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Pendler sauer: Wegen Flixtrain fällt eine Bahn-Verbindung von Dortmund nach Münster weg

rnBahnverkehr

Flixtrain bringt Dortmunder bald günstig nach Berlin. Er sorgt aber auch dafür, dass Pendlern zwischen Dortmund und Münster eine wichtige Verbindung der Deutschen Bahn fehlt.

Dortmund

, 20.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Vor einem Jahr war die Pendler-Welt von Ralf Müller, der eigentlich anders heißt, noch in Ordnung. Sieht man von den regelmäßigen Verspätungen der Bahnen zwischen seinem Wohnort Münster und seinem Arbeitsort Dortmund ab. Müller nahm in Münster um 9.03 Uhr den IC nach Dortmund (27 Minuten), abends ging‘s genauso schnell um 17.24 oder 18.24 Uhr ab Dortmund zurück.

Seit einem halben Jahr hält der Intercity ab Münster (9.03 Uhr) nicht mehr in Dortmund. Er wird aufgrund der Beschädigungen am Eisenbahndamm zwischen Münster und Lünen bis 2020 über Gelsenkirchen nach Essen umgeleitet. Gleiches Spiel beim IC, der um 18.24 Uhr in Dortmund hielt: Er wird über Gelsenkirchen nach Münster umgeleitet. Die schwereren Fernverkehrszüge werden umgeleitet, um die Strecke nicht weiter zu beschädigen, und, um den Nahverkehr stabil zu halten.

Vier Stunden lang kein Schnellzug von Dortmund nach Münster

Morgens fährt Müller nun mit der Eurobahn nach Dortmund: 54 Minuten. Genauso lange braucht der 44-Jährige seit dem 19. Mai 2019 auch abends – ebenfalls mit der Eurobahn (17.34 Uhr): Denn die Deutsche Bahn streicht beim IC 2026 den 17.24-Uhr-Halt in Dortmund aus ihrem Fahrplan.

Damit klafft zur Feierabend-Zeit eine gehörige Schnellzug-Lücke zwischen Dortmund und Münster: Nach dem IC um 15.24 Uhr ab Dortmund (33 Minuten) nach Münster fährt der nächste IC ohne Umstieg erst um 19.24 Uhr. Für Müller völlig unverständlich: „Vor einem Jahr gab es noch stündlich schnelle Verbindungen. Jetzt wird der Knotenpunkt Dortmund in Richtung Münster vier Stunden lang nicht von einem IC oder ICE angefahren.“

Wieso der IC-Halt um 17.24 Uhr entfällt, erklärt eine Sprecherin der Deutschen Bahn so: „Eine Fahrt über Dortmund ist aufgrund der dichten Belegung des Schienennetzes fahrplantechnisch leider nicht mehr zu realisieren, da andere Eisenbahnverkehrsunternehmen hier zusätzliche Fahrten geplant haben.“ Einfach ausgedrückt: Weil im gleichen Zeitslot ein Bahnkonkurrent in Dortmund hält, muss der 17.24er-IC weichen.

Flixtrain verdrängt die Bahn vom Gleis

Bei dem Konkurrent handelt es sich um Flixtrain, die Bahn-Sparte der durch ihre grünen Fernbusse bekannten Marke Flixbus. Der Flixtrain hält ab 23. Mai um 17.32 Uhr in Dortmund und erreicht um 21.45 den Berliner Hauptbahnhof. Das hilft Pendlern wie Ralf Müller aber nicht: Der Flixtrain fährt nicht über Münster.

Müller verweist auf die vielen Reisenden, die den IC um 17.24 Uhr ab Dortmund nehmen: „Gibt es keinen anderen Slot für den Flixtrain, um nicht all die Menschen vor den Kopf zu stoßen?“ Und: Hätte die Bahn nicht Einspruch erheben können gegen die Flixtrain-Fahrt, die den IC vom Gleis verdrängt?

Nein, heißt es bei der Bahn. Die Vergabe von Slot – im Bahn-Sprech „Trassen“ genannt – „ist ein regulierter und strikt definierter Prozess“, erklärt die Bahn-Sprecherin. Ein Prozess, den die Bundesnetzagentur überwacht. Den Fahrplan erstellt zwar die Bahn-Tochter DB Netz AG. Sie kann aber nicht schalten und walten, wie sie will, sondern muss allen deutschlandweit rund 400 Eisenbahn-Verkehrsunternehmen den „diskriminierungsfreien Zugang zur Eisenbahn-Infrastruktur“ gewähren. In diesem Fall Flixtrain.

Ermäßigung wegen des eingeschränkten Service? Nein.

Ralf Müller hat ein Abo der Deutschen Bahn, mit dem er ICE nutzen kann – bloß kann er künftig zu seinen Pendler-Zeiten nicht mal einen IC nutzen. Als der Halt seines Morgen-Zugs (9.03 Uhr ab Münster) und seines Abend-Zugs (18.24 Uhr) gestrichen wurden, fragte Müller die Bahn, ob er wegen des eingeschränkten Services eine Ermäßigung bekommen könne? Nein, habe die Bahn mitgeteilt.

Der finanzielle Aspekt ist die eine Sache. Die andere: Müller und viele andere Pendler verlieren auf der Strecke Dortmund-Münster viel Zeit. Der Ärger unter den Fahrgästen des IC um 17.24 Uhr sei groß, sagt Müller. Für ihn sei die längere Fahrzeit schlichtweg „ein Verlust von Lebensqualität: Dadurch sehe ich meine Kinder jetzt später.“

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