Hilfe bei Parkinson: Dortmunder gründen Tischtennisabteilung

rnSport gegen Parkinson

In Aplerbeck gibt es eine Sportgruppe, die nur aus Parkinson-Patienten besteht. Besondere Unterstützung bekommt die Truppe von einem anderen Verein.

Aplerbeck

, 08.10.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Diagnose Parkinson ist ein Schock. Auch für den Dortmunder Christoph De Martin. Der ehemalige Sportlehrer bekam die Diagnose im Alter von 40 Jahren. „Es fing damit an, dass ich mich nur noch langsam bewegen konnte. Auch das Schreiben an der Tafel ging immer schlechter“, sagt der heute 54-Jährige. Es ist nicht das bekannte Zittern, was die Krankheit mit ihm anstellt. Es sind die Muskeln, die langsam ihren Dienst verweigern.

Auf den ersten Blick fällt es nicht auf. Aber wenn Christoph De Martin anfängt zu sprechen, merkt man, dass etwas nicht stimmt. „Mich hat schon jemand morgens an der Supermarktkasse gefragt, ob ich einen getrunken hätte“, sagt De Martin. Er lallt ein wenig beim Sprechen, die Stimmbänder machen nicht mehr so richtig das, was sie sollen. De Martin nimmt’s mit Humor. Es sei so, wie es ist.

Vor vier Jahren eine schwere Operation

Seinen Job kann der Aplerbecker nicht mehr nachgehen. Bis 2017 ging’s noch, jetzt sind die körperlichen Einschränkungen zu groß geworden. Er musste operiert werden, hat Elektroden ins Gehirn eingesetzt bekommen.

„Das war 2015. Ohne die Operation könnten wir uns heute nicht mehr unterhalten.“ Doch Christoph De Martin ist keiner, der sich aufgrund seiner Krankheit vergräbt. Er muss was tun - und da lag es nahe, dass er Sport machen möchte. 2016 fing es mit Übungen gegen Parkinson an. Auf Youtube hat De Martin Therapieformen vorgestellt.

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Anfang 2019 besuchte er eine Lesung und erfuhr, dass Sport gut gegen Parkinson ist. Vor allem Tischtennis gilt als sehr gute Therapie. Da lag es nahe, einfach mal in der Nachbarschaft nachzufragen. Beim DJK Ewaldi, der seine Sportanlage an der Ramhofstraße hat. „Ich habe mit dem Verein Kontakt aufgenommen und der hat mich sofort unterstützt“, sagt Christoph De Martin.

Sechs Personen umfasst die Gruppe nun schon, die es seit Anfang September gibt. Fünf Männer und eine Frau jagen dem kleinen weißen Ball nach. Immer mittwochs ab 12.30 Uhr wird in der kleinen Sporthalle an der Ramhofstraße 1 gespielt, was das Zeug hält.

Einfach vorbeikommen und reinschauen

Jeder, der auch an Parkinson erkrankt ist, kann vorbei kommen. Dabei entscheidet jeder selbst sein Tempo. Einsteigen ist sofort möglich.

Im Übrigen gibt es prominente Hilfe: Eine Seniorenweltmeisterin im Tischtennis hat die Mitglieder im Griff. 1988 war es, als DJK-Ewaldi-Urgestein Annette Becker, die sich jetzt mit um die Parkinson-Sportgruppe kümmert, im Doppel mit Jasminca Stencel den Titel holte. Jetzt bereitet sie mittwochs die Platten vor.

„Beim Tischtennis können wir gut abschalten, wir konzentrieren uns auf den Ball und es scheint plötzlich alles leichter zu gehen“, sagt Christoph De Martin.

Und große Ziele hat die neu gegründete Parkinsongruppe auch. „Es gibt sogar eine Weltmeisterschaft im Tischtennis für Parkinsonerkrankte“, sagt Christoph De Martin und muss lächeln. Aber erst einmal müsse man die Krankheit bekannter machen. „Die Öffentlichkeit weiß noch nicht so viel darüber. Man kennt das Wort, kann aber nicht viel damit anfangen“, sagt De Martin.

Das Projekt wird vom Tischtennisbund unterstützt

Bei der DJK Ewaldi sind sie sich der Verantwortung bewusst und beteiligen sich an dem Projekt, das von Deutschen Tischtennisbund unterstütz wird. „Wir sind ein offener Verein und versuchen alles, was machbar ist. Ob gesund oder krank. Tischtennis passt natürlich bei uns gut“, sagt Friedhelm Althans, erster Vorsitzender der DJK Ewaldi.

„Und gerade mit den Hallenzeiten ist das natürlich sehr gut. Also bieten wir die Möglichkeit jetzt an“, so Althans. Vereinsmitglieder sind die Parkinson-Tischtennisspiele im Übrigen noch nicht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

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