Nicht nur in Dortmund sind Tragetaschen aus Papier dieser Tage knapp. Kunden müssen zum Einkauf eigene Tragetaschen mitbringen. © Schaper
Wirtschaft

Papiertüten sind in Dortmunder Supermärkten Mangelware – und noch mehr wird knapp

Immer wieder suchen Kunden im Supermarkt nach einer Papiertüte für ihren Einkauf - momentan oft vergeblich. Was dahintersteckt - und wie es weitergeht.

Freitagnachmittag an der Kasse im Rewe-Markt an der Rheinischen Straße: Die Ablagen, wo man sonst die Papiertüten findet, sind leer. Wieder gibt es in dem Dortmunder Supermarkt keine Einkaufstüten aus Papier. Ein einfaches Produkt, das mittlerweile fast zum Luxusartikel geworden ist. Denn immer wieder fehlt es an den Tragetaschen, berichten Kunden aus vielen Stadtteilen gegenüber unserer Redaktion. Zum Ärger vieler Kunden gibt es das Problem in vielen Dortmunder Supermärkten. Doch warum macht sich das Cent-Produkt eigentlich so rar?

Das Problem mit dem Papier

Erst fehlt das Holz für den Bau, dann die Computerchips – und jetzt Produkte aus Altpapier und Kartons. Laut der Wirtschaftswoche kann der europäische Markt momentan nicht mehr lückenlos mit dem Verpackungsmaterial beliefert werden. Gründe seien die große internationale Nachfrage sowie Probleme in der Logistik. Gleichzeitig stiegen die Preise für die Produkte. Das liege nicht nur an den hohen Kosten für Zellstoff und Altpapier, sondern auch an den enormen Transport- und Energiepreisen. Bei den Herstellern führe all das zu Engpässen und Lieferzeiten von mehreren Wochen.

Laut Rewe-Pressestelle kann es wegen der angespannten Rohstofflage zeitweise zu fehlenden Papiertüten in einigen Märkten kommen. Über Zukäufe möchte das Unternehmen den Mangel abmildern. Auch Edeka gibt auf Nachfrage an, die Auswirkungen der weltweiten Papierknappheit wahrzunehmen. Deren Folgen zeigen sich aber nicht nur im Supermarkt – es sind auch zahlreiche andere Branchen betroffen.

„Ständig neue Hiobsbotschaften“

So haben zum Beispiel Umzugsunternehmen Probleme bei der Bestellung von Umzugskartons. „Der Markt ist leergefegt“, fasst es Thomas Köster, geschäftsführender Gesellschafter der Möbelspedition Reichling in der östlichen Innenstadt, zusammen. Die Lieferzeiten hätten sich teilweise mehr als verdoppelt und die Produkte ließen mittlerweile bis zu acht Wochen auf sich warten. Die Preise würden wöchentlich steigen. Bis zu 35 Prozent mehr als üblich, so schätzt er, muss er mittlerweile im Einkauf zahlen. Ein Ende ist seiner Meinung nach nicht in Sicht: „Im Moment gibt es nur ständig neue Hiobsbotschaften.“

Leidet auch das Weihnachtsgeschäft?

Auch der Online-Handel könnte der Wirtschaftswoche zufolge Probleme bekommen. Es fehlen die typischen Kartons aus Wellpappe, in denen die Ware versandt wird. Dabei steht das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft erst noch aus. Ob das das Problem weiter verstärkt?

Auf eine Nachfrage der Redaktion bei Amazon – der Online-Händler betreibt ein großes Versandzentrum an der B236 – gibt sich ein Sprecher des Unternehmens zuversichtlich. Und zwar ganz generell: „Wir haben langfristige Beziehungen mit unseren Lieferanten und stellen uns frühzeitig auf die Weihnachtssaison ein. Wir sind daher gut vorbereitet und erwarten keine Probleme in unserem Logistik-Netzwerk“, so sein Statement.

Gleichzeitig arbeite man bereits seit Jahren daran, das Verpackungsmaterial zu reduzieren, um umweltfreundlicher zu werden. Dafür verzichte Amazon auf den zusätzlichen Karton, in dem die Waren versendet werden. Stattdessen werden die Produkte mit Adressaufklebern nur in der Original-Verpackung des Herstellers verschickt. Das sei laut Amazon jedoch ein laufendes Projekt, das nicht im Zusammenhang mit der aktuellen Papier-Knappheit stehe.

An den Stoffbeutel denken

Egal ob durch fehlende Tüten oder zu wenig Verpackungsmaterial: Letzten Endes zeigt sich der Mangel an Papier und Kartons in allen möglichen Branchen. Wie lange die Knappheit noch anhält, ist momentan nicht absehbar. Im Kleinen wie im Großen wird das Thema den Alltag vieler Dortmunder aber vermutlich noch einige Zeit lang begleiten. Es scheint also sinnvoll, in den nächsten Wochen zum Einkaufen lieber einen Stoffbeutel mitzunehmen. Sicher ist sicher.