Personal verzweifelt gesucht: Kaum jemand will Streife für die Stadt Dortmund gehen

rnKommunaler Ordnungsdienst

Die Stadt hat große Mühe, für den Außendienst im Ordnungsamt passendes Personal zu finden. Ein neuer Anreiz soll den Job schmackhaft machen – er hat aber einen Schönheitsfehler.

Dortmund

, 03.02.2020, 11:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Verwaltung sieht "dringenden Handlungsbedarf": Ihr fehlen noch immer qualifizierte Ordnungskräfte, die sie mit der Polizei auf Doppelstreife durch die City und die Außenbezirke schicken kann. Kaum ein externer Bewerber für den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) bringe die notwendigen Voraussetzungen mit.

Die Fluktuation in dem eher untypischen Verwaltungsjob ist hoch. Offene Stellen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Trotzdem hat der Rat der Stadt beschlossen, die 56 Planstellen der früheren „Ordnungspartnerschaften“ um zehn weitere auf 66 Stellen aufzustocken, 64 speziell für den Außendienst. Die Politik möchte, dass die Jobs nun auch besetzt werden.

Doch so sehr sich die Verwaltung ins Zeug legt, potenziellen Kandidaten die Arbeit schmackhaft zu machen: Irgendwie ist der Wurm drin. 17 der 64 Stellen sind vakant. Das entspricht einer Besetzungsquote von gerade mal knapp 72 Prozent.

Stadt winkt mit Zulage

Beschäftigte aus anderen Ämtern zeigen eher wenig Interesse, berufsmäßig draußen nach dem Rechten zu sehen, dabei mit Bürgern in Konflikt zu geraten und sich womöglich beschimpfen zu lassen. „Die Kollegen im Außendienst sind besonderen Risiken ausgesetzt, das schreckt ab“, sagt Personalrätin Heike Samulewicz.

Umgekehrt haben sich Mitarbeiter, die früher auf Streife waren, lieber in einen Bürojob versetzen lassen. Und externen Bewerbern, darunter etwa Personal aus dem Wach- und Sicherheitsdienst, fehlt nach Darstellung des Ordnungsamtes häufig die Qualifikation – längst nicht jeder hat eine Ausbildung zum klassischen Verwaltungsfachangestellten in der Tasche.

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Die, die es dennoch zu einem Arbeitsvertrag schaffen, werden zwar geschult für die oft heiklen Aufgaben. Angestellt aber werden sie aller Regel erstmal für ein Jahr. Danach kommt der Verwaltungslehrgang I – ein Wendepunkt, an dem sich die Wege oft wieder trennen.

Um endlich auf das erforderliche Personal zu kommen, hält die Stadt jetzt ein Bonbon bereit: Alle Außendienstler sollen rückwirkend zum 1. Juni 2019 eine monatliche Zulage in Höhe von 127 Euro auf ihr Gehalt bekommen. Das liegt nach Angaben von Personalrätin Samulewicz im Schnitt bei knapp 3300 Euro/Monat. Die Zulage ist bis Mitte 2023 befristet.

Wenig Erfolg im ersten Anlauf

„Ob das hilft, bleibt abzuwarten“, sagt Samulewicz. Neu ist der Wink mit dem Gehaltsstreifen nicht: 2011 versuchte die Stadt, den Personalmangel bei den Ordnungspartnerschaften mit dem gleichen Mittel zu bekämpfen. Auch damals erhielten alle Außendienstler 127 Euro Zulage.

Der Erfolg tendierte gegen null. „Ein Anstieg an formal geeigneten Bewerbern konnte dadurch nicht verzeichnet werden“, hält die Verwaltung in ihrem Papier an die Ratsgremien fest. Prompt kassierte die Stadt ihre Zulage im November 2015 für die künftig einzustellenden Ordnungskräfte ein. Wer die Zulage schon vorher hatte, durfte daran festhalten – bis heute. Dabei handelt es sich um gerade noch neun Mitarbeiter.

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Ihre 38 Kollegen, die den Job nach 2015 antraten, sind seitdem ohne den Zuschlag unterwegs. Im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit sollen nun alle Außendienstler in den Genuss kommen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 129.000 Euro pro Jahr. Die jüngste Stellenausschreibung der Stadt für den kommunalen Ordnungsdienst ist 2019 abgelaufen, die Bewerbungsgespräche sind im Gange.

170 Bewerbungen für Ausbildung

Ab 2023, so die Hoffnung der Verwaltung, soll endgültig Schluss sein mit der permanenten Suche nach uniformierten Einsatzkräften. Die Stadt will die Reihen der Ordnungsdienstler künftig mit eigenem Nachwuchs füllen – und startet deshalb im laufenden Jahr den neuen Ausbildungsberuf „Verwaltungsfachangestellte mit Schwerpunkt kommunaler Außendienst“. Drei Jahre, dann sind die Absolventen damit durch. Knapp 170 Bewerbungen liegen zurzeit vor.

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