Paul-Gerhard Stamm möchte 4000 Flüchtlingskinder aus dem Elend holen

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Paul-Gerhard Stamm ist für sein Engagement für Flüchtlinge ausgezeichnet worden. Den pensionierten Pfarrer beschäftigt aktuell das Schicksal von 4000 Kindern auf der Insel Lesbos.

08.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der pensionierte Pfarrer und ehemalige Superintendent der evangelischen Kirche Dortmund, Paul-Gerhard Stamm, ist vom Lions Club Dortmund-Phoenix mit dem „Förderpreis für herausragendes bürgerschaftliches Engagement" ausgezeichnet worden.

Seit 2015 setzt sich Stamm für Flüchtlinge ein. Sein Engagement ist ungebrochen: „Soeben habe ich einen Brief an die Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann (SPD) geschrieben", erzählt Stamm.

Aktuell geht es ihm um etwa 4000 Flüchtlingskinder, die schon Monate auf der griechischen Insel Lesbos in „ganz schlimmen Verhältnissen" leben. Er würde gerne einen Teil der Kinder nach Dortmund holen. Neben der Stadt Dortmund seien 140 weitere Kommunen in Deutschland bereit zu helfen.

Doch Asylpolitik ist Sache der Bundesregierung - und die stellt sich quer. Stamm: „Es gibt viele Bemühungen, aber keine Chance, die Kinder nach Dortmund zu bekommen."

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Sozialdemokratin Poschmann äußerte sich am Donnerstag (5.3.) hoffnungsvoll: Eine europäische Lösung sei „zum Greifen nah“, denn neben Deutschland wollten Frankreich, Portugal und Finnland besondes schutzbedürftige Flüchtlinge aufnehmen. Ein deutscher Alleingang aber würde die Bemühungen konterkarieren.

„Großer Sprung" durch Ausbildung

Stamm ist enttäuscht, dass Poschmann sich im Bundestag nicht dem Antrag der Grünen anschloss, den Kindern direkt zu helfen. Deshalb demonstrierte er am Mittwochabend bei einer Mahnwache vor der Reinoldikirche für die Aufnahme der Schutzsuchenden.



Mit dabei waren auch die beiden jungen Männer, für die Stamm vor fünf Jahren die Vormundschaft übernahm, als 16- und 17-Jährige nach Deutschland kamen und zu denen er noch immer Kontakt hält.

Die beiden Jugendlichen sind in Dortmund heimisch geworden. Dank Stamms Hilfe konnten die Jugendlichen ihre Familien nachholen. Eine der beiden Familien lebt in einer Pfarrwohnung, die Stamm für die Familie besorgt hat. „Aber deutsche Freunde haben die beiden zunächst nicht gefunden“, erzählt Stamm.

Durch seine Ausbildung habe einer seiner „Jungs" einen „großen Sprung mit seinen Deutschkenntnissen gemacht und ist richtig aufgetaut“, erzählt Stamm. Der andere (ehemalige) Flüchtlingsjunge sei ein „Hans-Dampf in allen Gassen“.

Flüchtliche lernen Deutsch im Sprachcafé

Genau das könnte man auch über ihn selbst sagen. So hat Paul-Gerhard Stamm 2017 das Café International in Wickede gegründet. 15 Ehrenamtliche geben in der Meylantstraße 85 Neubürgern dienstags und donnerstags um 17 Uhr Deutschunterricht. „Momentan kommen viele Frauen zum Deutschlernen zu uns“, sagt Stamm. Möglich sie das erst, seit das Café auch eine Kinderbetreuung anbietet. Er nimmt dabei wahr, dass „das Verhältnis der Dortmunder zu Muslimen ziemlich gut" sei.

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