„Paket nicht ablecken“: Skurriler Tipp gegen Corona-Pandemie für Dortmunder Unternehmen

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Das Gesundheitsamt hat der Dortmunder Wirtschaft bei einer Informationsveranstaltung über Youtube Empfehlungen gegen das Coronavirus gegeben - darunter eine reichlich merkwürdige.

Dortmund

, 16.03.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigens für die Wirtschaft hat das Gesundheitsamt eine Informationsveranstaltung zum Coronavirus durchgeführt – zeitgemäß übertragen bei Youtube. Auch ein Mitarbeiter der international tätigen Gesellschaft für Gerätebau mbH (GfG) mit Sitz in der Klönnestraße hörte den Ausführungen am Bildschirm zu und fasste die Veranstaltung für den Firmeninhaber Hans-Jörg Hübner schriftlich zusammen.

Zu den empfohlenen Maßnahmen für Betriebe zählen unter anderem

  • möglichst wenig Zusammenkünfte vieler Mitarbeiter
  • die Verschiebung von Dienstreisen
  • wenn möglich Home-Office
  • die Trennung von Abteilungen sowie von Beschäftigten und Besuchern
  • die Absage von Betriebsbesichtigungen.

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Importware, wie die Leiterplatten, die GfG über einen Dritten aus China und Asien bezieht, stellen laut Gesundheitsamt kein Problem dar. Das Virus bleibe auf unbelebten Oberflächen nur für einige Tage wirksam. Ware mit 14 Tagen Transport gelte deshalb zurzeit als unbedenklich. Die Infektionsdosis bei Berühren eines Paketes sei unbekannt, aber bei normalem Arbeitskontakt sollten nicht so viele Viren übertragen werden.

GfG ist global tätig

Und dann kam eine Empfehlung, über die Jörg Hübner nur verwundert den Kopf schütteln kann: „Paket nicht ablecken“. Wie denn so eine Empfehlung zustande komme, fragte Hübner seinen Mitarbeiter. Doch auch diesem erschloss sich der Sinn nicht. „Selbst, wenn ich eine Briefmarke von einem Paket ablösen will, lecke ich sie doch nicht ab, sondern weiche den Kleber mit Wasser auf“, sagt Hübner, „wir schlecken nicht an irgendwelchen Paketen.“

Sein Unternehmen ist zwar wegen der Importe von Leiterplatten und Elektronik aus China und Asien vom Coronavirus betroffen, doch weniger stark als andere Dortmunder Unternehmen. Hübner: „Ich bin froh, dass ich kein Messebauer bin.“ GfG stellt Gasmessgeräte für den Arbeits- und Umweltschutz her, ist mit fünf Produktionsstandorten in Deutschland, Nordamerika, Südafrika, der Schweiz und in Singapur global tätig und hat zahlreiche Niederlassungen in fast allen europäischen Ländern.

13 statt 30 Prozent mehr Umsatz

„Arbeits- und Umweltschutz wird jede Krise überleben“, sagt Hübner, „diese Dinge entwickeln sich prächtig. Seit Jahren verzeichne man „ein Superwachstum“. Seit September 2019, dem Beginn des neuen Geschäftsjahres, habe GfG im Vergleich zum Vorjahreszeitraum über 13 Prozent mehr Umsatz gemacht. „Doch es hätten 30 Prozent mehr sein müssen, wenn ich das notwendige Material bekommen hätte“, sagt Hübner.

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Durch die Lieferschwierigkeiten habe sich herausgestellt, dass einige Lieferanten nicht in Deutschland produzieren, sondern ihre Ware aus China und Asien beziehen. Am Montag werde GfG eine neue Bestückungsanlage für Leiterplatten in Betrieb nehmen, „doch was hilft es, wenn wir keine Leiterplatten haben“, sagt Hübner.

Homeoffice und Notfallplan

Der ehemaliger Bergbauzulieferer habe in jüngster Zeit schwer in neue Technologie investiert. Von den 144 Mitarbeitern sitzen allein 25 in der Entwicklungsabteilung. „14 Prozent unseres Umsatzes geben wir für Forschung und Entwicklung aus“, sagt Hübner.

In der Entwicklungsabteilung hat er gleich vorbeigeschaut, als er am Freitag (13.3.) von der Ankündigung der Landesregierung hörte, dass ab Mittwoch alle Schulen geschlossen bleiben. Ob das seine Mitarbeiter in Schwierigkeiten bringe, wollte er wissen. Tut es nicht.

Unternehmer und GfG-Chef Hans-Jörg Hübner (stehend) in seiner Dortmunder Produktionsstätte an der Klönnestraße.

Unternehmer und GfG-Chef Hans-Jörg Hübner (stehend) in seiner Dortmunder Produktionsstätte an der Klönnestraße. © GfG

Ansonsten gibt es auch bei GfG einen Notfallplan. Der Geschäftsführer: „Wir können viele Aktivitäten über Homeoffice abwickeln. Wir haben uns darauf vorbereitet für den Fall, dass es noch schlimmer kommt.“

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