzen zu können.“

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Die Ordnungsbehörde aber beruft sich auf §3 der Corona-Schutzverordnung, der den Betrieb von Fitness-Studios untersagt. „Bei der Kontrolle des Betriebes wurde ein Kunde beim Probetraining auf einer ,Vibrationsplatte‘ festgestellt“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Robin Mayler sagt, das Gerät würde rein therapeutisch eingesetzt.

Er habe Verständnis dafür, dass die Pandemie mit geeigneten Mitteln angegangen werden müsse, fragt aber: „Wie lässt es sich rechtfertigen, eine medizinische Dienstleistung zu schließen, wenn andere Geschäfte wie riesige Möbelhäuser, Bekleidungs- und Schuhgeschäfte, Baumärkte und selbst Handyläden wieder aufhaben dürfen? Wie lässt es sich rechtfertigen, dass Bürger zwar einen Blumentopf kaufen können, aber nicht ihre Schmerzen auf natürliche Weise behandeln lassen können?“

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Offenbar hängt vieles an der Frage: medizinisch notwendig oder nicht? Und die ist nicht leicht zu beantworten, da Vitaluxe neben Kälte- und Physiotherapie in normalen Zeiten auch Fitnesstraining anbietet.

Um das zu klären, hat sich die Stadt über die Bezirksregierung an das Gesundheitsministerium gewandt. Von dort hieß es: „Der Betrieb wäre nur statthaft, wenn die Kältesaunen unter Aufsicht medizinischen Fachpersonals, das heißt, mindestens unter der Aufsicht eines Heilpraktikers, betrieben würden.“

Mayler empfindet die Hinweise auf die Einbeziehung des Gesundheitsamtes als Drohung. „Ich fühle mich behandelt wie ein Schwerverbrecher“, sagt er. „Ich habe wirklich Angst, dass die mir den Laden ganz dicht machen, etwa weil wir keine medizinische Begleitung haben. Dabei ist das auch bei Kältekammern in anderen Städten so.“

Die meisten kommen aus gesundheitlichen Gründen

Mindestens drei Viertel der Kunden kämen aus gesundheitlichen Gründen. „Als Rheumatiker kann ich beurteilen, wie schlimm das jetzt für sie ist. Deshalb kämpfe ich auch so dafür, wieder öffnen zu können.“

Finanziell halte er noch etwa einen Monat durch. Die 5000 Euro Strafe, die ihm laut Auskunft der Stadt wegen der unzulässigen Öffnung drohen könnten, hat er dabei noch nicht eingerechnet.

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