Die Panne der Dortmunder CDU muss vor der Kommunalwahl aufgeklärt werden

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Warum fehlen drei CDU-Kandidaten auf einer Wahlliste? Der CDU-Kreisverband Dortmund ist nicht bereit, die Panne vor der Kommunalwahl aufzuklären. Das ist ein Armutszeugnis! Ein Kommentar.

Lütgendortmund

, 09.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf bunten Flyern wirbt die CDU im Stadtbezirk Lütgendortmund um Stimmen für die Kommunalwahl 2020. Mittlerweile sind die Handzettel in viele Dortmunder Briefkästen gewandert.

„Lütgendortmund. Zukunft. Gestalten“ steht in großen Lettern auf der Titelseite. Wer umblättert, dem blicken auf der nächsten Seite acht Kandidaten entgegen. „Wir packen mit Ihnen gemeinsam LüDo an!“, versprechen sie.

Stadtbezirks-Vorsitzender vermutet einen Verfahrensfehler

Das Foto entstand am 1. März 2020, kurz nach der Delegiertenversammlung, auf der die acht Mitglieder für die Bezirksvertretung Lütgendortmund aufgestellt worden waren. So wird es von verschiedenen Seiten bestätigt. Fünf Monate später fällt nicht nur der Stadtbezirks-Vorsitzende Arne Küpper aus allen Wolken. Denn auf der offiziellen Wahlliste stehen nur fünf statt acht Kandidaten-Namen.

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Der Stadtbezirks-Vorsitzende vermutet einen Verfahrensfehler und fordert sofortige Aufklärung. Doch die wird es, wenn überhaupt, erst nach der Kommunalwahl geben. Denn der CDU-Kreisverband zeigt aktuell keinerlei Interesse daran, den Fehler zu erklären.

CDU-Kreisgeschäftsführer will sich nicht weiter äußern

„Ich bitte um Ihr Verständnis, dass ich keinen Anlass für mich oder jemand anderen aus dem Kreisverband Dortmund sehe, sich zu dem Thema weiter zu äußern. Das Thema ist in der Berichterstattung bereits ausführlich aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet worden“, schreibt Andreas Brausen, Geschäftsführer des CDU-Kreisverbands, auf eine Anfrage unserer Redaktion.

Das offizielle Kandidaten-Foto birgt noch eine Besonderheit: Es zeigt unter anderem Daniel Schürhoff, der zum 1. August aus der Partei ausgetreten ist.

Das offizielle Kandidaten-Foto birgt noch eine Besonderheit: Es zeigt unter anderem Daniel Schürhoff, der zum 1. August aus der Partei ausgetreten ist. © CDU

Bislang gab es von ihm nur ein nichtssagendes Statement zur Wahlliste mit nur fünf Kandidaten: „Die Wahlentscheidung liegt bei der Delegiertenversammlung“, lautete es.

Was um Himmels willen ist so schwer daran, einen Fehler einzugestehen und zu erklären? „Irren ist menschlich“, sagt schon ein altes Sprichwort. Niemand kann sich davon freisprechen.

Andreas Brausen und Co. sollten sich ein Beispiel an der Stadt Dortmund nehmen. Wahlpannen werden hier nicht verschleiert, die Stadt steht offen zu ihren Fehlern und versucht, ihnen auf den Grund zu gehen. Diese Transparenz ist vor allem für den Wähler wichtig. Er kann entsprechend reagieren und den Sachverhalt für sich einordnen.

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Die Wähler im Stadtbezirk Lütgendortmund lässt man im Regen stehen. Vor allem die, die die CDU wählen wollen. Denn laut Wahl-Flyer geben sie acht Kandidaten ihre Stimme. Auf der offiziellen Wahlliste stehen aber nur fünf.

Öffentliche Aufklärung im Vorfeld der Kommunalwahl ist nötig

Vielleicht ist es aber gerade einer der Kandidaten auf Platz sechs bis acht, für den ein Wähler sein Kreuzchen machen will. Im schlechtesten Falle, sagt selbst Arne Küpper, könne man der CDU Wahltäuschung vorwerfen.

Allein schon deshalb ist eine öffentliche Aufklärung der CDU-Panne vor der Kommunalwahl nötig. Andreas Brausen sieht das anders: „Ich bitte um Verständnis, dass wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Kapazitäten auf die Kommunalwahl konzentrieren.“

Gehört unvollständige Wahlliste nicht zur Kommunalwahl?

Wie bitte? Gehört die unvollständige Wahlliste etwa nicht zur Kommunalwahl? Haben die irritierten Wähler kein Recht auf Aufklärung? Nimmt die Fehleranalyse wirklich so viel Zeit in Anspruch?

Fragen, auf die es zum jetzigen Zeitpunkt keine Antworten gibt. Doch manchmal ist keine Antwort ja auch eine Antwort. Unbestritten ist, dass die Verantwortlichen nicht bereit sind, einen Fehler einzuräumen – an welcher Stelle er auch immer entstanden ist. Andreas Brausen und der CDU-Kreisverband stellen sich hier selbst ein Armutszeugnis aus.

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